„Jede Szene hat mit ihrem eigenen Leben zu tun“
OSTFILDERN: Experimentelles Tanz- und Musik-Projekt „Begegnungen 2010“ geht in die zweite Runde
Breakdancer aus dem Jugendtreff L-Quadrat im Scharnhauser Park und ein improvisierendes Kammerorchester der Musikschule Ostfildern haben vor einem Jahr mit ihrer experimentellen Tanz- und Musik-performance „Begegnungen“ für Furore gesorgt. Nun geht das Projekt in die zweite Runde: Derzeit laufen die Proben für die „Begegnungen 2010“.
Die Aufführungen finden am 20. und 21. März im Theater an der Halle statt. Unterstützt wird das Projekt vom Städtischen Kulturbüro, dem Landkreis Esslingen und dem Kreisjugendring Esslingen.„Wir schauen uns das erst mal an und fühlen uns rein“, instruiert Scott Roller bei der gemeinsamen Probe sein junges Kammerorchester mit Streichern, Bläsern, Klavier und Schlagzeug. In sich versunken kauert ein Tänzer auf der Bühne, bringt sich mit hypnotisch langsamen Bewegungen in skurril verschlungene Posen und Balancen, um urplötzlich in explosive Sprünge und Drehungen auszubrechen. Später fetzt die ganze Tanztruppe in rasanten Schritten und Sprüngen über die Bühne oder verblüfft mit akrobatischen Einlagen.Unter der Leitung des Choreographen und Tänzers Adrian Turner haben die Breakdancer der Gruppe Flash Rockers aus dem L-Quadrat einzelne Choreographie-Module entwickelt, die nun zusammengesetzt und vom Orchester in freier Improvisation begleitet werden. „Eigentlich sind es die Tänzer, die hier komponieren“, erläutert Orchesterleister Roller diese ungewöhnliche Vorgehensweise. „Wir Musiker müssen uns darauf einlassen, was sie tun“.
„Es sind alles Menschen“
Was sie auf der Bühne tun, das haben die Tänzerinnen und Tänzer in intensiven Proben-Sessions mit Adrian Turner erarbeitet. Dabei pflegt der Choreograph nach eigenem Bekunden eine „organische Arbeitsweise“: „Was sie tanzen, soll von ihrem Gefühl heraus kommen. Jede Szene hat mit ihrem eigenen Leben zu tun.“ Dass bei dem Projekt unterschiedliche Sphären zusammen treffen - Migrationshintergrund hier, gepflegte Mittelschicht dort - spielt für Adrian Turner eine untergeordnete Rolle: „Es sind alles Menschen, die im Prinzip dieselben Gefühle und Probleme haben, wenn auch vielleicht in etwas anderer Form.“
Das Projekt mache ihnen großen Spaß, sagen einige der jungen Musikerinnen und Musiker. Improvisieren wolle auch gelernt sein, weiß Konstantin (14), der im Orchester Cello spielt: „Man kann zwar nichts falsch machen, aber man kann schlecht spielen.“ An den Improvisationen reizt Sara (16), Anna (17) und Katie (14), dass sie dabei mit ihren Instrumenten allerhand ausprobieren können: Man klopfe auch mal auf den Geigenkorpus oder erzeuge mit Saxophon oder dem Horn ganz andere Töne als sonst. Gewachsen seien auch die Tänzer an dem Projekt, ist Coach Fatmir Brahaj überzeugt - „sowohl choreo-graphisch als auch menschlich“. Außerdem habe man in den Proben gelernt, einander zuzuhören und andere zu akzeptieren.
Aufgeführt werden die „Begegnungen 2010“ am Samstag, 20. März, um 19 Uhr und Sonntag, 21. März, um 17 Uhr im Theater an der Halle in Nellingen. Karten im Vorverkauf gibt es beim Ticketservice an der Halle , Tel. 07 11/ 34 04-800 und im Bürgerservice im Stadthaus unter Tel. 07 11/34 04-144.



Artikel kommentieren