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SERIE ES BLEIBT IN DER FAMILIE

Irgendwann kommt die klare Trennung

ESSLINGEN: Runder Tisch „Frauen in der Nachfolge“- Männer lösen sich nur schwer von ihrer Firma

  IHK-Geschäftsführerin Hilde Cost (links vorne) hat den Stammtisch der „Übernehmerinnen“ zu Gast. Foto: Bulgrin
 

IHK-Geschäftsführerin Hilde Cost (links vorne) hat den Stammtisch der „Übernehmerinnen“ zu Gast. Foto: Bulgrin

 

Manche waren nur „zweite Wahl“ bei der Firmenübernahme, eine hat ihren Vater am Ende hinausgeworfen, andere sind froh, dass die Eltern noch als Berater zur Verfügung stehen. Ein Dutzend Unternehmerinnen hat sich am Tisch der Esslinger IHK versammelt und ebenso viele unterschiedliche Geschichten hört man an diesem Abend. Ohne Reibung ging die Übergabe des Unternehmens nur in Ausnahmefällen über die Bühne.

Von Roland Kurz

Vor gut drei Jahren, bei einer IHK-Podiumsrunde zur Firmennachfolge, kam den Frauen die Idee zum „Übernehmerinnen-Stammtisch“. Dort wird genauso über Familiendynamik geredet wie über Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder über Steuerrecht. Manchmal treffen sich die Chefinnen in einem ihrer Betriebe, mal diskutieren sie an einer Universität über „Familienklatsch“. Dieses Mal hat Hilde Cost eingeladen, die Geschäftsführerin des IHK-Bezirks Esslingen. An 44 Chefinnen in der Region Stuttgart schickte sie die Einladung zum „Round Table - Frauen in der Nachfolge“, wie sich der Stammtisch inzwischen nennt.„Irgendwann steuert es immer auf den Punkt zu: Vater, da ist die Tür.“ Ingrid M., Chefin von 28 Mitarbeitern, sagt das ohne Groll. Sie fasst einfach zusammen, was am Tisch in vielen Facetten beschrieben worden ist. Die Geschäftsführerin eines Kleinbetriebs hatte freimütig bekannt: „Der Vater hat immer reingeredet, da habe ich ihn eines Tages rausgeschmissen.“

Übergangsphase möglichst kurz

Reibungsloser lief es bei Marjoke Breuning. In ihrer Familie sei immer klar gewesen, dass die Eltern zu einem bestimmten Zeitpunkt rausgehen. Die elegante junge Frau, die mit ihrer Schwester drei Wäschegeschäfte in der Stuttgarter Königstraße betreibt, empfiehlt, die Übergangsphase möglichst kurz zu halten. Wenn man zur sechsten Firmengeneration zählt, kann man eben auf Erfahrungen in der Übergabe zurückgreifen.

Heike Dirmeier teilt sich dagegen die Geschäftsführung mit ihrer Mutter und ist froh über deren Erfahrung und detailliertes Kundenwissen. Alles, was bei dem Sensorenhersteller aus Leinfelden-Echterdingen zukunftsgerichtet ist, managt jedoch die Tochter.

Ähnlich funktioniert es bei Simone Görgens aus Schwieberdingen. Sie mag es sich gar nicht vorstellen, wie es ohne den 70-jährigen Vater laufen soll. Auf seine „Vertriebsstärke“ will sie nicht verzichten. Dabei war es auch bei ihr kein einfacher Weg, zur Chefin aufzusteigen. Sie habe zwar den Beruf gelernt, dann aber Kinder aufgezogen und sei für ihren Vater nur dritte Wahl gewesen. Die Erfahrung, dass der Bruder Wunschnachfolger war, haben etliche der Frauen gemacht. Aber es gibt Brüder, die gar nicht in die erste Reihe wollen.

Männer trennen sich schwerer von ihrer Firma, glaubt Marjoke Breuning. Denn Männer definierten ihren Status vor allem über den Beruf. Ingrid M. stimmt ihr zu: Zwischen Mutter und Tochter laufe es einfacher. Diese Behauptung ruft in der übrigen Runde deutlichen Widerspruch hervor. Die Diskussion zeigt, dass es bei der Firmenübergabe nicht nur um sachliche Probleme geht, sondern stets um die Ablösung eines „Alphatiers“ durch ein anderes. „Das sind Führungskräfte, mit Dickkopf, das ist eine Generationengeschichte“, meint eine junge Chefin.

Auch über Gefühle reden

Einig sind sich die Frauen, dass in der Familie frühzeitig darüber gesprochen werden muss, wer welche Erwartungen hat. „Kommunikation ist das A und O zur Lösung, auch über Gefühle muss man sprechen“, fasst Sonja Rayher zusammen. Sie hat Erfahrungen in einem amerikanischen Konzern gesammelt und wird mit einer ihrer drei Schwestern die Wendlinger Firma übernehmen. Aber noch sind die Eltern, die die Firma mit 55 Mitarbeitern aufgebaut haben, mit im Boot.

Ein externer Moderator, ob Coaching-Spezialist oder Steuerberater, könnte den Generationenwechsel unterstützen. Aus heutiger Sicht würde sie die Hilfe von außen in Anspruch nehmen, meint Sylvia Dommer-Kroneberg, Geschäftsführerin einer Stuttgarter Fahnenfabrik. Die meisten Frauen in der Runde teilen diese Ansicht, aber sie nicken auch, als jemand sagt: „Letztlich steht man allein da.“ IHK-Geschäftsführerin Cost kennt dieses Gefühl auch, aber echten Trost kann sie nicht spenden: „Dafür sind Sie Unternehmerin, dass Sie die Dinge klar ansagen und entscheiden.“

 

Artikel vom 10.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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