Grenzpfahl wandert von der Wiese in den Wald
UNTERENSINGEN/NEUHAUSEN: Schwäbischer Albverein restauriert das historische Kleinod und stellt es wieder auf
Die Lindenhöfe sind bei gutem Wetter beliebtes Ausflugsziel für Radfahrer und Wanderer aus allen Himmelsrichtungen. Fast in Sichtweite Höfe steht nun ein historischer, hölzerner Grenzpfahl. Der markiert exakt die Gemarkungsgrenze zwischen Neuhausen und Unterensingen. Umfangreich restauriert haben ihn Mitglieder des Schwäbischen Albvereins Unterensingen.
Ursprünglich stand der hölzerne Grenzpfahl an anderer Stelle, mehrere hundert Meter vom heutigen Standort entfernt. Und zwar im Neuhäuser Tal, genauer in den Unteren Talwiesen, am früheren Vicinalweg. So lautet die historische Bezeichnung für den Verbindungsweg zwischen den Nachbargemeinden Neuhausen, Ober- und Unterensingen. „Der Grenzpfahl lag im Dornröschenschlaf, denn der Weg ist heute kaum mehr erkennbar“, sagte der Leiter des Forstreviers Sauhag, Hartmut Scheuter. Der Pfahl markierte nicht nur die Verwaltungsgrenze zwischen den württembergischen Oberämtern Esslingen und Nürtingen nach 1810, sondern auch die Bezirksgrenze zwischen dem Neckar- und dem Schwarzwaldkreis, erklärte Kreisarchivar Manfred Waßner. Damals war das Gebiet im Neuhäuser Tal viel weniger bewaldet als heute und es ist auch heute noch stellenweise je nach Witterung recht feucht bis sumpfig. Doch das war den Reisenden lieber, als einen Weg zu nehmen, der mitten durch den Wald führte.
„Gedächtnis des Lebensalltags“
Das ist heute anders: Vor zehn Jahren wurde der Elsbeer-Wanderweg angelegt, er führt mit wenigen Metern Höhenunterschieden mitten durch den Wald und ist, so Scheuter, „ein sehr stark frequentierter Weg“. Deshalb lag es nah, den Grenzpfahl dorthin zu versetzen. „In einer Zeit, in der Schlagbäume abgebaut werden, stellen wir wieder welche auf“, sagte der Förster verschmitzt. Der Sauhag berge viele historische Schätze. Erschlossen sind sie unter anderem durch einen archäologischen Wanderweg. Ziel sei es, die Menschen neugierig auf die Geschichte und die Hintergründe zu machen. Der Landkreis ist derzeit mit Unterstützung vieler Ehrenamtlicher damit beschäftigt, Kleindenkmale zu inventarisieren und bei Bedarf zu restaurieren. „Kleindenkmale sind das Gedächtnis des Lebensalltags und der Grenzpfahl ist ein wichtiges Kleindenkmal“, sagt Waßner.
Ein Team des Schwäbischen Albvereins um Richard Gähr, den Ehrenvorsitzenden der Ortsgruppe Unterensingen, hat nun mit Unterstützung der Gemeinde den Grenzpfahl liebevoll und mit viel Zeitaufwand restauriert, bemalt und wieder aufgestellt. 1977 war der Grenzpfahl schon einmal restauriert worden. Die neue Unterkonstruktion soll nun eine längere Lebensdauer sichern.



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