Sensor zeigt, wenn die Milch sauer ist
FILDERSTADT: Benedict Krautheim gewinnt den Regionalentscheid von „Jugend forscht“
Das tat sie. Beim Regionalentscheid wurde der Harthausener mit dem 1. Platz belohnt und erhielt zusätzlich den Sonderpreis des Umweltministeriums. Und das mitten in den Abiturvorbereitungen. „Das war schon extrem stressig.“ Die ganzen Weihnachtsferien über tüftelte er von morgens bis abends an der „Jugend forscht“-Arbeit. „Ich hab‘ mich nur von Spezi und Schokolade ernährt.“ Dafür gelang der Durchbruch. Die Versuche zeigten endlich, dass die Idee funktionierte und die richtigen Materialien für den Frischetest von Milch gefunden waren.
Schoko-Pops mit alter Milch
Mit Benedicts Erfindung sieht man, ob Milch im Tetrapack noch gut oder schon sauer ist. Denn als er einmal seine morgendlichen Schoko-Pops mit Milch gegessen hatte, sah er, dass die Milch längst abgelaufen war. Er befürchtete, dass es ihm schlecht wird. Mit seiner entwickelten „Freshness Indicator Membrane“, kurz FIM, im Tetrapack kann er bedenkenlos das aufgedruckte Haltbarkeitsdatum ignorieren. Verfärbt sich das Indikator-Papier von Grün nach Gelb, ist die Milch sauer. Das zeigt die runde Versuchszone an. Eine Kunststoffmembran verhindert, dass die Milch nach außen dringt und die Tüte undicht wird. Gleichzeitig darf der pH-Indikator die Milch nicht verunreinigen. Zunächst experimentierte der Gymnasiast mit Zitronensäure und Blaukrautsaft. Die Tests gelangen schließlich mit Bromthymolblau. Dieses Natrium-Salz benutzen Aquarianer, um die Wasserqualität zu kontrollieren, hat der 19-Jährige herausgefunden. Im Becken muss der pH-Wert genau austariert sein, damit die Pflanzen gut wachsen und die Fische keinen Pilz auf die Schuppen bekommen. „Was Fischen nicht schadet, kann für Menschen nicht schlecht sein“, folgerte der Nachwuchsforscher. Eine Firma in Frickenhausen unterstützte den Abiturienten. Mitarbeiter bauten mit ihm die Versuchsanlage und überließen ihm verschiedene Membrane, darunter ein teurer Prototyp. „Bei dem kostet ein Quadratmeter 1000 Euro“, hat Bendict später erfahren. Genau diese Kunststoffmembran ist für die Erfindung nötig. Ginge sie in Großfertigung, wird der Frische-Anzeiger spottbillig. Im Moment würde er etwa zehn Cent pro Tetra-Pack kosten, hat der Schüler ausgerechnet, der seit der 7. Klasse im Erfinderclub des Gymnasiums mitmacht. Auf alle Fälle hat er ein Patent angemeldet. Ob es anerkannt wird, ist noch unklar. Denn ein koreanischer Professor hat ein weltweites Patent auf eine ähnliche Idee. „Das hat mich ziemlich frustriert“, sagt der Filderstädter. Allerdings beurteilt er das professorale Produkt als „ziemlich labil“. Bei einem Druck von 23 bar platze die Tüte an der Stelle mit dem Indikator. Am 25. März stellt der Regionalsieger seine Idee beim Landeswettbewerb in Stuttgart vor. Derzeit feilt er an der Präsentation. Danach kümmert er sich endgültig um sein Abi, bevor er am 20. August für sein Freiwilliges Soziales Jahr Richtung Australien abhebt.



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