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Die Rache der Königin Tamiris im Rittersaal

KöNGEN: Restaurator Hans Cabanis stellt freigelegte Wandmalereien vor - Spenden machen aufwendige Restaurierung möglich

  Der griechische Gott Herakles, in lateinischer Sprache Herkules genannt, ist auf dem Wandgemälde im Rittersaal zu sehen. Die Stellen, die nicht erhalten sind, haben die Restauratoren mit Kalkfarbe überdeckt.Fotos: Bulgrin
 

Der griechische Gott Herakles, in lateinischer Sprache Herkules genannt, ist auf dem Wandgemälde im Rittersaal zu sehen. Die Stellen, die nicht erhalten sind, haben die Restauratoren mit Kalkfarbe überdeckt. Fotos: Bulgrin

 

Die römischen Zwillinge Romulus und Remus, Herkules und die antike Königin Tamiris sind jetzt auf der Ostwand des Köngener Rittersaals zu sehen. Der Restaurator Hans Cabanis hat große Teile der Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert freigelegt. Was nicht mehr zu retten war, ist mit ockerfarbener Kalkfarbe verkleidet. „Wir waren uns mit dem Denkmalamt einig, dass wir nichts aus unserer heutigen Perspektive rekonstruieren wollen.“

Von Elisabeth Maier

Unter Kunsthistorikern gebe es unterschiedliche Auffassungen, ob solche Flächen nachgemalt werden sollten oder nicht. Am Ende sei man dem Rat der Denkmalschützer gefolgt, sagte Köngens Bürgermeister Hans Weil bei der Präsentation der restaurierten Ostwand. Dass die Gemeinde die Fläche freilegen konnte, die im Lauf der Jahrhunderte mehrmals übermalt worden ist, machten der Geschichts- und Kulturverein sowie die Denkmalstiftung Baden-Württemberg möglich; sie steuerten jeweils 15 000 Euro zu dem Projekt bei, das insgesamt 41 000 Euro kostete. An der Gemeinde selbst blieb am Ende der vergleichsweise bescheidene Betrag von 1000 Euro hängen.Obwohl im Rittersaal aus dem Jahr 1539 schon seit langem Veranstaltungen stattfinden, legte Cabanis immer wieder einzelne Stellen in der Wand frei. „Als Romulus und Remus auftauchten, war ich neugierig, was wir als nächstes finden“, erinnert sich der Experte. Um die Freilegung zu finanzieren, sammelten die rührigen Mitglieder des Geschichts- und Kulturvereins Spenden. Was unter der cremefarbenen Tünche auftauchte, hat dann selbst die Experten erstaunt.

Von der Wölfin gesäugt

Die sagenhaften römischen Brüder Romulus und Remus, die von der Wölfin gesäugt wurden, finden sich ebenso auf der Fachwerkwand wie der griechische Gott Herkules, Sohn des Zeus und der Alkmene. Auch Julius Cäsar und Alexander der Große sind dargestellt. Weniger bekannt ist die Königin Tamiris, die um 530 vor Christus ihren Sohn beim Überfall des persischen Königs Kyros II. verlor. Als ihr Heer in der nächsten Schlacht gegen die Perser siegte, ließ sie deren König enthaupten. Der abgeschlagene Kopf in ihren Händen ist auf dem Gemälde zu erkennen. „Tamiris ist im Stil der Rubens-Schule gemalt“, erklärt Detlef Rothfuß vom Köngener Geschichts- und Kulturverein. Das sehe man an den aufwendig gestalteten Falten ihres Kleides.

Für den Nürtinger Architekten Frank Hihn, der die 2007 abgeschlossene Sanierung des Köngener Schlosses leitete, ist es ein „Glücksfall“, dass Teile der wertvollen Wandmalereien erhalten werden konnten. In den 40er- und 50er-Jahren sei der Rittersaal als Sporthalle genutzt worden. Die Bemalung wurde mit Öl- und später mit Binderfarbe überstrichen.

Für Hans Cabanis und sein Team war es eine Herausforderung, die Gemälde zu restaurieren. „Mit Stirnlupe, Lösemitteln und Wattestäbchen haben wir die Bilder freigelegt.“ Malschichten, die Blasen gebildet hatten oder die im Lauf der Jahre eine pudrige Struktur entwickelten, haben die Restauratoren mit Metylcellulose gefestigt.

250 Mal vermietet

Für Bürgermeister Hans Weil schließt sich mit der Freilegung ein Kreis. Besonders stolz ist er auf die aktiven Bürger des Geschichts- und Kulturvereins, ohne deren Engagement das Projekt in Zeiten knapper Kassen nicht möglich gewesen wäre. Er präsentierte Belegungszahlen für das Schloss, das 2008 und 2009 250 Mal von Privatpersonen und Organisationen gebucht worden sei. Abzüglich aller Unkosten bleibe durch die Vermietungen und durch Erträge des Dauermieters Staufen AG ein Erlös von 100 000 Euro für den Verwaltungshaushalt übrig.

 

Artikel vom 09.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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