Bissiger Spott über Träume der Provinz

LEINF.-ECHTERDINGEN: Harald Schmidt spielt beim „Leute“-Talk auf dem Flughafen lustvoll mit Klischees vom arroganten Star

 

Harald Schmidt (links) spottet im Gespräch mit Stefan Siller auch über sich selbst.Foto: Rudel
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Harald Schmidt (links) spottet im Gespräch mit Stefan Siller auch über sich selbst.Foto: Rudel

 

Von Elisabeth Maier

Wenn er seine Talkgäste interviewt, nimmt der Star-Moderator und Entertainer Harald Schmidt kein Blatt vor den Mund. Bei der SWR-Leute-Sendung, die am Stuttgarter Flughafen aufgezeichnet wurde, inszenierte der 52-Jährige lustvoll die Arroganz, die seine Fans von ihm erwarten. Moderator Stefan Siller liest die Frage einer Zuhörerin vor, die Schmidts frauenfeindlichen Witze kritisiert. Er kontert mit der Gegenfrage: „Wie sieht denn Angelika aus?“ Echte Schmidt-Fans lachen und klatschen, die anderen drehen sich pikiert zur Seite. Was seinen Humor angeht, mache er ein Angebot. Ob das Publikum das annimmt oder nicht, sei dessen Entscheidung. Schmidts Fernsehquoten zeigen, dass seine scharfzüngigen Talks gefragt sind wie eh und je.

 

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Meister der Satire

Nach dem lebendigen Gespräch mit Stefan Siller nahm sich der Wahl-Kölner, der als festes Ensemblemitglied des Staatstheaters Stuttgart seit zwei Jahren auch wieder fest Theater macht, Zeit für Gespräche mit seinen Fans, die ins Terminal 1 gekommen waren. Da die Sendung auch fürs Fernsehen aufgezeichnet wurde, erlebten fast 200 geladene Gäste, wie Kamerateams arbeiten. In den Pausen huschte die Maskenbildnerin ins Bild, während der längst ergraute Schmidt kokettierte, dass er nichts für seine Schönheit tue, außer sich graue Strähnchen ins Haar zu färben.

Auf einem Barhocker plauderte der vielseitige Künstler über sein Leben zwischen Entertainment, Filmrollen und Theater. Und vergaß dabei nicht, über seine Barrenkür beim Abitur am Nürtinger Hölderlin-Gymnasium zu fabulieren. Da habe er die Lehrer in den Wahnsinn getrieben, weil er sich zuvor 15 Minuten lang die Hände mit Magnesia eingerieben habe - und dann doch vom Reck gefallen sei.

Dass Schmidt ein echter Meister der Satire ist, zeigte sich auch im Dialog mit Moderator Siller. „Wozu soll man noch Daten speichern, wenn jeder seine Darmspiegelung ins Facebook stellt?“ Mit Sätzen wie diesem trifft er den Nerv der Zeit. Stuttgart 21 finde er gut, „weil ich dann in 20 Minuten in Ulm bin, obwohl ich eigentlich nie nach Ulm fahre“, sinniert der gebürtige Neu-Ulmer und spöttelt auf dem Landesflughafen bissig über die Mobilitätsträume der Provinz. Der ungewöhnliche Talk­gast, der seine Partner im Gespräch sonst selbst mit verblüffen­den Fragen konfrontiert, genoss den Rollentausch sichtlich.Und obwohl der Schlagabtausch weniger heftig war als in den Schmidt-Shows, offen­bar­te der Star interessante Einblicke.

Dass er die Schauspielkunst beherrscht, zeigt Schmidt bei seinen Auftritten am Staatstheater. Diesen Aspekt seiner Arbeit hat er nie aus den Augen verloren, obwohl er Ende der 80er-Jahre seinen Durchbruch auf dem Bildschirm schaffte. Bei Schauspielchef Hasko Weber sieht sich Schmidt nicht als Star, obwohl er selbst ein „Hamlet“-Musical geschrieben hat und sich darin diverse Rollen auf den Leib schrieb. Bei der Arbeit mit dem Regiestar René Pollesch schafft Schmidt den Spagat, wieder ein sehr disziplinier­ter Ensemblespieler zu sein. Und fühlt sich dabei nicht minder wohl.

Die Leute-Sendung vom Flughafen mit Harald Schmidt wird morgen von 10 bis 12 Uhr auf SWR 1 Baden-Württemberg übertragen; die Fernsehaufzeichnung ist am 13. März um 1 Uhr zu erleben.

Artikel vom 08.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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