› mehr Wetter 

„Jeder Lastwagen ist zuviel“

LICHTENWALD: Gemeinderat bekräftigt Widerstand gegen Folgen des Durchfahrtsverbots in Stuttgart - Neue Zahlen glaubt niemand

Protest im Sitzungssaal: Die Aussicht auf die wachsende Verkehrslast stinkt den Menschen.Foto: Bulgrin
 

Protest im Sitzungssaal: Die Aussicht auf die wachsende Verkehrslast stinkt den Menschen. Foto: Bulgrin

 
Die Aussicht, dass wesentlich mehr Lastwagen durch ihren Ort donnern werden, mobilisiert die Lichtenwalder. Im Sitzungssaal des Gemeinderats mussten zusätzliche Stühle aufgestellt werden, Besucher protestierten mit Plakaten gegen die Folgen, die der Luftreinhalte- und Aktionsplan für sie haben würde. Die neuen Zahlen der Uni Stuttgart, dass künftig „nur“ etwa 100 statt bis zu 250 Brummis zusätzlich auf der Landesstraße 1151 den Schurwald überqueren sollen, glaubte niemand.

Von Klaus Harter

Mit dem Luftreinhalte- und Aktionsplan reagiert das Regierungspräsidium auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts. Das verpflichtete das Land, bis zum 28. Februar Maßnahmen zu ergreifen, um die Luftqualität in Stuttgart zu verbessern. Bis zum 29. Januar können sich die Kommunen zum Aktionsplan äußern. Die Gemeinde Lichtenwald hat bereits „erhebliche Bedenken“ geäußert. Der Verkehr müsse so umgeleitet werden, „dass Stutt­gart auf der Autobahn und den Schnellstraßen umfahren wird“, schrieb Bürgermeisterin Lucia-Maria Herrmann an Regierungspräsident Johannes Schmalzl. Die Entlastung der Landeshauptstadt dürfe nicht zu einer Belastung der Nachbarn führen. Die Schurwaldüberquerung zwischen Schorndorf und Reichenbach müssen für den Schwerlastverkehr gesperrt werden.

60 000 Lastwagen verkehren an Werktagen in Stuttgart, 3100 davon fahren nur durch. Die müssen wegen des Durchfahrtsverbots für Lkw ab 1. März draußen bleiben. Deshalb werden 200 bis 250 Laster zusätzlich den Weg über den Schurwald wählen und damit durch Lichtenwald fahren, hat die Uni Stutt­gart im vergangenen Jahr berechnet. Neue Berechnungen der Uni hätte ergeben, dass wegen der Topografie nur 100 Lkw zusätzlich die Schurwaldüberquerung wählen, berichtete Bürgermeisterin Herrmann dem Gemeinderat. Sie betonte: „Jeder Lastwagen ist zu viel“.

Trotz der niedrigeren Prognose wären es immer noch 40 Prozent mehr Lastwagen, errechnete Manfred Hoppe (SPD/FW). An der neuen Rechnung der Uni machte ihn stutzig, dass gegenüber der alten nicht weniger Lastwagen nach Reichenbach reinfahren. Damit müssten 150 mehr Lkw dort bleiben. Als Ursache vermutete er nicht die gestiegene Wirtschaftskraft von Reichenbach. „Die haben das einfach runter gerechnet.“ Hoppe forderte: „Der Dreck darf nicht großräumiger verteilt werden.“ Stattdessen müssten die Ursachen der Luftverunreinigung bekämpft werden.

Behörde schlägt biegsame Poller vor

Dass die Topografie Lastwagenfahrer vom Schurwald abhalten werde, glaubte Armin Storz (SPD/FW) nicht. Der Fahrer, der in Bulgarien sein Navigationsgerät programmiere, wisse nichts von den Steigungen und engen Kurven. Wegen des zunehmenden Verkehrs würden die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide künftig in Lichtenwald überschritten befürchtet Storz. Seine Fraktionskollegin Karin Heuberg verwies auf die drohenden „verkehrstechnischen Gefahren“. In den engen Kurven in den Ortsteilen Hegenlohe und Thomashardt geraten Lastwagen immer wieder auf die Gegenfahrbahn, Autos müssen auf den Gehweg ausweichen, immer wieder werden Fußgänger gefährdet, schrieb die Gemeinde an das Regierungspräsidium. Das habe sich bei einer Ortsbesichtigung mit Vertretern der Behörde bestätigt, teilte Bürgermeisterin Herrmann mit. Deshalb schlage das Regierungspräsidium vor, in Thomashardt biegbare Poller aufzustellen.

Eine starke Zunahme des Verkehrs über den Schurwald drohe, wenn die Untertunnelung von Schwäbisch Gmünd fertig sei. Damit werde ein Nadelöhr beseitigt, „und dann sind die Schleusen total geöffnet“. Detlef Dieter Sahm betonte, dass „wir alle“ auf Lastwagenverkehr angewiesen seien, wenn aber die Lastwagen über Berge fahren, steige der Schadstoffausstoß an. Lichtenwald werde die Position des kleinen gallischen Dorfes einnehmen, das den Römern in den Asterix-Comics erfolgreich Widerstand leistet, kündig­te Storz an. Damit die Widerstandskraft der Bevölkerung nicht wie so oft mit zunehmender Zeit nachlässt, regte Eva Schips (FUW) an, einen Protestausschuss zu gründen.

 

Artikel vom 21.01.2010 © Eßlinger Zeitung

Artikel drucken | Artikel als Email verschicken | Themenalarm

 

Leser-Kommentare (0)

-› Artikel kommentieren


Newsticker

Werbung

 

Sommerserie

Umfragen

top zum Seitenanfang