Und es ward Licht
PLOCHINGEN: Oratorienverein widmet sich in der Stadthalle Haydns Oratorium „Die Schöpfung“
Die dreijährige Arbeit am Oratorium „Die Schöpfung“ war für Joseph Haydn nicht nur eine kompositorische Herausforderung, sondern auch ein religiöser Akt. „Nie war ich so fromm wie zu dieser Zeit“, offenbarte er seinem Gönner und Librettisten Baron van Swieten. Diesem Gipfelwerk der Oratorienliteratur widmete sich der Oratorienverein Plochingen am Abend des Reformationstages. Mit ins Boot genommen hatte man den von Burkhard Wolf vorbereiteten Chor des Gymnasiums Plochingen. Eine gute Entscheidung, denn die jungen, unverbrauchten Stimmen gaben dem choristischen Großaufgebot einen zusätzlichen Hauch der Frische.Die Popularität der „Schöpfung“ ist dank ihrer eingängigen Melodik und meisterhaften Verarbeitung des Materials auch heute noch, gut 200 Jahre nach ihrer Entstehung, ungebrochen: Die Plochinger Stadthalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Haydn vertonte Lindleys nach John Miltons religiösem Opus „Paradise lost“ verfasstes Libretto zu einem beeindruckenden Tongemälde. Von der chaotischen Vision des Nichts über die Entstehung der Erde, Gestirne und Kreaturen bis hin zum paradiesischen Leben von Adam und Eva wird die Schöpfung der Welt nachgezeichnet. Dank plastischer Lautmalereien wird die Erschaffung der lebendigen Kreaturen fast wie in einem Bilderbuch präsentiert. Dabei berühren Einfachheit und Erhabenheit in der musikalischen Ausdeutung den Menschen auch heute noch zutiefst.Zwar wird das Geschehen maßgeblich von den Gesangssolisten bestimmt, der Chor hatte jedoch in der kommentierenden Rolle der himmlischen Heerscharen genügend Gelegenheit, sich zu profilieren. Heidrun Speck führte mit klarem Dirigat, und die Choristen folgten ihr willig und motiviert. Dabei sorgte die Dominanz der Frauenstimmen für einen hell gefärbten Klang, spannungsvolles „sotto voce“ kontrastierte mit gewaltigem Forte, und die Konturen der dramatischen Elemente waren klar herausgearbeitet. Da störte es nur wenig, dass angesichts der recht zügigen Tempi nicht jede Koloratur gestochen scharf kam und in einigen Partien die Transparenz des Stimmgeflechts nicht das Optimum erreichte.Sehr durchsichtig musizierte hingegen das von Konzertmeister Mathias Neundorf angeführte Instrumentalensemble Sinfonia 02, das immer wieder über klarem Streichergrund herrliche Bläsersoli aufleuchten ließ. Ein weiterer Pluspunkt der Aufführung war das Solistenterzett, allen voran der Bassist Bernhard Springler, der mit klarer Deklamation und angenehm timbrierter Stimme die Rolle des Erzengels Raphael ausfüllte und im dritten Teil als Adam reizvolle Dialoge mit seiner geliebten Eva führte. Diese wurde repräsentiert durch die ausdrucksstarke Stimme der Sopranistin Anja Petersen, welche schon zuvor als Gabriel lyrische Qualitäten gezeigt hatte. Dritter im Bunde war Johannes Kaleschke, der als Uriel zwar nicht immer in tenoralem Glanz schwelgte, jedoch durch Prägnanz und eine gut geführte, schlanke Stimme überzeugte.



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