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Um der Kinder willen

KREIS ESSLINGEN: Verein Väteraufbruch setzt sich für das Sorge- und Umgangsrecht beider Eltern ein - Verhärtete Fronten entspannen

  Wenn der Vater mit dem Sohne . . .: Szenen wie diese sollten aus Sicht von „Väteraufbruch“ auch für getrennt lebende Eltern die Regel sein.Foto: dpa
 

Wenn der Vater mit dem Sohne . . .: Szenen wie diese sollten aus Sicht von „Väteraufbruch“ auch für getrennt lebende Eltern die Regel sein. Foto: dpa

 

„Eine Scheidung beendet zwar die Partnerschaft, aber Eltern bleibt man ein Leben lang.“ Diesen Satz liest man auf der Internetseite der Kreisgruppe Esslingen des Vereins Väteraufbruch für Kinder (VafK). Die Mitglieder des Vereins stehen dafür ein, dass Kinder nach einer Trennung Kontakt zu beiden Elternteilen halten können und dürfen. Wie schwierig das ist, haben Matthias Mack und Sprecherin Tracey Kronewitter vielfach erlebt.

Von Stephanie Danner

In der Regel verliert jedes zweite Kind nach der Trennung der Eltern binnen eines Jahres den Kontakt zu dem Elternteil, bei dem es nicht lebt. Meist ist das der Vater, doch immer häufiger ist es auch die Mutter. So sind jedenfalls die Zahlen und Erfahrungen, die die Vertreter von „Väteraufbruch“ haben. Damit es soweit nicht kommt, lautet das Motto des Vereins: „Allen Kindern beide Eltern.“Dass das nicht einfach ist, wissen Mack und Kronewitter. „Man muss Realist sein“, sagt Mack. Im schlimmsten Fall verliere man im Scheidungskrieg alles: Job, Haus, Kinder. „Und das polizeiliche Führungszeugnis ist plötzlich voller Einträge, weil man anonyme Anzeigen bekommt“, erzählt Kronewitter. Das seien keine Einzelfälle, bekräftigt Mack, der mittlerweile schon hunderte Fälle erlebt und auch dokumentiert hat. Meist seien die von einer Trennung betroffenen Männer völlig allein, weil sich nach Misshandlungs- oder gar Missbrauchsvorwürfen Familie und Freunde distanzierten. Die Männer hängen in der Luft. „Wir wollen sie ankern“, sagt Kronewitter. Denn wie Mack erzählt, fühlen sich manche Betroffene regelrecht gejagt. „Dabei geht doch der Schutz der Kinder vor.“ Kronewitter bestätigt: „Immer wird auf die Paarebene geschaut. Die Elternebene wird völlig ausgeblendet.“ Der Kreisgruppensprecherin geht es wie Mack vor allem darum, die Eltern­ebene zu betonen. „Auch wenn man sich als Paar nicht mehr versteht, hat man immer noch gemeinsame Kinder, für die beide Elternteile wichtig sind.“Der Verein Väteraufbruch macht vor allem den Behörden und Institutionen den Vorwurf, dies nicht genug zu berücksichtigen. Dabei gibt es in Deutschland das Recht auf ein geteiltes Sorgerecht, wenn auch erst seit 1998. Mack hat außerdem erlebt, dass die Chance, die Kinder zugesprochen zu bekommen, geringer wird, umso emotionaler ein Vater an die Sache rangeht. „Wenn man Wut und Enttäuschung zeigt, sind Jugendamt, Gutachter und Richter kaum davon zu überzeugen, dass dem Kind der Umgang mit diesem ,aggressiven‘ Menschen zugemutet werden kann.“ Dem VafK gelinge es oft, verhärtete Fronten wieder etwas zu entspannen. „Wir wissen mittlerweile, wie es funktioniert“, sagen Mack und Kronewitter.

Im Idealfall wird alles geteilt

Mack berichtet von einem Fall, in dem „das System bedient wurde“. Der betroffene Vater habe letztlich getan und gesagt, was die Behörden von ihm sehen und hören wollten, nicht was er für richtig empfunden habe. „Am Ende kam unser Ideal heraus“, sagt Mack. Das Sorgerecht wird geteilt, das Kind lebt im Wechsel je zur Hälfte bei Vater und Mutter, ohne den Wohnort oder die Schule wechseln zu müssen. Außerdem habe der Vater, der sich schon vorher darum gekümmert hatte, weiterhin die Hoheit über Schule beziehungsweise Kindergarten. „Das wurde mit den Kindern alles besprochen, es gab keinen Loyalitätskonflikt und keine Verlierer“, erzählen die Vertreter. „Die Gewinner sind die Kinder.“

Allerdings sei natürlich kein Fall wie der andere. „Es gibt eine hohe Individualität“, sagt Mack. Besonders über Gespräche will der VafK versuchen, konstruktive Verbesserungen zu erreichen. Ohne Gutachter, die „oft Negatives und immense Kosten mit sich bringen“. Dennoch wollen die Vertreter des „Väteraufbruchs“ nicht sämtliche Institutionen verteufeln. Sie wissen, dass Gerichte heillos überlastet sind. „Und die Jugendämter haben oft gute Leute“, bekräftigt Kronewitter. Anwälte wollen sie aber mehr in die Pflicht nehmen, um „Schlammschlachten zu vermeiden“. Aus Sicht der Initiative ist das sogenannte Cochemer Modell deshalb ideal.

Cochemer Modell

Die als Cochemer Modell bezeichnete Arbeitspraxis ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der Personen und Institutionen, die am familiengerichtlichen Verfahren beteiligt sind. Im Interesse der Kinder sollen die Eltern trotz Trennung wieder miteinander sprechen, statt zu streiten. Die Bindung des Kindes zu beiden Eltern soll zugelassen werden. Dieses vernetzte Modell wurde im Moselort Cochem 1992 initiiert und umgesetzt, inzwischen genießt es bundesweit Anerkennung. Ziel ist es, die Sichtweise des Kindes ins Zentrum zu stellen. Streitende Eltern sollen befähigt werden, ihre alleinige und untrennbare elterliche Verantwortung weiter wahrzunehmen, statt diese den begleitenden Professionen zu überlassen. Eltern sollen wenigstens grundlegende Anliegen des Kindes miteinander besprechen.

Väteraufbruch

Väteraufbruch wurde 1989 als gemeinnütziger Verein gegründet und zählt mittlerweile 3000 Mitglieder. Die Kreisgruppe Esslingen-Reutlingen besteht seit 2003 und wird derzeit aufgrund ihrer Größe geteilt. In der Kreisgruppe Esslingen werden dann etwa 30 Mitglieder beteiligt sein. Weil immer mehr Frauen Interesse an der Initiative finden, gibt es Überlegungen, den Verein eines Tages in „Elternaufbruch“ umzubenennen. Ursprünglich war der VafK mit Aktionen wie Demos oder Sitzstreiks provokativ ausgelegt. „Jetzt geht es eher um Strukturen und Netzwerke“, sagen Matthias Mack und Tracey Kronewitter, die immer wieder versuchen, von der Stadt Esslingen einen Raum für ihre Treffen zu bekommen. „Manche Dinge sind so heikel, die will man nicht öffentlich im Restaurant besprechen.“ Für die Zukunft wünschen sie sich, behandelt zu werden wie Frauennetzwerke.

Treffen: Jeden zweiten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr im „Brauhaus Waldhorn“ in Plochingen.

kontakt@vafk-es.de

www.vafk-es.de

www.vaeteraufbruch.de

 

Artikel vom 19.10.2009 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (4)

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20.01.2010 18:34 von Doc N

ein sehr verdienstvoller artikel. prima, dass interesse für das thema entsteht. wann werden väter endlich ernst genommen? als väter, (nicht als zahler). in den institutionen treffen sie ganz überwiegend auf unverständnis.

27.10.2009 15:53 von Moni

Ich wünschte mir das der Erzeuger meines Sohnes seinen Mut zusammen reißen würde und wenigstens eine Geburtstagskarte schickt. Aber er erschien nicht mal vor Gericht. Mitten in der Schwangerschaft gings außeinander, in den 7 Lebendsjahren meines Sohnes hatte er sich überhaupt nicht gemeldet. Ich wünsche den Vätern die sich den Kontakt zu ihren Kindern einsetzen und nur positives wollen, viel Glück. Ich drück euch die Daumen.

27.10.2009 12:55 von Jörg-W.Erdmann

Ich bin auch betroffen. Mit meinem Sohn habe ich seit über 2 Jahren keinen Umgang mehr, mit meiner Tochter seit 5 Jahren. Und das wirklich nur auf Betreiben der "Mutter"!!! Und natürlich mit richterlicher und jugendamtlicher Unterstützung sowie Unterstützung einer privaten Sozialpraxis und sog. gutachterlichen Fachkräften. Keiner, aber auch wirklich keiner dieser Menschen ist auch nur im geringsten bereit, den durch primitiven Haß der Mutter verursachten Abbruch der Beziehung zwischen Kind und Vater als Anlaß zu nehmen, in irgendeiner Form auf diese "Mutter" einzuwirken. Deren ständiges, durch Haß und Rachegefühle beeinflusstes Einwirken auf die Kinder ist für niemanden Anlaß, die Psyche der Kinder als gefährdet anzusehen. Das ist kein Problem für z.B. ein 8 - 10 - jähriges Kind. Aber in einem nach fast 2 Jahren von einem Praxismitarbeiter begleiteten Treffen zwischen Vater und Kind darf man als Vater nicht die Frage stellen: "Warum hast du auf einmal Angst vor mir?" Das kann das Kind nicht verkraften!!! Und wenn ich dann hier lese, man muß nur tun und sagen, was die Mutter und die Ämter wollen, dann geht das schon mit dem Umgang... was ist das denn für ein Rechtsstaat, was ist das für eine Praxis??? Das ist einfach nur zum K....

24.10.2009 12:12 von Günter Mühlbauer

Mann darf nur Vater sein, wenn es der Mutter Recht ist. Ansonsten wachsen die Kinder "Vater Seelen alleine" auf. Dass aber Kinder zu einer gesunden Entwicklung beide Elternteile und Großeltern brauchen, interessiert manche Mütter und Institutionen wie das sogenannte Jugendamt, Gutachter, Familienrechtsanwälte Erziehungsberatungsstellen usw. nicht. Nein manche unterstützen sogar noch den Umgangsboykott.

Dass dann der Familienrichter nicht RECHT sprechen kann liegt doch auf der Hand, oder nicht.

(In diesem Netz der Ungerechtigkeit können sich gelegentlich aber auch Mütter und Großeltern verfangen).

Eine Partnerschaft kann man beenden, eine Elternschaft geht ein Leben lang, und Kinder brauchen zu einer gesunden Entwicklung beide Elternteile und Großeltern. Erst recht nach einer Trennung oder Scheidung.

Dass es nach einer Trennung oder Scheidung keinen Verlierer gibt, müssen wir bei Familiengericht endlich einen anderen Weg gehen. Denn es gibt schon zu viele Trennungs-und Scheidungsgeschädigte.....

Für unsere Kinder war uns kein WEG zuweit.

2002 der WEG nach BERLIN

2002 der WEG nach MÜNCHEN

2003 der WEG nach STRAßBURG

2004-07 der WEG nach ROM

2009 der "Cochemer-Weg"

Alle WEGE führen nach ROM, aber nur ein WEG führt uns zu unseren TRENNUNGSKINDERN, der "COCHEMER-WEG".

Für die TRENNUNGSELTERN-Initiative Günter Mühlbauer REGENSBURG www.muehlbauer.de.tf


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