Die gute Seele der Wilhelma-Familie

STUTTGART/OSTFILDERN: Ute Hempel hat den Förderverein zu Europas größtem Unterstützerkreis gemacht - Nach 23 Jahren geht sie in Ruhestand

 

„Die Arbeit in der Wilhelma war meine schönste Zeit“, sagt Ute Hempel. die langjährige Geschäftsführerin des Fördervereins.Foto: Rudel
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„Die Arbeit in der Wilhelma war meine schönste Zeit“, sagt Ute Hempel. die langjährige Geschäftsführerin des Fördervereins.Foto: Rudel

 

Von Harald Flößer

Hier ein freundlicher Gruß, da ein paar nette Worte - wenn Ute Hempel ihren Schreibtisch verlässt und in der Wilhelma ein bestimmtes Ziel ansteuert, merkt man gleich: Die Frau ist hier zuhause. Sie kennt jeden Flecken, jeden Mitarbeiter und weiß zu allem eine Geschichte zu erzählen. 23 Jahre lang hat die Scharnhausenerin entscheidend dazu beigetragen, dass der zoologisch-botanische Garten Schritt um Schritt attraktiver wird. Heute geht die Geschäftsführerin des Vereins der Freunde und Förderer der Wilhelma in den Ruhestand.Zupackend, begeisterungsfähig und für jeden und alles ein offenes Ohr - so wird die 65-Jährige gerne beschrieben. Genauso erlebt man sie in ihrem Büro: Energiegeladen, spontan, voller Pläne und überzeugt davon, über viele Jahre für eine wichtige Aufgabe gekämpft zu haben. „Wenn wir die Achtung vor der Schöpfung nicht bewahren, haben wir als Menschen keine Chance zu überleben“, sagt Ute Hempel. Dazu leiste der Zoo einen wichtigen Beitrag. Die Wilhelma ist für die 65-Jährige ein „Kleinod“, für das sich jeder Einsatz lohnt. Deshalb hat sich die gebürtige Rheinländerin gerne einspannen lassen für die Aufgabe, auf alle nur erdenkliche Art um Spenden zu trommeln.

 

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Persönliche Betreuung wichtig

Die gelernte Industriekauffrau war elf Jahre lang als Kindergarten-Helferin in Scharnhausen tätig, bis Helmut Laukenmann, der frühere Leiter des botanischen Gartens, sie für den Job vorschlug. Ein Glücksgriff, wie sich bald herausstellte. Denn unter ihrer Führung wuchs der Förderverein Jahr um Jahr und mit ihm die dahinter steckende Finanzkraft. 1986, als Hempel ihren Dienst begann, zählte der Verein nicht einmal 5000 Mitglieder, heute sind es bereits über 24 000. Was Vorsitzender Georg Fundel vor kurzem mit Stolz verkündete, als er Hempels Nachfolgerin, die 39-jährige Politologin Nicole Englert, vorstellte: „Wir sind in der Landeshauptstadt mittlerweile der zweitgrößte Verein nach dem VfB Stuttgart.“ Mehr noch: In ganz Europa gibt es keinen größeren Unterstützerkreis.

Ute Hempel hat den Förderverein stets als große Familie gesehen. Und genauso hat sie agiert. Persönliche Betreuung war ihr immer wichtig, vor allem, wenn es um die Einbindung älterer Menschen ging. Auf diese Weise vermittelte sie ein großes Wir-Gefühl.

Wenn sie ein Ziel vor Augen hatte, setzte sie sich mit Haut und Haaren dafür ein. Gerne erzählt sie von der Einweihung der Bären- und Klettertieranlage im Juni 1991. „Irreheiß“ sei es damals gewesen, was sie nicht daran hinderte, 18 Stunden auf den Füßen zu sein, um das Fest zu organisieren.

Auch finanziell hinterlässt Hempel eine bemerkenswerte Bilanz. Durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Erbschaften kommt der Förderverein jedes Jahr auf Einnahmen von einer Million Euro. Eine stolze Summe, die der 156 Jahre alten Wilhema und ihren jährlich zwei Millionen Besuchern zugute kommen. 14,6 Millionen Euro sind bislang in verschiedenste Projekte geflossen (siehe Anhang). Ein weiteres Großprojekt ist angestoßen: der Bau eines Geheges für die afrikanischen Menschenaffen. 8 Millionen Euro wollen die Wilhelma-Freunde dafür aufbringen.

„Es war meine schönste Zeit“, sagt Hempel rückblickend. Sie ist dankbar für alles, was sie in und mit der Wilhelma erleben durfte. Und sie fühlt eine gewisse Verpflichtung. „Da muss man auch was zurückgeben.“ Konkrete Ziele hat die gebürtige Rheinländerin noch nicht. Möglicherweise wird sie sich für in Not geratene Kinder und Jugendliche engagieren. Aber nicht gleich. „Jetzt hat erst einmal mein Mann Priorität.“ Das sei auch ein Dankeschön an ihn, weil er ihr über viele Jahre den Rücken freigehalten habe.

Vier große Projekte hat der Wilhelma-Verein bislang ermöglicht: 1982 Jungtieraufzuchthaus (Beitrag: 2 Mio. Euro), 1991 Bären- und Klettertieranlage (3,5 Mio.), 2000 Albert-Schöchle-Amazonienhaus (7,9 Mio.), 2002 Insektuarium mit Schmetterlingshalle (1,2 Mio.). Wer Mitglied im Förderverein ist, hat viele Vorteile: freier Eintritt, einmal im Monat Diavortrag oder Film im Wilhelma-Theater, jährlicher musikalischer Sommerabend, Blick hinter die Kulissen am Wilhelma-Tag, regelmäßige Infos und Berichte des Zoodirektors und Exkursionen. Infos unter Tel. 0711/5402-233.

www.foerderer-der-wilhelma.de

Artikel vom 30.06.2009 © Eßlinger Zeitung

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