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DIESE WEGE SIND BETROFFEN

Protest-O-Mat verärgert Gemeinderäte

ESSLINGEN: Streit um Beleuchtung der Fußwege wird schärfer - Ausschuss vertagt Entscheidung

  Geht hier bald das Licht aus? Die Verbindung von Mettingen zur Neckarhalde ist einer von acht Wegen, die laut Verwaltung wenig genutzt werden und deshalb künftig nicht mehr beleuchtet werden sollen.Foto: Bulgrin
 

Geht hier bald das Licht aus? Die Verbindung von Mettingen zur Neckarhalde ist einer von acht Wegen, die laut Verwaltung wenig genutzt werden und deshalb künftig nicht mehr beleuchtet werden sollen. Foto: Bulgrin

 

Die Pläne, auf einigen Fußwegen nachts das Licht auszuschalten, haben in Esslingen die Wutbürger auf den Plan gerufen. Diese haben in den vergangenen Tagen Esslinger Stadträte mit Mails bombardiert, die nicht immer sachlich formuliert waren. SPD-Fraktionschef Andreas Koch spricht sogar von „E-Mail-Mobbing“. Um den Konflikt zu entschärfen, hat der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) die Entscheidung gestern erst einmal vertagt.

Von Kornelius Fritz

Angesichts der finanziellen Not der Stadt hat die Verwaltung auch das Thema Beleuchtung auf die Tagesordnung gesetzt. Nicht nur wegen der Stromkosten, sondern vor allem wegen des Unterhalts, denn an etlichen Wegen sind die Laternenmasten marode und müssten in nächster Zeit ausgetauscht werden. Insgesamt 23 Verbindungswege standen zur Diskussion. Bürgerausschüsse und die „Agendagruppe Fußgängerkarte“ hatten die Möglichkeit, Stellung zu beziehen. Eine Arbeitsgruppe aus Verwaltung und Mitgliedern des Gemeinderats hat nun einen Kompromiss vorgelegt (siehe Anhang): Demnach sollen elf Wege weiterhin beleuchtet werden, auf vier Wegen (davon drei an der Römerstraße) wird das Licht nur von 0 bis 5 Uhr abgeschaltet, auf acht Verbindungen soll es künftig dunkel bleiben. Wobei der Leiter des Tiefbauamtes, Uwe Heinemann, betont, „dass es für vier dieser Wege gute Alternativen gibt, die beleuchtet sind“.Streit entzündet sich vor allem an zwei Verbindungen: dem Fußweg von der Neckarhalde nach Mettingen und dem zwischen Rüdern und Obertürkheim. Wollte man diese Wege weiter beleuchten, müssten laut Heinemann jeweils rund 30 000 Euro in den Austausch der Masten investiert werden. „Angesichts der geringen Frequentierung stehen diese Kosten in keinem Verhältnis“, sagt Heinemann.

Entscheidung am 5. Dezember

In den betroffenen Stadtteilen sieht man das ganz anders. Eberhard Schneider vom Bürgerausschuss RSKN sagte vor dem ATU, die Fußwege seien eine wichtige Verbindung ins Neckartal, die von vielen Bürgern auf dem Weg zur Arbeit, zum Sport oder ins Kino genutzt würden. Wenn die Stadt dort die Laternen abbaue, widerspreche sie ihrer eigenen Zielsetzung, eine umweltfreundliche Mobilität in der Stadt zu fördern. „Erhalt der Beleuchtung heißt Erhalt der Wege“, sagte Schneider.

Im Internet hat sich mittlerweile eine Bürgerinitiative unter dem Motto „Das Licht bleibt an“ organisiert. Deren Initiatoren haben auf der Homepage auch einen „Protest-O-Mat“ eingerichtet. Die Meinungsbekundungen, die die empörten Bürger dort in ein Formular eintragen, werden umgehend per E-Mail an OB und Gemeinderäte weitergeleitet.

Die sind von dieser Art des Protests allerdings wenig angetan: „Wir verstehen nicht, warum die Betroffenen nicht das direkte Gespräch mit uns gesucht haben“, wundert sich Heidi Bär (SPD). Auch CDU-Stadtrat Gerhard Deffner zeigte sich irritiert: „Wir haben uns sehr verantwortungsbewusst mit dem Thema beschäftigt. Der aggressive Ton stört mich deshalb gewaltig.“ Lediglich Helmut Müller-Werner von den Grünen zeigte gewisses Verständnis für die Reaktionen: „Die Bürger haben sich nicht gehört gefühlt.“

Vor der Entscheidung, die nun in der nächsten Sitzung am 5. Dezember fallen soll, wollen die Fraktionen noch einmal das Gespräch mit den Anwohnern suchen. Die Chancen auf einen grundlegenden Sinneswandel dürften aber gering sein, denn Vertreter aller Fraktionen betonten gestern noch einmal ausdrücklich, dass sie zu dem gemeinsam ausgehandelten Kompromiss stehen.

Diese Wege sind betroffen

Dauerhafte Abschaltung:


Wäldenbronn
: Weg zwischen Nonnenklinge und Hohler Graben
Rüdern: Fußweg nach Obertürkheim
Neckarhalde: Fußweg nach Mettingen
Stadtmitte: Neckarpromenadenweg zwischen Wasserhaus und Kanuverein
Zollberg: Fußweg von der Neuffenstraße zum Alicensteg
Sirnau: Spechtweg ab Kleingartenanlage
Berkheim: Hofweg nach Sirnau
Wiflingshausen: Fußweg Friedenslinde / Dulkhäusle (An der Bushaltestelle Dulkhäusle wird eine Solarleuchte installiert)


Abschaltung von 0 bis 5 Uhr:


Liebersbronn: Römerstraße (Weg zur Reithalle, Weg zum Waldheim, Parkplätze an der Bushaltestelle)
Krummenacker: Fuß- und Radweg Geiselbach


Keine Abschaltung:


Liebersbronn: Verbindungsweg Waldackerweg / Schönblick
Wäldenbronn: Hofwiesenweg
Wäldenbronn: Verbindung Stettener Straße/Talstraße
Wäldenbronn: Weg vom Weilerweg zur Hainbachschule
Wäldenbronn: Verbindung vom Hopfengartenweg zum Kernenweg
Neckarhalde: Viehgasse
Stadtmitte: Maille
Stadtmitte: Alicensteg
Sirnau: Neckarinsel zwischen Ruderverein und Dieter-Roser-Brücke
Sirnau: Fußweg vom Finkenweg zum Sirnauer Hof
Berkheim: Aufstiegsstraße

 

Artikel vom 10.11.2011 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (4)

-› Artikel kommentieren

10.11.2011 19:15 von Thomas Rumpf

Auf welcher Grundlage wurde hier entschieden? Gibt es Zählungen über die Zahl der Nutzer der Wege?

Warum schaltet man nicht das Licht an Straßen aus, die ja nur von (Kraft-) Fahrzeugen mit vorgeschreibener Beleuchtung benutzt werden? Will man Fußgängern jetzt zumuten oder vorschreiben die unbeleuchteten Wege nur noch mit Stirnlampe zu begehen?

Wenn Gemeinderäte und Verwaltung sich über die Reaktion der Bürger wundern, sollten sie sich doch fragen warum sie dieses Thema nicht frühzeitig mit den Betroffenen besprochen haben. Der ADFC als Interessenvertretung der Radler hat von der Streichliste erst heute in der Zeitung erfahren, obwohl man sich regelmäßig mit der Stadtverwaltung trifft und über geplante Maßnahmen spricht.

10.11.2011 11:33 von Olaf Krüger

Der von Ihnen zitierte Eberhard Schneider bringt es doch auf den Punkt!

Und was sind jeweils 30000 Euro? Moderne Technik, langlebige Installation, energiesparend befeuert und schon macht alles Sinn. Mir fiele doch ausserdem gleich wieder "DAS GROSSE EINSPARPROJEKT" ein... Dem wäre hinzuzufügen, dass ich die Einsprüche auf der website "Das Licht bleibt an" gelesen habe. Betroffene Bürger machen da auf einen Missstand aufmerksam und begründen das zum Teil sehr fundiert. Die neuen Protestformen sind schneller und direkter- gut so. Wer da von "Mobbing" spricht, will doch schon wieder "abkanzeln" und sich nicht am Sachthema aufhalten. Die hier genannte Bürgerbewegung wirkt sicher zielführender, als "Jubelberichte" über Lokalgrößen, die ein paar Wochen auf ihr Auto verzichten und gleichzeitig unisono bekunden, dass es ohne "halt leider doch nicht geht". Übrigens, es gibt tasächlich Menschen ohne Auto und ich würde mich freuen, wenn es mehr, anstatt weniger würden. Lasst uns Anreize und sinnvolle Infrastruktur schaffen (bzw. erhalten!) und verzichtet auf die Sonntagsreden- DAS LICHT BLEIBT AN!

10.11.2011 08:41 von Reinhard Lobinger

Unglaublich daß ein vom Amtsschimmel geprägter Leiter des Tiefbauamts sich anmasst über eine geringe Frequentierung der Wege zu sprechen von der er offensichtlich keine Ahnung hat weil er wahrscheinlich selbst im bequemen Dienstwagen unterwegs ist. Hier wird mit Willkür gegen den Bürger entschieden. Am Beispiel Rüdern-Obertürkheim (Ab S-Bahnhof Obertürkheim spart der Rüderner Bürger eine komplette VVS-Tarifzone zumal die Linie 109 stets über den Neckarhalden-Umweg sehr viel Zeit verliert) ist feszustellen daß die Erhaltung des Weges mit seiner Beleuchtung mit der ungeliebten Verkehrssicherungspflicht der Stadt Esslingen zwingend notwendig ist.

10.11.2011 08:04 von Rainer Hauenschild

„E-Mail-Mobbing“ mal was neues. So nennt es SPD-Fraktionschef Andreas Koch, wenn Bürger an demokratisch gewählte Stadträte eine E-Mail schicken.


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