Das Neckarufer als Müllplatz
ESSLINGEN: Täter entsorgen eine Lkw-Ladung mit Tapeten und Farben in Zell - Wasserschutzpolizei spricht von schwerwiegendem Verstoß
„Das ist nicht nur dreist. Das ist kriminell“, schimpft Gottfried Welz, der Pressesprecher des Fischereivereins Esslingen. Er und seine Freunde wollen nach diesem Vorkommnis nicht zur Tagesordnung übergehen. „Um die Ermittlungen zu forcieren, haben wir Anzeige erstattet“, teilt er mit. Noch tappt die Polizei allerdings im Dunkeln. Ein Sprecher teilt lediglich mit, man habe einige Spuren gesichert. Dazu gehören auch Hinweise auf einen Kipplaster, der offensichtlich benützt worden ist, um den Müll zu entsorgen.
Aufruf an Zeugen
Wichtig wäre aber, dass sich mögliche Zeugen der nächtlichen Aktion melden. Das würde die schwierigen Ermittlungen erheblich erleichtern. Bei der Wasserschutzpolizei kann man sich nicht erinnern, dass es im Großraum Stuttgart in den vergangenen Jahren einen vergleichbaren Fall gegeben hat. „Hier handelt es sich nicht nur um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um eine Straftat“, sagt der Sprecher. Dass keine Schadstoffe in den Fluss gelangt sind, sei zwar erfreulich, ändere aber nichts an dieser Einschätzung.
Der Fischereiverein will sich durch den Vorfall nicht entmutigen lassen. „Wir werden unsere Mitglieder bitten, ihre Augen noch stärker offen zuhalten“, sagt Welz, der trotz seiner Verärgerung auch Realist bleibt. Er weiß, dass sich das Problem mit Kontrollen, Aufmerksamkeit und Appellen allein nicht in den Griff bekommen lässt. Als Beispiel nennt er die nächtlichen Partys, die in warmen Nächten auch am Neckar und an anderen Gewässern gefeiert werden. Von diesem Trend künden leere Flaschen, Deckel und Müllsäcke.
Das ganze Ausmaß des Problems wird den Mitgliedern vor Augen geführt, wenn sie sich gemeinsam mit dem Naturschutzbund um ein sauberes Neckarufer bemühen. Seit 15 Jahren organisieren sie eine Putzaktion, an deren Ende regelmäßig ein voller Großcontainer steht. Zuletzt landeten dort Müllsäcke, die am Neckar weggeworfen worden sind, ebenso wie Flaschen, Windeln, Autoteile, Gartenstühle, Reifen, Kanister und vieles mehr. Befreit wurde das Ufer auch von Malerutensilien wie Farbeimern, alten Pinseln und Rollen. Allerdings gab es auch einen Lichtblick. Angler entdeckten bei der Aktion einen Bachflohkrebs, der als Indikator gelten darf, dass das Neckarwasser seine schmutzigsten Zeiten hinter sich hat. Das Tier kommt nur dort vor, wo die Wasserqualität sehr hohen Ansprüchen genügt.



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