KOMMENTAR
Leben lernen
„Kinder brauchen Märchen“ hat der Psychologe Bruno Bettelheim schon in den 70er-Jahren festgestellt. Und seine These hat Bestand. Doch mit Märchen allein ist es nicht getan. Kinder brauchen auch Bildung, Kunst und Kultur. Und zwar unabhängig von ihrem familiären Hintergrund. Die „Marburger Initiative Theater & Schule“ hat das schon vor Jahren treffend formuliert: „Jedes Kind hat ein Recht auf die Begegnung mit lebendiger Kunst, denn Kunst ist nicht nur dazu da, das Leben schöner zu machen. Die Begegnung mit lebendiger Kunst erweitert die Wahrnehmung und die Fantasie, sie weckt die eigene Kreativität, Toleranz und Neugier. Sie macht Mut zur Begegnung mit dem Unvertrauten und sie kann beim Bearbeiten von Dingen helfen, die sich im verbalen Diskurs nicht erschließen.“ Wenn es stimmt, dass Kultur in vielen Familien eine untergeordnete Rolle spielt, kommt den Schulen noch mehr Bedeutung zu. Doch es genügt nicht, die Verantwortung allein auf sie abzuwälzen, schließlich werden die Anforderungen an unsere Schulen immer größer. Deshalb ist die Idee eines Esslinger Kulturrucksacks rundum zu begrüßen, weil sie allen nützt: Den Kindern, die ein wichtiges Stück mehr vom Leben lernen. Den Schulen, die ihren Unterricht mit Unterstützung der Kultureinrichtungen bereichern können. Den Kultureinrichtungen selbst, die die Chance erhalten, junges Publikum von ihren Vorzügen zu überzeugen. Und unserer Gesellschaft insgesamt. Denn jeder junge Mensch, der seinen Horizont erweitert und gelernt hat, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, ist ein Stück Zukunftssicherung.



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