› mehr Wetter 

Der Hans auf Kanal 32

ES-SERACH: Der Esslinger Funk-Dienst hat sich aufgelöst, doch ein paar letzte CB-Funker machen weiter

  Nichts für Maulfaule: Beim CB-Funk ist die Chance groß, sich mit Unbekannten zu unterhalten. Hans Böhmerle spricht in die „Handquetsche“. Seine CB-Funkgeräte im Hintergrund bringen mehr Leistung.Foto: Rudel
 

Nichts für Maulfaule: Beim CB-Funk ist die Chance groß, sich mit Unbekannten zu unterhalten. Hans Böhmerle spricht in die „Handquetsche“. Seine CB-Funkgeräte im Hintergrund bringen mehr Leistung. Foto: Rudel

 

Von Doris Brändle

„Der Verein Esslinger Funk-Dienst wird mangels Mitgliedern aufgelöst. Eventuelle Noch-Mitglieder werden deshalb gebeten, sich bei Hans Böhmerle zu melden.“So stand's vor ein paar Wochen unter der Rubrik Tagebuch in der Eßlinger Zeitung. Da wird ein Verein, einst hoffnungsfroh gegründet, mit ein paar dürren Worten zu Grabe getragen. Was hat dem Funk-Dienst den Todesstoß verpasst?

Fragen wir Hans Böhmerle: Vor fast 35 Jahren hätten sich ein paar CB-Funker zusammengetan. In den besten Jahren waren's um die 60 Mitglieder. Die meisten sind dem Verein inzwischen abhanden gekommen, weggezogen oder weggestorben, sagt Böhmerle, Maler und Lackierer aus Serach. Der Mann ist gesprächig. „Kommet Se oifach vorbei“, sagt er am Telefon. Funken ist nichts für Maulfaule. Denn so kompliziert das auch alles sein mag mit Frequenzbändern, Kanälen und Wellen - letztlich geht's nur um eins: ums Schwätzen. Die Möglichkeit, mit völlig Unbekannten ins Gespräch zu kommen, ist vergleichbar mit den heutigen Chatrooms im Internet.

CB steht für Citizens Band, was man als Bürger- oder Jedermanns-Frequenzband übersetzen könnte. Der CB-Funk ist seit 1975 öffentlich und kostenfrei, ihm ist ein Frequenzband um die 27 Megahertz zugewiesen. Jeder, der ein Funkgerät hat, darf loslegen - im Gegensatz zum Amateurfunk, für den man eine Prüfung ablegen muss. „Da besteht schon eine gewisse Konkurrenz“, sagt Böhmerle, „die halten sich für was Besseres.“

Hans Böhmerle ist durch die Bundeswehr drauf gekommen. Vor 40 Jahren hat er sich während seines Wehrdienstes zum Funker ausbilden lassen. Böhmerle ist drangeblieben, hat sich ein Gerät gekauft und eine Antenne aufs Dach gesetzt. Auch wenn die Möglichkeiten zunächst arg beschränkt waren. „Am Anfang gab's nur drei Kanäle, und die Geräte durften eine Sendeleistung von maximal 0,5 Watt haben - das hat vielleicht bis auf den Zollberg gereicht“, sagt er. Der Freude am Funken tat das keinen Abbruch, schließlich konnte man den Radius - illegal - mit einem Leistungsverstärker um ein gutes Stück erweitern. „Die anderen“ hätten das gemacht, sagt Böhmerle und grinst. Diese „anderen“ hätten auch von Zeit Zeit den Polizeifunk abgehört, um zu erfahren, wo mit einer Kontrolle zu rechnen war.

Als seine Töchter noch klein waren, ist er manchmal mit ihnen auf einen Campingplatz in der Nähe gefahren und hat von dort zu einer vereinbarten Zeit mit seiner Frau zuhause gefunkt. „Da konnte man dann Gute Nacht sagen und wie's geht.“ Anfang der 80er, als noch kein Mensch an ein Handy dachte, war das ein ungeheurer Luxus: einfach von Ort und Stelle aus unbegrenzt lange zu reden, ohne ständig Münzen in einen gierigen Automaten zu stopfen und die Schlange vor dem Telefonhäuschen in Schach zu halten.

Posten bei der Reichsstadt-Rallye

Vom Verein aus, Böhmerle gehörte zu den Gründungsmitgliedern, haben sie für den Motorsportclub die Funkposten bei der Reichsstadt-Rallye und beim internationalen ADAC-Rundstreckenrennen „Preis der Stadt Esslingen“ in Hockenheim gestellt. „Als die Handys aufgekommen sind, hat man uns nicht mehr gebraucht.“ Das Wichtigste war immer die Geselligkeit, auch die Frauen waren dabei.

Heute sind 80 Kanäle freigegeben mit maximal vier Watt Sendeleistung. Damit kommt Böhmerle bis nach Bayern. Da hat er einige Anglerkumpels, mit denen er abends gern mal schwätzt. Im Sommer, bei günstigem Funkwetter, kann es auch mal bis nach Italien oder England reichen. Das Internet ist auch am CB-Funk nicht spurlos vorbeigegangen. Inzwischen könne man sich im Netz Programme runterladen, mit deren Hilfe man auch über weite Distanzen funken kann. Böhmerle hat schon mit Thailand und Kairo gesprochen: „Du musst halt einen finden, der deine Sprache spricht. Viele Funker können Deutsch, die meisten zumindest Englisch.“ Böhmerle spricht gern mit Finnland, da hat er auch Anglerfreunde gefunden. „Bei denen kann ich billig übernachten.“

Viele wissen: Der Hans ist immer auf Kanal 32. Abends schaltet Böhmerle oft einfach mal den Apparat an. „Dann sagt einer: Hans, hast du Feierabend? Und dann hast du ruck zuck eine Runde zum Babbeln.“

Man kann sich mit dem Rädchen auch einfach mal durch die Kanäle schalten und lauschen, ob irgendwo zwei miteinander reden. „Oft meldet sich einer rein, wenn ihn ein Thema interessiert. Der schreit dann ‚Break' und gibt auch seinen Senf dazu.“

Autohändler abgehört

Neben einem Funkgerät im Auto, mit dem man in der Not Hilfe rufen konnte, fanden sich weitere interessante Anwendungsgebiete: „Früher haben wir freitagabends gern die Autohändler abgehört. Da sagte zum Beispiel der eine, ich habe einen 220er Mercedes, für den sollte ich drei Mille haben.“ Wenn Böhmerle am nächsten Tag hinging, erkannte er in der Regel schnell, um welchen Wagen es ging. „Wenn der mit 5000 Mark ausgezeichnet war, wusstest du, du kannst den Händler bis auf 3000 drücken.“

Böhmerle schätzt, dass in Esslingen noch um die zehn CB-Funker sitzen, deutschlandweit dürften es ein paar Tausend sein. Nach der Wende erlebte der CB-Funk, der in der DDR verboten war, im Osten eine kurze Blüte. Mit den Handys war die aber schnell vorbei. Böhmerle hat vor ein paar Jahren versucht, den Verein zu reaktivieren - vergeblich. Die Auflösung ist für den 60-Jährigen die traurige, aber logische Konsequenz. Trotzdem hat er in den vergangenen Jahren eine Renaissance des CB-Funks registriert. Viele, die es irgendwann gesteckt hätten, kämen jetzt als Rentner wieder. Einer, den er vor 25 Jahren zum letzten Mal gehört habe, habe sich kürzlich auf Kanal 32 eingeschaltet: „Hans, du bisch jo emmer no do!“ Und plötzlich sei auch wieder Nachwuchs auf den Kanälen. Böhmerle vermutet, dass die Wirtschaftskrise ihren Teil dazu beigetragen hat: „Denen ist einfach langweilig.“

 

Artikel vom 02.03.2011 © Eßlinger Zeitung

Artikel drucken | Artikel als Email verschicken | Themenalarm

 

Leser-Kommentare (8)

-› Artikel kommentieren

27.03.2011 20:14 von Andreas Reinhardt, Station Hausi, am Mike der Andreas

Zunächst einen schönen Gruß nach ES, hier aus der Lahnaue bei Wetzlar in Hessen. Hier spürt man seit Monaten einen deutlichen Anstieg von neuen-alten Funkfreunden auf dem CB-Funk. Wir hier auch alle auf K32 wünschen Euch trotzdem immer gute VBerbindungen, auch wenn das Drunherum um die störenden Idioten latent erscheint, aber die größten Störer haben sich mittlerweile auf 2 m etabliert, was beim zuhören auf db0ft (Relais Feldberg-Hessen) täglich auffällt. Lasst Euch nicht unterkriegen! 71 Hausi am Mike der Andreas

17.03.2011 10:59 von DG2GSV

Ja, die bööösen Krawattenfunker. Ich komme selbst aus dem CB-Funk und bin immer noch "tätig" da. Ich finde, das es eher der Neid der CBler auf die AFUer ist. Dabei war es niemals so einfach wie heute, ins AFU einzusteigen. Gelockerte Prüfungen machens möglich. Zu meiner Zeit musste man sich noch ein halbes Jahr auf die Prüfung vorbereiten. Ja, es war richtig Arbeit. Aber dennoch bin ich dem CB treu geblieben, obwohl es auch auf 2m oder 70cm lockere "Tratsch"-Runden gibt.

Ich meine: Anstatt sich gegenseitig anzufeinden sollte man dem Hobby fröhnen, denn das ist bei beiden Arten, CB und AFU, gleich. Das gemütliche Quatschen.

14.03.2011 22:21 von 16CF-DL

An Bruno: Ein Krawattenfunker ist jemand der die Afu-Lizenz hat. Also ein Amateurfunker. Ich finds schade, dass ein weiterer Verein aufgelöst wird. CB-Funk wird aber denke ich nicht austerben, auch wenn es Internet und Handys gibt. Es besitzt immernoch ein Kult-Faktor. Bei uns in der gegend verbreitet sich sogar der Cb Funk. Wir sind mitlerweile 5 Funker im Alter von 16- 18 Jahren.

73 vom 16CF-DL

09.03.2011 17:30 von Bruno

Was bitteschön ist ein Krawattenfunker?

Vermutlich eine typische Abwertung aus dem CB-Funk Jargon, die immer wieder offenlegt, wie beratungsresistent und technisch unerfahren einzelne CB-Funker sind. Aufklärung und Hilfe aus dem professionellen Amateurfunk, wird nicht selten aus mangelnder Akzeptanz niveaulos und unsachlich entgegnet und damit indirekt dem CB-Funk eher einen Bärendienst erwiesen. Tatsächlich jedoch, haben viele ehemalige CB-Funker das Wissen aus dem Amateurfunk geschätzt und dann selbst den Weg zur technischen Prüfung gewählt, aus denen dann später für ihre berufliche Weiterbildung der Grundstein gelegt wurde und damit eine recht erfolgreiche Karriere als Buchautoren, Elektroniker, Techniker, Ingenieure oder Entwickler aus dem Satellitenbau hervorkam.

05.03.2011 02:23 von Sandra (DL-Call)

Der CB-Funk ist durch das Internet und den Mobiltelefonen verdrängt worden. Eine klare Logik, denn wer will (kann) sich schon eine 6 oder 7 m lange Antenne aufs Dach stellen, ein CB-Gerät kaufen und dann in niederen Lagen höchstens 30 KM Reichweite erzielen? - nicht jeder wohnt auf einem Berg! Dieser gut gemeinte Artikel birgt leider etwas Halbwissen. Zum einen gebe ich meinem Vorredner recht, der Funkamateur hält sich nicht für was Besseres, er ist was Besseres! Mit unter bereiten sich die Probanden für eine Lizenzprüfung bis zu 24 Monate vor und verfügen über ein hohes technisches Niveau, was beim CB-Funk nicht erforderlich ist. Deshalb begrenzt sich der CB-Funk nur auf 80 einzelne Kanäle und 4 Watt Leistung. Die Geräte müssen zudem den technischen Vorgaben entsprechen und dürfen nicht verändert werden. Ansonsten erlischt die Betriebserlaubnis. Beim Amateurfunk geht es auch nicht in erster Linie um (volkstümlich) dummes Geschwätz wie beim CB-Funk, sondern mehr um technische Gespräche, Aufbau und Entwicklung von Sende- und Empfangsanlagen und die internationale Völkerverständigung. Die Bedingungen beim Amateurfunk sind im Kurzwellenband mittels reflektierenden Wellenausbreitungen oder Satellitentechnik immer interkontinental möglich, während der CB-Funk sich hauptsächlich im Rahmen einer Bodenwelle bewegt und daher nur selten, wie bei einem Sonnenfleckenmaximum, Überreichweiten erzielt. Unwahr ist auch, dass nicht jeder der ein Funkgerät hat loslegen kann. Es gilt dabei ganz klar die Bestimmungen der Behörde zu beachten, weil eben nicht jedes Funkgerät für „Jedermann“ genutzt werden darf! Das Befolgen dieser gefährlichen Empfehlung kann ganz schnell mit empfindlichen Geldstrafen, bis hin zur Hausdurchsuchung, Beschlagnahme und einem Gerichtsverfahren enden, wenn nämlich behördlich organisierte Sicherheitsdienste, Militär, Luft- und Schifffahrt oder andere nicht öffentliche mobile Landfunkanlagen gestört werden können.

04.03.2011 22:45 von bilbao

Aha, Krawattenfunker gaben ihre Statements hier ab.

03.03.2011 12:33 von Bruno

(Part2) Mit Verlaub, aber hier wird CB-Funk typisch viel Unsinn erzählt! So zum Beispiel begann der CB-Funk in 1975, unter dem damaligen Postminister Schwarz-Schilling, seinen Start auf 12 Kanälen mit Amplitudenmodulation und nicht auf 3 Kanälen. Auch wurde der CB-Funk erst in der Mitte der 80er Jahre nur „teilweise“ Gebührenfrei. Aber bis dahin war er vollumfänglich genehmigungs- und gebührenpflichtig! Ebenso die angebliche Software, mit der man vermeintlich weltweit funken kann, ist so nicht richtig. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine so genannte Voice over IP Verbindungssoftware, die von PC zu PC übers Internet aufgebaut wird. Mittels einer Gateway-Verbindung (Interface), kann ein zwischengeschaltetes CB-Funkgerät praktisch in kurzer Distanz über einen PC sprechen. Den Rest erledigt grundsätzlich das Internet (drahtgebunden) und hat mit Funktechnik rein gar nichts zu tun!

Ein (besserer) Funkamateur

03.03.2011 12:31 von Bruno

(Part 1) Ich möchte nicht zu viel Kritik in diesen Artikel einbringen, aber es zeugt schon von klaren Ignoranz den so genannten Konkurrenten „Amateurfunk“ mit den Worten „...die halten sich für was besseres“ verächtlich zu äussern! Der Amateurfunk ist nie ein Konkurrent gewesen, weil seine Entstehung bereits rund 100 Jahre zurückgeht. Natürlich ist der Amateurfunk professioneller, weil ihm zig Monate Ausbildungszeit vorausgehen, die dann mit einer 3 Stufenprüfung in Technik, Betriebskenntnisse und gesetzliche Verordnungen vor der Bundesnetzagentur endet. - nicht jeder besteht die Prüfung! Der Amateurfunk ist ein Experimentalfunk, der wissenschaftliche und zu eigenen Studienzwecke dient. Der lizenzierte Funkamateur setzt also ein enormes technisches Wissen voraus! Im Gegensatz zum reglementierten CB-Funk, dürfen Funkamateure ihre Geräte und Antennen selber bauen, gekaufte Geräte modifizieren, bis zu 750 Watt Geräteleistung senden und haben von der Mittelwelle bis hin zum Superhochfrequenzband unendliche Möglichkeiten. Wir nutzen, neben der normalen Funk-Telefonie, auch sämtliche digitale Übertragungsarten, produzieren eigene TV-Signale, übertragen Bilder und erstellen Funkumsetzer, die die Signale auch in regional abgeschottete Funklöcher übertragen. Ebenso nutzt der Funkamateur, neben der analogen Technik, auch die digitale Sprachübertragung und die Amateurfunk eigenen Kommunikationsnetze und -Satelliten, wie zum Beispiel Funkverbindungen zur ISS-Raumstation. Wir halten uns nicht für was besseres – wir sind einfach besser fachlich ausgebildet!


Newsticker

Inhalt wird geladen..
 
Inhalt wird geladen..
 

Ehrenamtspreis 2012

"Für Musik begeistern"
Bewerben Sie sich für den Ehrenamtspreis 2012

 

Weitere Infos

 

Mit einem Video zum Thema "Für Musik begeistern" 500 Euro gewinnnen!

 

Mehr

 

Webcam

Die Wanderfalken im Horst in der Stadtkirche wachsen und gedeihen...

 

Zur Webcam

 

Werner Barth vom BUND kommentiert das Geschehen im Turm in Text und Bild

 

Zum Weblog

 

Fotowettbewerb Blende

Fotografieren Sie zu den Themen: Frauenpower - MännerträumeAuf Straßen, Gassen und Plätzen / Doppelt gesehen - Spiegelungen

 

Mehr

 

Werbung

 

Webpuzzles

Teilchen sortieren und aneinanderlegen - Es geht auch im Web. Probieren Sie´s aus!

 

Puzzeln

 

Partneranzeigen

 

Premiumservice

Ihre Zeitung am PC, am Smartphone und auf dem iPad: E-Paperabo und Onlineabo

 

Alle Angebote

 

Registrierte Nutzer verwalten Ihre Zugangsdaten hier.

 

Mehr dazu

 

Themenalarm

Nie mehr einen Artikel verpassen! Nutzen Sie den Themenalarm. Kostenlos registrieren und Suchbegriffe eingeben.

 

Zum Themenalarm

 

Zum Themenalarm finden Sie in jedem Artikel über dieses Alarm-Symbol. Mehr Infos...

 

Mehr Infos

 

Facebook

Stadtwiki Esslingen

Die Eßlinger Zeitung präsentiert das Stadtwiki Esslingen

 

Zum Stadtwiki

 

Bildergalerien

Im Moment findet kein Fotowettbewerb statt. Leserfotos gibt es hier.

 

Zu den Leserfotos

 

TOP-Artikel

Inhalt wird geladen..
 
Inhalt wird geladen..
 
top zum Seitenanfang