Auch Malerutensilien liegen am Fluss
ESSLINGEN: Fischereiverein und Naturschutzbund putzen gemeinsam das Neckarufer
Beim Kormoran, der kräftigen Appetit auf Fisch hat, sind der Fischereiverein Esslingen (FVE) und der Naturschutzbund NABU verschiedener Auffassung. Das hindert die beiden Vereine aber nicht daran, seit rund 15 Jahren einmal jährlich gemeinsam das Neckarufer zu putzen. Auch diesmal gab es wieder exquisite Fundstücke und einen vollen Großcontainer.
Von Deizisau bis Untertürkheim reicht der Gewässerabschnitt 10 des Neckars. Viel Arbeit für die etwa 50 Freiwilligen vom Fischereiverein, der Esslinger Ortsgruppe des NABU und dem Angelverein Unterer See. Samstagfrüh um acht Uhr trafen sie sich beim Fischerheim auf der Neckarinsel, dann schwärmten sie mit festem Schuhwerk, Plastiksäcken, Arbeitshandschuhen und Greifzangen aus. Was sie entlang des Neckarufers an Müll entdeckten, stellten sie entlang der Straße ab. Dort wurde es von einem Auto mit Anhänger eingesammelt. Manchmal waren ganze Müllsäcke am Neckar deponiert worden, zu unzähligen Flaschen und Windeln gesellten sich eine Aluleiter, eine Kardanwelle, zwei Gartenstühle, mehrere Reifen, eine Fahrradgabel, ein Auspuff, ein Benzinkanister und ein Modellrennboot. Als ärgerlichsten Fund empfand Müllsammler Klaus Vogel die Malersachen: mehrere Eimer, teils noch mit Farbe gefüllt, alte Pinsel und Rollen. „An den Plätzen, an denen Mülleimer standen, war es am schlimmsten“, beobachtete Jochen Franz. Ein anderer Müllsammler meinte, in den stinkenden Müllbeutel, den er gefunden habe, habe er lieber nicht hineingesehen.
Stärkung im Fischerheim
Zur Mittagszeit war der von der Stadt bereitgestellte Zehn-Kubikmeter-Container voll. „Es ist doch mehr zusammengekommen, als ich gedacht habe“, sagte Gottfried Welz, Ausschussmitglied beim Fischereiverein. „Wir leben halt in einem Ballungsgebiet.“ Welz berichtete auch von einem erfreulichen Fund, dem Bachflohkrebs, den er am Modellboot entdeckte. Das bei der Wasserqualität recht anspruchsvolle Nährtier ist ein Indikator, dass das Neckarwasser seine schmutzigsten Zeiten hinter sich hat. Ein Teil der Jugendgruppe des Fischereivereins, die 20 Mitglieder zählt, sammelte fleißig mit. Alle Müllsammler waren freiwillig dabei: Auf die zehn Arbeitsstunden, die Vereinsmitglieder jährlich leisten müssen, wurde die Neckarputzete nicht angerechnet. Dafür gab es im Fischerheim für alle Linsen, Saiten und Spätzle - ein Menü so alt wie die Neckarputzete, das auch zwei Pächterwechsel überdauert hat.
Noch können die Angler die Hände nicht in den Schoß legen. Am Rossneckar steht in Kürze der Kanalabschlag an, der Fischereiverein übernimmt dabei die Fischrettung. Am 19. März folgt die Körschputzete, die es seit sieben Jahren gibt. Auch Nichtangler sind dabei herzlich willkommen.



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