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ES-BERKHEIM: Beim Tricking-Gathering zeigen junge Trendsportler ihr Können - Regeln und Trainer gibt es nicht

René Happ zeigt vor den durchaus beeindruckten Tricker-Freunden in der Sporthalle der Berkheimer Schillerschule sein Können.Foto: Bulgrin
 

René Happ zeigt vor den durchaus beeindruckten Tricker-Freunden in der Sporthalle der Berkheimer Schillerschule sein Können. Foto: Bulgrin

 

Von Angelina Schmid

Die Sporthalle der Berkheimer Schillerschule ist in der Mitte mit blauen Matten ausgelegt. Laute Musik dröhnt aus Boxen. Junge Männer stehen im Kreis, sie tragen Shorts oder lange Jogginghosen, manche T-Shirts, manche nicht. Barfuß sind sie alle. Plötzlich tritt einer von ihnen in den Kreis. Ein Schritt nur, dann wirbelt er schon durch die Luft, zaubert Schrauben und Salti. Ein wenig wirkt es, als wäre die Schwerkraft außer Kraft gesetzt - bis der junge Mann unter dem Jubel und Klatschen der anderen sicher zum Stehen kommt. Tricking nennt man diese Sportart. Sie kommt aus Amerika, hat sich aus dem Kampfsport entwickelt und besteht aus drei Elementen: Kicks, Salti und Schrauben. Um die 40 junge Männer im Alter zwischen 16 und 25 Jahren haben sich am Samstagnachmittag zum sogenannten „Gathering“ eingefunden. So heißen Treffen, bei denen Tricker aus ganz Deutschland ihr Können demonstrieren und sich austauschen.

Gäste aus ganz Süddeutschland

Eingeladen hat sie Julian Enderle. Der 20-Jährige aus Baltmannsweiler hat im vergangenen Jahr eine Tricking-Abteilung beim TSV Berkheim ins Leben gerufen. Beim Gathering kommen Gäste aus ganz Süddeutschland nach Berkheim, etwa aus Regensburg, Mannheim, Rottweil, Ulm und Karlsruhe. Vor drei Jahren hat Enderle das Tricking für sich entdeckt. Im Internet war er auf Videos gestoßen, seitdem lässt ihn der Sport nicht mehr los: „Mich fasziniert das Freisein“, schwärmt er. „Es ist egal, wo man es macht, im Sommer auch mal im Schlosspark.“ Regeln hat das Tricking keine: Jeder kann seine Kicks, Salti und Schrauben selbst kombinieren, Trainer gibt es nicht. „Jeder muss selbst entscheiden, wie viel er trainiert und dran bleiben“, erklärt Enderle. Deswegen sind Veranstaltungen wie das Gathering so wichtig für die Fangemeinde. „Man kann zusammen trainieren und sich austauschen“, beschreibt Enderle. „Und das spornt auch an, wenn ich sehe, der kann etwas, das ich noch nicht kann.“

Einer, von dem man immer etwas abschauen kann, ist René Happ. Der 25-Jährige hat sich aus Bürstadt, einem Ort zwischen Mannheim und Frankfurt, aufgemacht, um sein Können zu zeigen. Im vergangenen Jahr hat er den Wettbewerb Stuttgarter Tricking Battle gewonnen. Wie viele seiner Mitstreiter ist er durch Online-Videos zum Trendsport gekommen. „Ich dachte, das kann ich auch“, erzählt Happ. „Aber es sieht halt einfacher aus, als es ist.“ Um wirklich gut zu werden, ist harte Arbeit und Disziplin erforderlich. Weil er derzeit noch ein wenig verletzt sei, trainiert Happ nur vier- bis fünfmal die Woche, ansonsten steht er jeden Tag auf der Matte. „Wenn ich den Schlüssel zur Sporthalle habe, trainiere ich auch vor der Arbeit“, lächelt der IT-Servicetechniker. Viel Platz für andere Hobbys bleibt da nicht. „Ab und zu gehe ich schon mal Party machen“, meint Happ. „Und ein Tag ist für die Freundin reserviert.“ Die habe sich mittlerweile mit dem intensiven Training abgefunden.

Der 19-jährige André Vrban aus Stuttgarter trainiert zweimal die Woche beim TSV Berkheim. Früher wollte er einmal Stuntman werden, heute lebt sich der Sportstudent beim Tricking aus. „Mir gefällt die Freiheit in der Luft“, schwärmt Vrban. „Und der Freundeskreis, den man dabei kennenlernt. Wir haben alle denselben Humor und sind fast schon Seelenverwandte.“ Seine ersten Tricking-Versuche fanden noch im elterlichen Keller und auf der Wiese statt. „Am Anfang hatte ich schon Angst“, gibt der 19-Jährige zu. „Aber man motiviert sich selbst und dann traut man sich einfach.“ Natürlich könne man sich dabei auch verletzen - aber gefährlicher als andere Sportarten sei das Tricking nicht, meint Vrban. Nur ein paar weibliche Tricker fehlten der Sportart noch: „Wir versuchen immer wieder, ein paar Mädels dazu zu bringen“, erzählt er. „Aber das ist schwierig, weil es schon so viele Jungs sind und wegen der Statur.“

Besuch

aus Australien

Wichtiger Teil der Tricking-Kultur ist das Aufnehmen und Hochladen eigener Videos: Auch während des als Stuttgarter Gathering angekündigten Treffens in Berkheim wird eifrig gefilmt, die Ergebnisse werden später bei der Plattform You-Tube zu sehen sein. „Man lädt gerne seine Videos hoch, damit Leute auf der ganzen Welt sie sehen können“, erzählt Vrban. „Man hat durch den Sport Freunde auf der ganzen Welt.“ In diesem Jahr sei noch ein Besuch in Norwegen geplant, im vergangenen Jahr hatte der 19-Jährige eine aus­tralische Trickerin zu Besuch. Auf ein Wiedersehen mit vielen der Tricker von Berkheim kann er sich jetzt schon freuen: Im Februar will Julian Enderle ein Battle, also ein Tricking-Turnier, im Esslinger Dick-Areal organisieren.

 

Artikel vom 17.01.2011 © Eßlinger Zeitung

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