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Morgens Mathe, mittags Manege

ES-ZELL: René und Sarah sind im Zirkus Piccolo zuhause - Gastspiel auf dem Festplatz

Morgens gehen René und Sarah zur Schule, nachmittags zeigen sie in der Manege des Zirkus Piccolo ihr Können.Foto: Weiß
 

Morgens gehen René und Sarah zur Schule, nachmittags zeigen sie in der Manege des Zirkus Piccolo ihr Können. Foto: Weiß

 

Von Gaby Wei ß

Mühelos hält der 12-jährige René jonglierend Ringe, Bälle und Keulen in der Luft, seine 14-jährige Schwester Sarah turnt graziös unter der Kuppel am Trapez. Den beiden ist ihr artistisches Talent in die Wiege gelegt, denn sie leben in einer Zirkusfamilie. Aber auch Artistenkinder müssen zur Schule gehen. Während der Zirkus Piccolo noch bis zum Sonntag auf dem Festplatz in Zell gastiert, drücken die beiden in Altbach die Schulbank. Dann ziehen sie mit Mann, Maus und Manege weiter - zum nächsten Ort und zur nächsten Schule.Andere Schaustellerkinder leben bei Verwandten, in Pflegefamilien oder im Internat und gehen nur in den Ferien mit auf Tour. Für René und Sarah aber ist der Zirkus Piccolo die Welt. Heute hier, morgen dort -selten sind sie länger als drei Wochen an einem Ort. Weil die Schulpflicht auch für Zirkuskinder gilt, gehen sie immer dort zur Schule, wo der Zirkus seine Zelte aufschlägt. Mama Monika Riedesel managt die Terminplanung, bucht die Standplätze und meldet ihre beiden schulpflichtigen Sprösslinge an der nächstgelegenen Schule an: „Da wir regelmäßig an denselben Orten gastieren, kennt man uns schon.“ Die Klassenkameraden freuen sich Jahr für Jahr, wenn die Zirkuskinder wieder da sind. „Die sind neugierig auf unser Leben. Sie kommen sogar in die Vorstellung“, freut sich Fünftklässler René. Und weil der Zirkus Piccolo hauptsächlich im Großraum Stuttgart unterwegs ist, kann auch Sarah die Beziehung zu ihren Freundinnen pflegen: „In den Ferien oder am Wochenende dürfen sie sogar mit in meinem Wohnwagen übernachten.“Morgens Mathe, mittags Manege: Vom Nachmittagsunterricht sind René und Sarah befreit, weil sie täglich um 16 Uhr in der Vorstellung auftreten, die Fehlzeiten müssen sie aber nacharbeiten. Weil jede Schule andere Lehrbücher verwendet, kriegen die Zirkuskinder sie gestellt. Anderes lässt sich nicht so leicht organisieren: Selten können sie nahtlos ans vorherige Thema anknüpfen, Überschneidungen und Lücken im Lehrstoff sind an der Tagesordnung: „Kürzlich musste ich einen Aufsatz mitschreiben, obwohl ich den ersten Tag in der Klasse war und überhaupt nicht üben konnte“, erzählt Sarah, die in die 7. Klasse geht. In einem offiziellen „Schultagebuch“ werden die behandelten Themen aufgeschrieben, Lernfortschritte dokumentiert und Noten vermerkt. Es ist wichtige Grundlage für den mobilen Bereichslehrer, der die Kinder von beruflich Reisenden wie Zirkusleuten, Binnenschiffern oder Schaustellern regelmäßig besucht und individuell fördert. „Er hat immer seine Computer mit allem Drum und Dran dabei. Er schaut sich Hefte, Arbeiten und Leistungen an, liest die Bemerkungen der Lehrer und übt mit René und Sarah, gibt ihnen Tipps und manchmal auch zusätzliche Aufgaben“, erklärt Monika Riedesel.

Am liebsten Jongleur

Ihre beiden Jüngsten streben den Hauptschulabschluss an, den die drei älteren Geschwister schon haben. Damit könnten sie sich auf jede Lehrstelle bewerben, aber beide wollen beim Zirkus bleiben: „Ich möchte Artist werden, am liebsten Jongleur“, sagt René im Brustton der Überzeugung, während Sarah Trapezkünstlerin oder Kunstreiterin werden will. Für diesen Traum üben beide täglich gut eine Stunde. Mit großem Engagement sind sie auch bei der Piccolo-Zirkusschule im Einsatz. Dafür haben sie das letzte Mal von den begeisterten Teilnehmern sogar ein Zeugnis bekommen: „In Zirkus eine Eins“.

Monika Riedesel freut sich über die Leidenschaft ihrer Kinder: „Natürlich dürften sie auch jeden anderen Beruf ergreifen, aber es wäre sehr schwer für uns, sie gehen zu lassen.“ Auch die drei Älteren leben mit im Familienzirkus, in dem jede helfende Hand gebraucht wird und wo jeder seine persönlichen Stärken einsetzt. Und auch die nächste Generation, Sarahs und Renés Nichte Aaliyah, will später dem Zirkus treu bleiben. Im Moment will die Fünfjährige aber erst einmal nur eines: „Ich möchte wie Sarah und René bald in die Schule gehen.“

Bis zum Sonntag, 21. November, gastiert der Zirkus Piccolo noch auf dem Festplatz in Zell, jeden Nachmittag um 16 Uhr ist Vorstellung. Anschließend, vom 4. bis 19. Dezember, ist er beim Nürtinger Weihnachtszirkus auf dem Festplatz in Oberensingen zu Gast. Info unter

Tel.

01 70 - 27 03 906.www.schulzirkus-piccolo.de

 

Artikel vom 19.11.2010 © Eßlinger Zeitung

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