Klassisches Jugendhaus hat keine Bedeutung mehr
KREIS ESSLINGEN: KJR-Geschäftsführer sieht Bildung und Ganztagsbetreuung als Hauptaufgaben der offenen Jugendarbeit
Musik hören und Freunde treffen nennen Jugendliche nach wie vor als wichtigste Freizeitbeschäftigung, berichtet der Geschäftsführer des Kreisjugendrings, Kurt Spätling. Früher hätten sie dafür ein Jugendhaus gebraucht, heute könnten sie das zuhause tun. Das sind aber nicht die einzigen Veränderungen, mit denen sich die offene Jugendarbeit konfrontiert sieht. Eine wachsende Bedeutung haben die Bildung und Ganztagsbetreuung.
Wie sich die offene Jugendarbeit orientieren muss, will der Kreisjugendring (KJR) mit den Jugendhausleitern in der einer Klausur diskutieren. Fest steht für Spätling, dass die Form von Jugendhäusern, die aus der 68er-Bewegung heraus entstanden ist, keine Bedeutung mehr hat. Selbstbestimmung und Selbstverwaltung haben für Jugendliche den einst hohen Stellenwert verloren. Eingefordert hatten das vor allem Gymnasiasten, doch die gehen kaum mehr in Jugendhäuser, sagt der KJR-Geschäftsführer. Partys machen und Konzerte veranstalten stehe für Jugendlichen im Vordergrund.Eine Schlüsselfrage ist für Spätling, wie sich die offene Jugendarbeit „zum Ausbau ganztägiger Bildungsangebote verhalten wird“. Die Stadt Wernau will im Schulzentrum ein Jugendhaus bauen, in Aichwald ist erst kürzlich ein neues neben der Schule eingeweiht worden, in Denkendorf und Neuhausen stehen die Jugendzentren seit jeher neben den Schulen. Für Spätling sind Jugendhäuser und Schulen „geradezu eine ideale Ergänzung“. Dort eingerichtete Schülercafés, in der die Mädchen und Jungen ungezwungen ihre Freizeit gestalten können „halte ich für sehr sinnvoll“. Wichtig ist dem Geschäftsführer eine Abgrenzung zur Schulsozialarbeit. Der Kreisjugendring wolle nicht nur auffällige und schwierige Kinder und Jugendliche erreichen, sondern alle. Es gehe nicht nur darum, deren Schwächen zu kurieren, sondern ihre Stärken zu entdecken und zu fördern.
Kinder- und Jugendbeauftragte
„Vielleicht sind die Hauptamtlichen der offenen Jugendarbeit künftig eher Kinder- und Jugendbeauftragte, die auch in Kooperation mit den Schulen eigenständige und unabhängige Aufgaben wahrnehmen“, skizziert der Geschäftsführer eine mögliche Entwicklung. Jugendarbeit stelle „immer auch ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung“ dar. So sei es Jugendlichen heute möglicherweise wichtiger, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, am normalen Leben teilzuhaben und nicht ausgeschlossen zu werden, als selbstständig ihre Freizeit zu gestalten. Um andere kennenzulernen bräuchten Jugendliche zudem keine festen Treffs mehr wie Jugendzentren. Das funktioniere über soziale Netzwerke wie Facebook.
„Eine große Zukunft“ räumt der KJR-Geschäftsführer den Mehrgenerationenhäusern wie der Linde in Kirchheim ein. Zum einen könnten die Räume flexibel genutzt werden, wichtig sei aber auch die Begegnung verschiedener Generationen.



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