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Ohren aufmachen und mal eine Idee klauen

DENKENDORF: Ernst und Margrit Singer leiten die VHS-Außenstelle - Bei jeder Ausfahrt persönliche Betreuung

  In der Albert-Schweitzer-Schule haben Margrit und Ernst Singer ein kleines Büro. Lange Anmeldeschlangen gibt es aber nicht mehr, denn ein großer Teil der Arbeit läuft heute online.Foto: Kaier
 

In der Albert-Schweitzer-Schule haben Margrit und Ernst Singer ein kleines Büro. Lange Anmeldeschlangen gibt es aber nicht mehr, denn ein großer Teil der Arbeit läuft heute online. Foto: Kaier

 

Einen Kurs sollte die VHS-Außen-stelle Denkendorf noch in ihr Angebot aufnehmen: „Wie gestalte ich meinen Ruhestand sinnvoll?“ Darüber können nämlich Margrit und Ernst Singer einiges erzählen. Die beiden 67-Jährigen leiten seit zehn Jahren die VHS-Außenstelle, die mit 140 Kursen das größte Angebot außerhalb Esslingens macht.

Von Roland Kurz

Margrit Singer verteilt das Lob für das ungewöhnlich große Kursangebot auf weitere Schultern. Das liege am Engagement der Gemeinde und an der Kooperation mit der Bibliothek und dem Jugendhaus. Außerdem könne man jetzt in den neuen Räumen im D.Punkt im Rathaus auch Kurse am Wochenende anbieten, beispielsweise einen Tanzworkshop.Margrit Singer ist schon 1988 in der Denkendorfer Volkshochschule eingestiegen, um einen befreundeten Lehrer zu unterstützen - und im Jahr 2000 wurde ihr die Leitung angeboten. Ohne Unterstützung durch ihren Mann wollte sie diese Aufgabe jedoch nicht übernehmen. So erklärt sich, dass sich heute zwei Wendlinger für die Denkendorfer VHS ins Zeug legen. „Entweder man liebt‘s oder man lässt‘s“, antwortet sie auf die Frage nach dem Zeitaufwand. „Rechnen darf man nicht“, ergänzt ihr Mann.Bis das neue Programm steht, haben Singers einige Wochen einen Vollzeitjob. Ernst Singer schaut dann bei jedem ersten Kurstermin vorbei, prüft die Listen und unterstützt neue Kursleiter. Büroarbeit und Organisationsfragen kennt Pensionär Singer von seiner Arbeit beim Abfertigungsdienst am Bahnhof Plochingen. Er ist auch für die Werbung zuständig und verteilt die Handzettel im Dorf. Margrit Singer war als kaufmännische Angestellte in der Industrie und 25 Jahre lang beim Evangelischen Bildungswerk tätig - eine gute Basis für die Bildungsinstitution VHS. Sie sei noch den lockeren Jugendjargon gewöhnt, erzählt sie, deshalb müsse ihr Mann den Schriftverkehr auf amtliche Korrektheit prüfen.Mit der Ausbildung von Jugendbegleitern hat die VHS Denkendorf im Wintersemester ein neues Angebot im Programm. Den Kurs über die Wechseljahre bietet Denkendorf exklusiv an. „Ohren aufmachen“ und auch mal „Ideen klauen“ gehöre dazu, wenn man aktuell und abwechslungsreich sein wolle, erzählen die beiden. Singers schauen an ihren Urlaubsorten immer nach dem VHS-Programm.„Kreativkurse kann man fast vergessen“, beschreibt Margrit Singer die geringe Nachfrage. Nur Kochen sei gefragt. Gesundheit läuft gut und soll ausgebaut werden. Auch Computerthemen und die Kurse für Schüler der Abschlussklassen sind gefragt. Aufwendig ist der Kurs „Mama lernt Deutsch“, der auf Wunsch der Gemeinde eingeführt wurde. Die VHS-Leiter müssen Zuschussfragen klären und sich am besten noch um die Kinderbetreuung kümmern.

„Da kann ich stur sein“

Am Herzen liegt den beiden Leseratten der Literaturkreis, den Geraldine Guckes leitet. Margrit Singer wollte den Kurs unbedingt wieder zum Leben erwecken. Obwohl anfangs nur vier Leute kamen, hat sie so lange durchgehalten, bis diese Runde eine stabile Teilnehmerzahl aufwies. „Da kann ich stur sein“, meint Margrit Singer. Ihrer Erfahrung nach brauchen neue Angebote eine Anlaufzeit und werden oft erst beim zweiten Mal gebucht.

Geld spielt bei den Ausfahrten eine zunehmende Rolle. Busfahrten rechnen sich erst ab 40 Personen und wenn mit weniger Beteiligung kalkuliert wird, dann ist es den Menschen zu teuer. Auch bei Vorträgen arbeitet die Außenstelle inzwischen nur noch mit Anmeldung, um nicht auf den Kosten für den Dozenten sitzen zu bleiben.

Die Fahrten nach Stuttgart ins Thea­ter oder ins Ballett, stets mit einer Führung hinter die Kulissen verbunden, sind fester Bestandteil im Denkendorfer Programm. Und natürlich fahren die Singers bei jeder Ausfahrt selbst mit. „Unsere Leute sind es gewöhnt, dass sie betreut sind. Sie genießen es“, sagt Margrit Singer, „und es tut auch unserem Horizont gut.“

 

Artikel vom 10.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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