Wege durch die Krise finden
KREIS ESSLINGEN: Welttag der Suizidprävention macht auf hohe Zahl der Selbsttötungen aufmerksam - Arbeitskreis Leben hilft Gefährdeten
Eine Million Menschen nehmen sich jährlich das Leben. Damit ist Suizid eines der größten Gesundheitsprobleme der Welt. Der Arbeitskreis Leben (AKL) in Nürtingen-Kirchheim unterstützt Menschen in schweren Lebenskrisen.
„Die Menschen müssen wissen, dass es Hilfe gibt“, sagt Ursula Strunk, Vorsitzende des Arbeitskreises Leben Nürtingen-Kirchheim. Im Kreis Esslingen starben im vergangenen Jahr 58 Menschen durch Selbsttötung. 2008 waren es 49. In Baden-Württemberg nahmen sich vergangenes Jahr 1409 Menschen das Leben, im Jahr 2009 waren es 1308 Menschen. Strunk betont, dass es sich nur um Zahlen handle. „Die hohe Dunkelziffer verzerrt die Anzahl der tatsächlichen Fälle.“Der heutige Weltsuizidpräventionstag soll zeigen, dass Hilfe in akuten Krisen möglich ist. Suizid ist oft der Endpunkt einer psychischen Krise und großer Not. Dabei übersteigt die Selbsttötungsrate der Männer, die der Frauen um das Dreifache. „Männer sind weniger gewillt, Hilfe anzunehmen, sagt die Sozialarbeiterin, sie sprechen in der Regel nicht so oft über Probleme wie Frauen.“ Die Anzhal der versuchten Suizide liegt um ein Zehnfaches höher. „Jeder, der von Suizid spricht, muss ernst genommen werden“. Der Arbeitskreis Leben Nürtingen-Kirchheim kümmert sich intensiv um suizidgefährdete Personen.
Begleiter mit intensiver Ausbildung
Neben AKL-Treffs, Einzel- und Gruppentherapien gibt es mehr als 26 ehrenamtliche Krisenbegleiter. Sie sind keine ausgebildeten Fachkräfte, sondern „Menschen wie Du und Ich“, erklärt Strunk. Die Suizidgefährdeten sollen sich wohl fühlen. Sie gehen spazieren, reden und unternehmen etwas zusammen. Die Treffen finden ungefähr einmal die Woche statt. „Wir bilden alle zwei Jahre zwölf Begleiter aus, es melden sich immer sehr viele“ sagt Strunk.
Es gibt aber Voraussetzungen: Der Krisenbegleiter muss verlässlich, einfühlsam und tolerant sein, gut zuhören können und viel Lebenserfahrung besitzen. „Einige haben selbst eine schwere Phase durchgemacht“, erzählt Strunk.
Die Begleiter treffen sich mehrmals im Jahr, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. „Es ist eine harte Arbeit, aber man bekommt von den Menschen auch viel zurück.“ Die nächste Fortbildung für Begleiter dreht sich um das Thema Achtsamkeit und Akzeptanz. Ursula Strunk möchte, dass Menschen in existenziellen Krisen ohne Hemmungen Hilfe einfordern. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene. „Oft liegt die Schwelle bei dieser Altersgruppe höher.“ Es gibt daher auch die Möglichkeit, per E-Mail Kontakt mit dem Arbeitskreis Lebenshilfe aufzunehmen.



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