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Kleiner Gigant mit 4,60 Meter langem Arm

AICHWALD : Josef Ruprechter baut zwei Autokräne im Modell 1:10 nach - „Ich kann nicht ruhig daheim sitzen“

 
 
 

Von Klaus Harter

„Seit ich in Rente bin, mache ich solche Sachen“, sagt Josef Ruprechter aus Krummhardt lapidar. Bei den „Sachen“ handelt es sich um die Modelle von zwei Autokränen im Maßstab 1:10. Wenn er den Arm seines neuen Modells voll ausfährt, wirkt der 68-Jährige daneben fast wie ein Zwerg. 4,60 Meter reicht der kleine Gigant in die Höhe. Autokräne sind ein Teil von Ruprechters Biografie. Als 18-Jähriger ist er 1961 schon mit dem großen Original des alten Krans für die Firma Scherrieble gefahren. Damals lebte er gerade Mal ein paar Monate in Deutschland. Der gelernte Schlosser war von Graz weggezogen und hatte in Esslingen bei Scherrieble eine Stelle gefunden. Während seiner Lehre hatte er eine Exkursion ins Nachbarland gemacht, unter anderem auch in den Raum Stuttgart. „Da stand für mich fest: Deutschland oder nichts.“ Die Staatsbürgerschaft wechselte er aber nie. „Ich bin Österreicher.“

Damals der jüngste Kranfahrer

Schon bald, nachdem er bei Scherrieble angefangen hatte, habe ihn der Seniorchef als „Schmiermaxe“ mitgeschickt zu einem Einsatz des Autokrans in Frankfurt. Nach der Rückkehr habe er den Fahrer gefragt, ob der Junge denn schon selbst mit dem Kran fahren könne. Da der Kollege bejahte, saß Ruprechter mit 18 Jahren am Steuer des großen Fahrzeugs. Den Lastwagenführerschein hatte er aus Österreich mitgebracht. „Ich glaube, dass ich damals der jüngste Kranfahrer war.“ Mit dem Autokran fuhr er „in ganz Deutschland rum“, bis er Anfang 1975 die Leitung der Werkstatt übernahm. Den Autokran, den er einst fuhr, wollte er schon vor 40 Jahren nachbauen. Da fertigte er bereits die ersten Teile an, kam aber nicht weit, denn es fehlte ihm die Zeit für den Modellbau.

Gut ausgestattete Werkstatt

Mit Zustimmung seines Chefs hatte sich Ruprechter nebenher selbstständig gemacht und für verschiedene Firmen die Wartung ihrer Lastwagen übernommen. Diese Idee sei ihm gekommen, weil es wegen mangelhafter Wartung immer wieder Motor- und Getriebeschäden gegeben habe. Da die Lastwagen unter der Woche im Einsatz waren, habe er die Arbeit „fast nur am Wochenende“ machen können. „Da haben oft sieben Tage in der Woche gar nicht gelangt.“ Übrig geblieben von seiner früheren Selbstständigkeit ist die gut ausgestattete Werkstatt im Keller. Hier stehen dem passionierten Bastler eine kleine Drehbank, ein Schweißgerät und ein Kompressor zur Verfügung.

Diese technische Ausstattung war nötig. Denn Ruprechter fertigte die Karosserie und viele andere Teile für beide Modelle selbst an. „Jede Seilrolle, alles selbst gedreht.“ Von seinem Beruf her sei er es gewöhnt zu basteln und zu tüfteln. Die dicken Bleche für die Karosserien erhielt er von einem befreundeten Schlosser oder holte sie vom Schrotthändler. Sein altes Modell hat er nach Ersatzteillisten gebaut, die allerdings keine Maße enthielten. „Die hatte ich noch alle im Kopf. Ich habe ja lang genug mit dem Kran gearbeitet.“ Für den neuen Autokran benutzte er keine Zeichnungen, als Vorlage diente ihm ein Modell im Maßstab 1:50, das er in der Schweiz gekauft hatte. 700 Stunden hat es gedauert, bis der Nachbau des Krans aus den 60er-Jahren fertig war, noch 500 Stunden mehr benötigte der gelernte Schlosser für das neue Modell. „Das ist vielleicht verrückt, aber mir macht es Spaß.“

In beiden Modellen steckt viel Liebe zum Detail. Selbst der Fahrersitz ist wie im Original höhenverstellbar. Selbstverständlich funktionieren die Lenkungen und die Lichter gehen an. „Nur hier habe ich einen Fehler gemacht“, gesteht der Bastler. Im alten Kran hat er ein Lenkrad mit drei Speichen eingebaut, das Original hatte aber vier Speichen.

„I bin a Technikfreak“

Die Minikräne entfalten erstaunliche Kräfte: Mit dem alten Modell hat Ruprechter schon 100,3 Kilo hochgehoben, das neue schafft sogar 150 Kilo. Wenn er mit dem neuen Kran Lasten hebt, zum Beispiel seinen Balkenmäher, packt er Stahlplatten mit einem Gesamtgewicht von 60 Kilo hinten drauf, damit das Fahrzeug nicht nach vorne kippt. Die Kraftquelle bildet beim alten Kran eine Motorradbatterie, beim neuen eine Autobatterie. Angetrieben werden beide von Scheibenwischermotoren. Für das neue Modell fand Ruprechter im Handel keine maßstabsgetreuen Räder. Fündig wurde er dennoch: Die Räder eines Werkstattwagens passen exakt.

Der neue Mini-Autokran ist zwar voll funktionsfähig, aber nicht straßentauglich. Um das etwa 200 Kilogramm schwere Modell für den Transport auf den Autoanhänger zu verfrachten, hat Ruprechter ein Fahrgestell konstruiert. Damit fährt er es auch aus der Garage auf den Hof. „I bin a Technikfreak“, sagt der 68-Jährige. Das erkennt man nicht nur an seinen Autokran-Modellen, sondern im ganzen Haus. Er hat die alte Ölheizung ausgebaut und durch Erdwärme ersetzen lassen - und dabei auch einiges an Eigenleistung investiert. Genauso beim Ausbau des Obergeschosses zu einer schönen Wohnung. „Ich kann nicht ruhig daheim sitzen.“

Während des Aichwalder Straßenfestes, das am Wochenende in Krummhardt stattfindet, stellt Josef Ruprechter sein Autokran-Modell vor seinem Haus in der Akazienstraße 38 aus und führt es Besuchern vor.

 

Artikel vom 09.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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