Ein Mann mit vielen Talenten
ESSLINGEN: Derrick Linco und sein Bombay Dance Club vereinen indische Tradition und Moderne
Derrick Lincos künstlerisches Tun einfach nur vielfältig zu nennen, würde seinen Begabungen nicht gerecht. Der Choreograf und Tänzer hat schon erfolgreich CDs besungen, in Filmen mitgespielt, arbeitet zuweilen als DJ, hat eigene Showprogramme entwickelt und veranstaltet Bollywood-Parties. Für ihn ist das ganz normal: „In Indien wächst man nicht nur mit einer Vielfalt an Sprachen auf, sondern auch mit einer Vielzahl von Talenten“, erklärt der 42-Jährige, der mit seiner Frau seit 18 Jahren in Esslingen lebt. Dieses Wissen kommt nicht von ungefähr. Schließlich ist er in der pakistanischen Stadt Jhelum an der Grenze zu Indien geboren, seine Mutter hat indische Vorfahren. Und multilingual ist er zudem: Er spricht Englisch, Hindi, Urdu, Panjabi und Deutsch.
Alle Kostüme sind Einzelstücke
2006 gründete das Multitalent den Bombay Dance Club, gibt Tanzkurse und Workshops und tritt mit einem eigenen Ensemble in Showprogrammen auf. Sein Ziel ist es dabei, den klassischen indischen Tanz ebenso darzubieten wie die modernen Elemente, die durch den Erfolg der Bollywood-Filme populär wurden. Diese Verbindung von Traditionellem und Zeitgenössischem stößt nicht nur auf Zustimmung. „Die Menschen hier unterscheiden zwischen Bollywood und Indien“, weiß Derrick Linco. Entsprechend seien die Erwartungen sehr unterschiedlich. Während den Fans der klassischen Tänze die modernen Beats missfallen, langweilen sich die Bollywood-Freaks bei den Figuren zu endlos langen Sitar-Schleifen. Lincos Botschaft lautet entsprechend: „Bollywood ist auch Indien.“ Mit dieser Durchmischung der Stile sei er ein Vorreiter in Deutschland, betont er selbstbewusst, und die Tatsache, dass er auch für TV-Shows und für Kino-Spielfilme gebucht wurde und beim Tanzwettbewerb des diesjährigen „Bollywood and Beyond Festivals“ in Stuttgart den 3. Platz belegte, scheint seinem Konzept Recht zu geben.
Bei der Auswahl der Kostüme für sich und seine Tänzerinnen und Tänzer ist Derrick Linco dagegen ganz Traditionalist. „Es sind alles Einzelanfertigungen, die von Schneiderinnen und Schneidern genäht werden, die auch für die Bollywood-Schauspieler arbeiten“, erklärt der Künstler. Kostengünstig sei das nicht, fügt er hinzu, aber der Aufwand lohne sich: „Noch bevor wir anfangen zu tanzen, sind die Zuschauer von den Kostümen fasziniert. Daher konzentriere ich mich sehr auf diesen Punkt.“
Lieber Esslingen als Berlin
Für die Shows geprobt wird in Stuttgart-Vaihingen und Fellbach, dort gibt der Choreograf auch seine Kurse und Workshops. Ab Oktober wird es aber auch einen Bollywood-Tanzkurs in Esslingen geben. Darüber freut sich der Wahl-Reichsstädter ganz besonders, denn Esslingen ist für ihn der Ruhepol in seinem bewegten Leben geworden. Selbst Angebote, nach Berlin umzusiedeln, konnten ihn nicht locken. „Für mich als Künstler wäre es sicher interessant, in einer Stadt wie Berlin zu leben. Was ich mir hier mühevoll über Jahre aufgebaut habe, hätte ich dort sicher schneller erreicht“, resümiert er. Womöglich könnte dort auch der Wunsch, seine Filmkarriere weiter auszubauen, rascher in Erfüllung gehen. Aber der zweifache Familienvater hat die schwäbischen Tugenden seiner neuen Heimat schon übernommen. „Hier muss man eben länger schaffen, um Erfolge zu erzielen“, betont er und schiebt das Hauptargument seiner Verbundenheit zu Esslingen gleich hinterher: „Neben all der Arbeit will man ja auch leben.“



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