Auf der Suche nach der passenden Kulisse
KREIS ESSLINGEN: Filmemacher besichtigen mögliche Drehorte am Neckar - Manchmal stören die Hintergrundsgeräusche
Natur, Industrie, Wohnen: Der Neckar bietet Kontraste und viele überraschende Orte - eine ergiebige Kulisse für Geschichten. Sie wurde gestern bei einer „Location Tour“ Film- und Medienleuten aus der Region nahegebracht. Die 25-köpfige Gruppe schaute sich dabei auch in Wendlingen, Plochingen und Esslingen um.
Die „Film Commission Region Stuttgart“, ein Angebot der regionalen Wirtschaftsförderung, unterstützt Filmemacher unter anderem bei der Suche nach Drehorten. Die gestrige Location Tour stand unter dem Motto „Neckarperlen“. Regisseure, Produzenten, Szenenbildner, Location Scouts, Studierende und Drehbuchautoren besuchten Schauplätze am Neckar. Sie sollten dabei potenzielle Drehorte entdecken, sich aber auch zu neuen Geschichten inspirieren lassen.
Treppe mit knarrenden Stufen
Mit der ersten Station, der Spinnerei Otto in Wendlingen, hatten sie einen gelungenen Einstieg. „Ein total schönes Motiv mit Industrie-Feeling“, stellte Drehbuchautor Gerald Birkenstock fest. „Egal, wo man die Kamera hinbauen würde, man hätte immer ein schönes Bild“. So ein ganzes Gelände aus einem Guss sei für Dreharbeiten ideal, sagte auch Ulla Matzen, Mitorganisatorin von der Film Commission.
In Plochingen hatten die Filmleute ein kontrastreiches Programm mit mehreren ganz unterschiedlichen Schauplätzen. Susanne Martin, Kulturamtschefin der Stadt, empfing die Gruppe unter der Brücke der B10. Vom grauen Betonbauwerk brauchte es nur ein paar Schritte auf den Neckarsteg mit idyllischem Blick auf den Kirchberg und den Fluss mit recht naturnaher Uferzone. Weiter ging’s zum Café Steiner, dessen riesengroßer runder Tisch unweigerlich die Assoziation „Hochzeit“ weckte. Die Holztreppe zum Obergeschoss erwies sich als authentischer Geräuschlieferant: „Wenn du mal knarrende Stufen brauchst…“
Eher unerwünscht sind dagegen Hintergrundgeräusche im Außenbereich: das Rauschen der B10 im Hintergrund, vorbeifahrende Züge, überfliegende Flugzeuge. „Da sind die Tontechniker sehr empfindlich“, weiß Ulla Matzen. Manchmal beziehe man die Geräuschkulisse aber auch mit ein.
Fotos für die Kartei
Weiter ging es auf die Dachterrasse eines benachbarten Wohnhauses. Die zugehörige Wohnung steht leer und wird vorläufig auch nicht dauerhaft vermietet - da könnte sich ein Szenenbildner austoben. Fasziniert waren die Besucher aber vor allem vom Blick von der Dachterrasse. Überhaupt sei der Rundgang total inspirierend, schwärmte Drehbuchautorin Waltraud Leucht aus Stuttgart. In Cannstatt aufgewachsen, ist sie dem Neckar ohnehin eng verbunden, „aber was wir heute gesehen haben, kannte ich bisher alles nicht“.
Im Innenhof der Alten Spinnerei, die zum Wohnhaus umgebaut wurde, machte Karin Roßnagel einen Echo-Test und stellte fest, dass es gar nicht so sehr hallt wie befürchtet: „Das geht eigentlich.“ Sie ist Location Scout und sammelte eifrig Eindrücke und Fotos für ihre Kartei. Dann ging’s noch kurz auf den Otto-Steg mit Blick aufs Hundertwasserhaus, das auch mal einen Abstecher wert wäre. Dokumentarfilmer Andreas Kalias hat dort schon mal gedreht, „das war sehr gut“, erinnerte er sich. Dann war eine Stunde um, und weiter ging’s unter anderem zum Yacht-Club nach Esslingen, dem Hauptklärwerk Mühlhausen und in idyllische Weinberge.



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