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Zucken im brachialen Lärm

Testosteron-Gebrause zwischen Allmachtsphantasien und Ohnmachtsgefühlen: Die Nu-Metal-Pioniere Limp Bizkit in der Stuttgarter Porsche-Arena

  Die Hardcore-Recken von Limp Bizkit sind nicht nur auf der Bühne rüde. Wegen journalistisch nicht akzeptabler fotovertraglicher Bedingungen verzichten wir auf ein Live-Bild des Stuttgarter Konzerts. Foto: SKS Russ
 

Die Hardcore-Recken von Limp Bizkit sind nicht nur auf der Bühne rüde. Wegen journalistisch nicht akzeptabler fotovertraglicher Bedingungen verzichten wir auf ein Live-Bild des Stuttgarter Konzerts. Foto: SKS Russ

 

Von Ingo Weiß

Stuttgart - An den Nu-Metal-Pionieren Limp Bizkit scheiden sich die Geister. Für die Plattenfirma Universal ist das prämierte Quintett aus Jacksonville/Florida „einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Rock-Acts aller Zeiten.“ Für die Berliner taz dagegen sind Sänger Fred Durst & Co „stumpfe, blöde Ballermänner“. Nach dem Konzert in der Stuttgarter Porsche-Arena ist man geneigt, das taz-Urteil zu teilen, wenn auch nicht in solcher Drastik, sondern dezidierter begründet, etwa so: Das gebotene Testosteron-Gebrause, bestehend aus sinnentleert zusammengeschusterten Hiphop-Heavyrock-Collagen, ist schwerlich als Musik zu bezeichnen. Die Texte sind Spielarten dumpfer Allmachts- oder pubertärer Ohnmachtsgefühle.

Blick rückwärts gerichtet

Liegt darin der kontinuierliche Wertverfall der 1994 gegründeten US-Band, die den Blick überwiegend rückwärts richtet und bis auf die beiden neuen Songs „Why try“ und „Walking away“ ausschließlich altes Material spielt, begründet? In den 90er-Jahren einer der angesagten Live-Acts und selbst bei Rock am Ring 2009 noch eine große Hausnummer, bevölkern jetzt höchstens 4500 Fans die bei weitem nicht ausverkaufte Halle, um die in klassischer Besetzung angetretenen Bizkits zu erleben, nachdem Gitarrist Wes Borland im vergangenen Jahr wieder in den Schoss der Band zurückgekehrt ist. Die „Weichkekse“ backen kleinere Kekse und die Veröffentlichung des seit vielen Monaten angekündigten neuen Albums „Gold Cobra“, dem ersten seit 2003, wird verschoben und verschoben und verschoben.

Wüster Rüpelrapper

Diese Hinhaltetaktik nervt nur noch - genauso wie Fred Durst, dieser permanent in Bewegung befindliche und unter Spannung stehende Frontmann und Rapper. Der stämmige 40-Jährige im ehemaligen In-Schlabberlook gibt noch immer den dissidenten Antihelden, diesmal mit weißer statt gewohnter roter Baseballmütze. Singen kann der wüste Rüpelrapper bis heute nicht, und sein durchgängiges Posen ist schlichtweg zum Wegschauen. Durst sucht weiter den hymnischen Refrain - und findet ihn nicht. Nicht einmal in den neuen Songs. Was für Durst gilt, gilt für die ganze Band und ihre krude Mixtur aus Metal, Punk und Rap: viel Show, aber wenig Inhalt und Qualität.

Der ausgelassenen Wiedersehens-Party tut das nicht den geringsten Abbruch. Von der ersten Minute an springt und grölt die Arena. Gnadenlos Abrocken ist angesagt, ekstatisches Zucken im brachialen Lärm-Brei, mit hunderten von gereckten Armen mit abgespreizten Fingern oder Fotohandys. Zeitweilig werden kollektiv ritualisierte Stammestänze inszeniert, selbst dann, als sich die rebellische Lichtgestalt Durst unters gemeine Volk mischt und seine frauenfeindlich, sexistisch und zugleich größenwahnsinnig gequengelte Sicht der Dinge mittels Händeschütteln und Ohrenbetäubung verteilt. Blickfang ist freilich Gitarrist Borland, der mit tiefschwarzem Oberkörper und weißer Gesichtsmaske daherkommt wie eine Mischung aus Sarotti-Mohr und Sarazenen-Krieger. An seinem lausigen, pseudo-sphärischen Geplingel ändert das jedoch nichts.

Der Querschnitt durchs rüde Hardcore-Repertoire wird unmotiviert präsentiert. Limp Bizkit hinterlassen dröhnend die gewohnten Duftmarken aus Metal-, Punk- und Rapriffs - vom Opener „My Genera­tion“ über „Rollin“ und „Nookie“ bis zum beinharten „Take a Look around“, dem Titelsong des Kinohits „Mission Impossible II“. Allesamt imposante Dampfhämmer, aber ohne Relevanz und bemerkbare Ideen.

Karikatur ihrer selbst

Eindreiviertel Stunden lang, inklusive unsäglich unbedeutender Synthie-Überleitungen zwischen den Titeln, wird derb und mit Wucht aufs Schnitzel gekloppt. Selbst den eigentlich schönen Coverversionen „Behind blue Eyes“ von „The Who“, Soundtrack zum Film „Gothika“, und „Faith“ von George Michael werden die allerletzten Fasern an Melodie und Harmonie rausgeprügelt. Limp Bizkit sind 2010 nur noch eine Karikatur ihrer selbst. Ein langweiliger Anblick.

 

Artikel vom 07.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (8)

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15.09.2010 10:23 von Keksdose

Dieser Artikel ist schlichtweg schlecht. Herr Weiß, weiß anscheinend nicht sehr viel über diesen Musikstil und scheint sich auch sonst sehr wenig mit der Band und den Konzerten beschäftigt zu haben. Vielleicht sollte er lieber über Themen schreiben, von denen er mehr Ahnung hat...

Ps.: Sachlich ist anders...

11.09.2010 00:35 von Patrick aus Wernau

Abgesehen davon dass der Bericht größtenteils nur aus Hintergrundinfos, teilweise übernommenen Sätzen (z.B. aus der FAZ bezüglich des Konzertes in Frankfurt) u. Provokationen gegenüber Band u. Fans besteht, wäre es sinnvoller gewesen, künftig jemanden auf ein solches Konzert zu schicken (wenn dieser überhaupt vor Ort war - so schwachsinnig seine objektiven Eindrücke waren), der diese Musikrichtung annähernd kennt bzw. zu schätzen mag. Nur so kann auch mal Kritik geübt werden - in diesem Fall aktzeptiere ich sie nicht- der Artikel war schlecht und billig formuliert bzw. recherchiert. Selten mal einen Bericht gelesen in dem in irgendeiner Form Positives über eine Band dieses Genres geschrieben worden ist. Liegt wohl meistens daran, dass hierbei Journalisten am Werke sind, die kein fundiertes Wissen besitzen was diese Musikrichtung anbelangt - oder schlichtweg der Sparte Popmusik/Softrock zuzuordnen sind. Gegen Kritik ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber nicht von Leuten, die von der Materie keine Ahnung haben. Von Anfang bis Ende hat der Bericht in mir den Eindruck erweckt, dass der Verfasser sich irgendeinen persönlichen Frust von der Seele geschrieben hat; tragischerweise zum Konzert von Limp Bizkit. Sorry, billiger und provokativer Journalismus - ein Artikel, den sich die EZ hätte sparen können, da letztendlich auch nur Leute wie ich, die die Band gut finden, diesen komplett gelesen haben - u. für die meisten denke ich war dieser Artikel Aufregung genug.... ich hatte einen Puls von 180..... Das Konzert war super und die Tatsache, dass viele alte Lieder gespielt worden sind, ist nicht weiter tragisch, da dass meistens so ist und die Fans das auch so wünschen, oder? Es gibt so viel kommerzieller Mist auf dem Markt, der es eher mal verdient hätte, einem kritischen Bericht zum Opfer zu fallen... Auf jeden Fall fanden meine Frau und ich das Konzert absolut klasse - die (inkompetente) Meinung anderer ist uns sch....egal! Grüße an alle LB-Fans

09.09.2010 19:55 von Christian

Objektivität: 0/10

Sehr geehrter Herr Weiß,

auch wenn Ihnen der Musikstil nicht gefallen mag kann ich mir schwerstens vorstellen, dass Schlagzeug, Bass, Gitarre und DJ nicht gut gewesen wären.

Das Fred Durst sängerisch nicht 100prozentig ist, kann man ja noch sagen, jedoch sind die Qualitäten nicht auf einem schlechteren Niveau, als bei anderen Vertretern dieses Musikgenres.

Sollten Sie jedoch mit Ihrem reißerischen, wie auch fachlich schlichtweg inhaltlich falschen Artikel nur nach Ruhm und Ehre der Klatschpresse streben (was anzunehmen ist), so wünsche ich Ihnen Viel Erfolg dabei (Neue Post, Bunte, Bild lege ich Ihnen ans Herz).

Der Redaktion der Esslinger Zeitung ist jedoch nur zu wünschen sich von solch schlechten Redakteuren zu trennen.

Hochachtungsvoll C.

09.09.2010 12:36 von Bernd Stromberg

Die Frage ist ja auch, was komplett sinnentleert ist - Ein Konzert Limp Bizkits oder eine Eßlinger Zeitung :-) Vermutlich liegt da der Hund begraben: Wenig distanzierter Hau-Drauf-Artikel, eben genauso provokant wie die Band..ach wie paradox :-) Brachte das Germanistik-Studium doch nicht den erhofften Lohn, oder war das Wochenende eher semi-optimal für die Laune? Oder wurde dieser Artikel als Bewerbung für die Bildzeitung verwendet? Wie dem auch sei: Man kann eine Meinung haben, man muss nicht. Und wenn, dann sollte man sie nicht jedem ins Gesicht treten, sondern aus einer gewissen Distanz beide Seiten betrachten. "An seinem lausigen, pseudo-sphärischen Geplingel ändert das jedoch nichts." - Das lausige Geplingel nachzumachen ist gar nicht so einfach, so viel sei verraten! Lieber Kaffee für die Redaktion machen - aber selber nicht mehr so viel naschen, gell? :-)

09.09.2010 09:40 von rauch

mal ne Frage an euerer Redaktion, habt ihr dieses Konzert überhaupt gesehen?! Limp Bizkit sind immer noch die pioniere des Nu Metal und werden euch mit ihrem neuen Album Gold Cobra ziemlich in den Arsch treten. Freu mich richtig aufs Konzert in München.

09.09.2010 00:03 von cobra

na da hat doch jemand mal absolut keine ahnung;) danke für diesen sinnfreien artikel!

08.09.2010 23:35 von jürgen Mühlbacher

Einer der Schlechtesten Artikel die ich jemals gelesen habe. Künstler sind Künstler und können durch die gsd existierende Künstlerische freiheit das singen was sie wollen. Und wenn man hier behauptet dass es rap zusammengemixt ist mit Heayrock und mehr nicht. Warum sind sie dann eine der Erfolgreichsten Bands unserer Zeit?

Tut mir leid, aber solch etwas subjektives und dummes habe ich selten gelesen. !! Der Autor sollte sich drei mal auf den Kopf greifen und mal über seine Berufswahl nachdenken !!

Frechheit !

08.09.2010 18:07 von oemmes

man kann Limp Bizkit hassen und die Musik schlecht wie man will - aber das die Live einfach gut sind und alles geben, kann niemand behaupten meine ich. Deshalb ist der Bericht genauso sehr einseitig und schlecht geschrieben wie inhaltlich der Auftritt beschrieben wird... leider.


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