Von Toskana-Feeling und Montagssträußen
ES-OBERESSLINGEN: Gärtnerei und Blumenhaus Heubach besteht seit 100 Jahren - Vierte Generation führt Unternehmen
Vom Familienbetrieb, der Gemüse anbaute, zum modernen Produktionsunternehmen und Dienstleister rund um die Floristik: der Esslinger Gartenbaubetrieb Heubach wird heute in der vierten Generation von Gunther und Thomas Heubach geführt. Sie sind die Urenkel von Ernst Heubach. Dieser hatte seine Gärtnerei vor 100 Jahren in der Hirschlandstraße gegründet.
In einem Bauernhaus mit Scheune, dem letzten Gebäude in der Hirschlandstraße, bevor das freie Feld begann, hatte Ernst Heubach 1910 seinen landwirtschaftlich orientierten Betrieb gegründet und 50 Jahre lang betrieben. Das erste Gewächshaus - heute sind es neun mit einer Gesamtfläche von 2000 Quadratmetern - wurde 1928 gebaut. „Meine Großmutter hat das Gemüse auch mit dem Handkarren zum Markt gebracht und dort verkauft. Und mein Großvater, ein Weingärtner, hielt Ziegen, Hasen und Hühner“, weiß der heutige Seniorchef Fritz Heubach noch. Der Gärtnermeister hatte 1972 mit seiner Frau Brigitte vom Vater Friedrich den elterlichen Betrieb übernommen, in dem seine beiden Schwestern mitarbeiteten. Dessen Schwerpunkt lag bis Anfang der 60er-Jahre auf dem Gemüseanbau und -verkauf.Doch Gemüsebau, Ziegen- und Hühnerstall waren in Wirtschaftswunderzeiten überholt. „In den 50er-Jahren hat man dann langsam Blumen gebraucht“, erzählt Fritz Heubach. Die berühmten Nelken - Älteren noch gut in Erinnerung - kamen auf. Die Nachfrage nach Schnittblumen jeglicher Art - Freesien, Tulpen, Narzissen - stieg. Thomas Heubach erinnert sich noch gut an Kindertage, in denen das Geschäft den Tagesablauf diktierte: „Wenn es notwendig war, am Sonntag Freesien zu ernten, dann musste das Mittagessen eben warten.“ Immer wieder wurde man den Trends gerecht. Etwa in den 80er-Jahren, als alle Welt plötzlich Schnitt-Chrysanthemen wollte. „Die konnten wir fast rund ums Jahr anbieten, da wir das Wachstum mit Licht und Folie gesteuert haben“, erinnert sich Gunther Heubach. Vor mehr als zehn Jahren habe dann die enorme Nachfrage nach südlichen Gewächsen wie Oleander und Olivenbäumen eingesetzt. „Die Leute wollten damit die Urlaubsstimmung aus der Toskana in ihre heimischen vier Wände übertragen“, sagt Thomas Heubach. Passende Accessoires sollten dieses Feeling unterstützen. Und so gibt es im großzügigen Laden - in seiner jetzigen Form 1980 entstanden - ausgefallene Keramik und andere Blumenaccessoires.
Konkurrenz an der Tankstelle
Klarkommen musste das Unternehmen, dessen Logo ein stilisiertes H schmückt, mit Konkurrenz aus unerwarteter Ecke. „1970 ist man noch in ein Blumengeschäft gegangen, um einen Strauß zu kaufen. Heute gibt’s den überall“, sagt Gunther Heubach. „Ja, damals fuhr man zum Tanken zur Tankstelle. Heute ist das ein Ersatz für einen Tante-Emma-Laden, nur nicht so schön“, ergänzt sein Bruder. Auch Gartencenter sind heute eine Konkurrenz.
Die vierte Heubach-Generation setzt deshalb konsequent auf Dienstleistung und die Angebote im Laden in der Hirschlandstraße 42. Zwiebelgewächse wie Tulpen, Narzissen und Hyazinthen werden ebenso wie Balkonpflanzen, Bodendecker, Schnittgrün und natürlich der Klassiker Weihnachtssterne noch selbst produziert. Ergänzt wird das eigene Sortiment durch Zukauf: „Es kommt ja immer was Neues auf den Markt, und das Sortiment wird immer größer“, erlebt Fritz Heubach. Der nahe Großmarkt in Stuttgart-Wangen und große Gärtnereien in der Region mit ihrem Rosenangebot ermöglichen Vielfalt. „Wir versuchen, regionale Schnittblumen zu verkaufen“, betont Gunther Heubach. Die sind fast taufrisch, wenn sie über die Ladentheke an den Kunden, per Fleurop oder als „Montagssträuße“ an Praxen, Apotheken, Firmen und anderswohin gehen. Dort sorgen sie zum Start der neuen Woche für eine freundliche Atmosphäre.
Kübelpflanzen überwintern
Für freudige Anlässe wie eine Hochzeit liefert Heubach ebenso den floralen Schmuck wie für Trauerfälle. Grabanlagen und -pflege habe bereits sein Vater angeboten, erinnert sich Fritz Heubach: „Da wurde viel mit Dahlien gemacht.“ Nun erlebt er mit, wie die „Friedhofskultur“ zurückgeht, sprich, es weniger Erdbestattungen gibt und sich Angehörige zurückhaltender beim Wechsel der Bepflanzung zeigen. Froh sind viele Besitzer von Olivenbaum, Oleander und Co. übrigens über einen weiteren Service: „Wir überwintern Kübelpflanzen. Viele Leute haben dazu ja keinen Platz in ihrer Wohnung“, sagt Thomas Heubach. Und wer als Veranstalter auch große Feste mit attraktivem Grün umrahmen möchte, kann sich dekorative Pflanzen leihen.



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