Plakative Welt der Tiergärten
Wilhelma-Futtermeister Klaus-Dieter Strauss sammelt seit fast 25 Jahren Zooposter
Stuttgart - Was die Sammelleidenschaft von Menschen angeht, so sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt: Bierdeckel, Briefmarken, Münzen, Puppen, Blechspielzeug - es gibt fast nichts, was nicht in Glasvitrinen heimischer Wohnzimmer wandert. Doch hinter den Wilhelma-Mauern verbirgt sich eine Leidenschaft, die nur Insidern bekannt sein dürfte. Klaus-Dieter Strauss, seit 25 Jahren Futtermeister in der Wilhelma-Küche, und sein Stellvertreter Michael Scholl sammeln Zooplakate. Mehr als 400 Poster haben sie in den vergangenen mehr als zwei Jahrzehnten zusammengetragen und aufgehängt. Sydney, Jerusalem, Kopenhagen, Rotterdam, Berlin - um nur einige Stationen zu nennen - bilden eine „tierisch abwechslungsreiche Reise“ durch die Welt der Zoos, die einmal - so der Wunsch der Sammler - ins Guiness-Buch der Rekorde führen soll.
„Ich habe schon früh damit angefangen“, verrät der 52 Jahre alte Strauss, der quasi sein halbes Leben in der Futterküche verbracht hat. Von Anfang an seien ihm die sterilen und kahlen Wände ein Gräuel gewesen; kurzerhand entschloss er sich, sie mit Postern zu bekleben. Und warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Denn schon der legendäre Wilhelma- Direktor Albert Schöchle hatte es nach dem Zweiten Weltkrieg verstanden, mit Werbeplakaten und Postern mehr Besucher in den zoologisch-botanischen Garten zu locken. Und dem einstigen „Schlitzohr“ war dazu fast jedes Mittel recht.
„Ein Wilhelma-Poster aus den 50er-Jahren lädt Besucher zu einem Gewinnspiel ein“, so Strauss und zeigt auf ein Plakat ganz weit oben an der Wand. Dem Sieger - und das ist kein Witz - winkte damals ein Pudel. Gewinnspiel mit Pudel „Heute sicher undenkbar“, so Strauss, allerdings ist er schon erstaunt, wie kreativ die Marketing-Abteilungen der Tiergärten sind. „Die Holländer setzten eine Zeit lang auf Tierkarikaturen.“ Ein ebenfalls wunderschönes Plakate stammt aus Australien und ist eine kunterbunte Landkarte, die die gesamte Tierwelt des fünften Kontinents präsentiert. Er hat auch schon Poster geschenkt bekommen, wo er lange rätseln musste, um welche Stadt es sich handelt. „Auf einem war die Beschriftung in Hebräisch“, so der 52-Jährige. Erst die Mutter einer Auszubildenden erkannte den Ort des Zoos: „Es war Jerusalem.“ Worauf er ebenfalls sehr stolz ist, sind die alten Plakate aus der ehemaligen DDR, zumal deren Zoos - im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen hinter dem Eisernen Vorhang - nichts zu wünschen übrig ließen. Sein absoluter Favorit zeigt jedoch einen niedlichen kleinen Eisbären. Und da der Futtermeister die Wilhelma-Kindergeburtstage mitgestaltet, stellt er den Kleinen gern die Frage, um wen es sich handelt. „Natürlich kreischen sie Knut, Flocke oder Wilbär“, erzählt Strauss. Allerdings sei das Poster vom Karlsruher Zoo und zeigt den kleinen Anton, der heute zusammen mit Bärin Corinna eine der Wilhelma-Attraktion darstellt. Mehr als 400 Plakate und Schmuckposter hat Strauss mit seinem Kollegen Scholl zusammengetragen. Einige brachten sie aus dem Urlaub mit, andere wiederum wurden ihnen von Freunden und Kollegen geschenkt. Die Sammelleidenschaft hat sich schnell herumgesprochen. Auch der langjährige Wilhelma- Sprecher Lutz Plasa hat vor Jahren die Archive geöffnet und einige Raritäten „gespendet“. Vor wenigen Monaten war Strauss der Meinung, dass die Zeit für einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde reif war. „Allerdings haben wir bei der Bewerbung einen Fehler gemacht und die Unterlagen nach Hamburg geschickt.“ Mittlerweile müsse man sich direkt in England bewerben. Folglich wird es wohl noch etwas dauern, bis ihr Name in dem legendären Buch auftaucht. Aber wie heißt es so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.



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