Tanzen bis der Morgen graut
ESSLINGEN: Stuttgarter Festival für elektronische Musik im Eisstadion mit 4000 Fans
So viele Menschen waren sicher noch selten gleichzeitig im Eisstadion auf der Fläche: Zum ersten Mal gastierte das vom Büro Südwind organisierte Stuttgarter Electronic Music Festival (Semf) in Esslingen. Und 4000 Fans aus ganz Süddeutschland strömten ab 14 Uhr auf die Neckarinsel und ins Eisstadion. Bevor sie mitten in der Nacht weiterzogen in verschiedene Stuttgarter Clubs und dort tanzten bis zum Morgengrauen - oder noch länger.
„Geile Party“, finden Sandy und Michael. Sie waren schon ab 16 Uhr vor Ort und extra aus Karlsruhe angereist. „Es ist einfach ein total cooler Sound, man kann super tanzen und alles andere vergessen“, sagt Sandy. Nach 23 Uhr war dann „umziehen“ angesagt, denn im Esslinger Eisstadion war zu diesem Zeitpunkt die Party zu Ende. Sandy und Michael wollten aber wie der Großteil der Besucher auf jeden Fall weiter zur Aftershow in den Club „Rocker 33“ in der Landeshauptstadt und je nach Laune vielleicht auch noch zur Afterhour im Stuttgarter Club Toy.
Elektronische Musik wird - wie ihr Name schon sagt - ausschließlich elektronisch erzeugt. Der Bass vibriert, Melodie und Rhythmus wiederholen sich stetig, ergänzt und bereichert werden die Melodien durch leichte Variationen und unerwartete Einwürfe. Insgesamt entsteht eine tranceartige Wirkung, auf die die Fans stundenlang tanzen können. Die Geschichte elektronischer Musik ist lang, inzwischen gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Stile von Trance bis Dance, Rave oder Acid Techno. Selbst die sind noch vielfach aufgesplittet, jeder von ihnen ist individuell und einzigartig.
Allein an diesem Abend mischten 23 DJs die Massen auf, es gab Performance Art, etwa von der fünf Meter hohen Lichtgestalt Dundu, die sich tanzend durch die Menge bewegte, und viele Live-Auftritte. War es vor wenigen Jahren noch eine Besonderheit in der Performance-Kunst, Musik im Moment ihrer Entstehung in zufällig generierte, großartige Farb- und Formspiele zu übertragen, hat sich die elektronische Musik auch dieses Feld erobert. Die Akteure auf der Eisstadion-Bühne wirkten vor der großen Leinwand mit den leuchtenden, ineinander verschmelzenden Farbsinfonien eher wie unscheinbare Schattenmänner. Sound, Licht und Show bildeten aber eine bis ins Detail durchdachte Einheit, die Macher sind sehr kreativ und phantasievoll.
Tanzen, tanzen und noch mal tanzen war angesagt an diesem Abend, die Stimmung war ausgelassen und das Publikum ausgesprochen begeisterungsfähig. Das erste Septemberwochenende war nicht wirklich der Wunschtermin der Veranstalter und eigentlich wären sie lieber in Stuttgart geblieben. Doch ein Festival elektronischer Musik jagt das nächste und die Wunschlocation in Stuttgart war ausgebucht. Aber auch in Esslingen passte alles zusammen und die Fans strömten aus ganz Süddeutschland. Und ein ganzes Heer an Helfern, von der Security übers DRK bis zur DLRG-Wasserrettung, sorgte für einen reibungslosen Ablauf.



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