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Schritt für Schritt

Tanzübungsleiterinnen des Roten Kreuzes laden in den Sommermonaten zu Gruppentänzen in das Höhencaf é Killesberg ein

  Beim Tanzcaféim Höhenpark wird ausgelassen getanzt.Foto: Weirauch
 

Beim Tanzcaféim Höhenpark wird ausgelassen getanzt. Foto: Weirauch

 

Von Yvonne Weirauch

Stuttgart - Die Sonne schaut an diesem Tag nur selten zwischen den Wolken hervor. Im Höhenpark Killesberg sind aber trotzdem viele Familien und Wanderer unterwegs. Von ferne ist Musik zu hören. Sie kommt aus der Richtung des Höhencafés. Nährt man sich dem idyllischen Aussichtspunkt, erblickt man eine Menschenmenge die sich im Rhythmus des Taktes bewegt. Immer in den Sommermonaten ist es soweit: Seit mehr als 20 Jahren treffen sich Tanzinteressierte bei den öffentlichen Veranstaltungen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Höhencafe. Mitmachen kann jeder, der will.

Auf der Terrasse, unter freiem Himmel wird das Tanzbein geschwungen. „Der Raum im Café wird für so viele oft schnell zu eng“, sagt Susanne Grasse, ehrenamtliche Tanzübungsleiterin. Da ginge nur die Hälfte rein. Da sei die Terrasse schon praktischer und im Freien zu tanzen, mache auch mehr Spaß. Am heutigen Tag sind rund 60 Tänzerinnen auf der Tanzfläche. Auffällig: keine Männer sind dabei. „Aber auch die wären willkommen“, sagt Ursula Nusch, stellvertretende Kreissozialleiterin. Sie ist die verantwortliche Führungskraft für das DRK-Bewegungsprogramm (Seniorengymnastik, Seniorentanz, Wassergymnastik und Yoga).

Ein seltenes Bild sei es nicht, wenn sich rund hundert Tanzfreudige auf der Tanzfläche aufhalten. „Meistens sind es Frauen. Männer sind vielleicht doch Tanzmuffel oder sie trauen sich einfach nicht“, sagt Nusch und lacht. Aber vielleicht liege es auch daran, dass weniger Paartänze praktiziert würden. „Kreistänze und Blocktänze gehören zu unserem Repertoire“, sagt Grasse. Auf das Können käme es gar nicht so groß an. „Mitmachen kann jeder, der Spaß an Bewegung und am Tanzen hat“, sagt Grasse. Aber sie fügt hinzu: „Viele der Damen kommen traditionell hier her. Die sind schon richtige Profis im Tanzen.“ Manche Menschen kämen aber auch nur zufällig auf den Killesberg, gehen dann ins Café und tanzen einfach mit. „Oder schauen zu.“

Die Musik spiele eine große Rolle, hat Susanne Grasse beobachtet. „Wir versuchen eine große Mischung von allem zu machen.“ Die meisten Frauen kennen die Musik. Susanne Grasse macht die Tanz-Ansagen. Im amerikanischen Stil geht es los. Auf Swing wird getanzt. „In Dreiergruppen einteilen. Da heute keine männlichen Partner da sind, müssen einige Frauen die Rolle des Mannes übernehmen“, sagt die Übungsleiterin. Dann stellen sich die Damen in einem Sechserkreis auf. Dann: „Rechte Hand ausstrecken, einen Stern bilden, linke Hand ausstrecken, wieder einen Stern bilden, dann drehen. Rechts herum und links herum.“ Das hört sich kompliziert an und erfordert hohe Konzentration. „Auf den Ausgangspunkt zurück. Von vorne.“ Susanne Grasse spricht durch ein Mikrofon. Jeder kann hören, was sie sagt. Und die Damen folgen Schritt für Schritt. Die Zuschauer wippen mit den Füßen mit.

„Wenn einer etwas falsch macht, kann alles durcheinandergeraten“, sagt Ursula Nusch. Warum die Damen das Tanzbein schwingen? - Schließlich haben die meisten das Alter von 60 oder 70 längst überschritten. „Es hält fit und hilft bei vielem“, sagt Nusch. So bleibe das Gedächtnis trainiert und die Konzentrationsfähigkeit intakt. „Manches strengt aber auch an“, ruft eine der Damen dazwischen und lacht. „Aber das soll es ja auch.“

Schnelle Geigentöne erschallen aus dem Lautsprecher. Die Lippen der Tänzerinnen bewegen sich. Die Schritte werden mitgezählt, um nicht aus dem Takt zu geraten. „Seit, Schwung, vorwärts.“ Viele der Damen haben Freizeitkleidung an, andere sind chic mit einem Kostüm bekleidet. Eine der Damen ist sogar im sportlichen Outfit da: Trainingshose, Trainingsjacke, Stirnband. Konzentriert tanzen die Damen zum Takt. „Dieser Tanz heißt Kuddelmuddel, aber bei Ihnen kam es zu keinem Durcheinander“, sagt Grasse und lobt damit die Tänzerinnen. Ein Hauch von Griechenland hält auf dem Killesberg Einzug - nur die Sonne fehlt: Drei Kreise werden gebildet - ein innerer, ein mittlerer und ein äußerer Kreis. Nach griechischer Musik werden die Tanzschritte verfolgt. „Schritt brush, Schritt brush, Schritt seit, Schritt seit ran und zurück. Die Damen kommen auch nicht aus der Puste, als zu dem Titel „Rote Lippen soll man küssen“ ein Blocktanz bevorsteht. „Seit ran, Seit ran, drehen, zum Fenster schauen. Jetzt nach links. Seit ran, Seit tipp, nach links. Vier Schritte nach vorne“, die Ansagen sind kurz und knapp, jeder Tanzfan weiß aber, was er zu machen hat. Fachliche Nachfragen, womit der Laie, der sich im Tanzen gar nicht auskennt, nichts anfangen kann, kommen zudem. „Manche werfen mit Fachausdrücken so um sich. Und wollen die genaue Schrittabfolge sogar aufschreiben, um es beim nächsten Mal gleich zu können“, sagt die Übungsleiterin und freut sich darüber.

Jetzt eine kurze Pause, Zeit zum Durchatmen und Zeit für einen Kaffee. Aber der Tanznachmittag im Höhencafé ist damit noch lange nicht vorbei.

Weitere Informationen zum Tanzcaf

é

gibt es beim Roten Kreuz unter der Telefonnummer 0711 / 28008 0.

 

Artikel vom 04.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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