EZ-AKTION EHRENAMTSPREIS 2010 „STARKE HELFER“
Den letzten Weg muss keiner alleine gehen
ESSLINGEN: Ehrenamtliche der Arbeitsgemeinschaft Hospiz betreuen schwer kranke Menschen bis zu deren Tod
Rund 200 todkranke Menschen begleitet der Esslinger Hospiz-Dienst jedes Jahr. Es ist ein Ehrenamt, das den 60 Mitarbeitern - darunter nur fünf Männer - vieles abverlangt, auch zeitlich. „Wir erwarten, dass die Mitarbeiter uns etwa vier bis sechs Stunden pro Woche zur Verfügung stehen“, sagt Erika Dionisius, die hauptamtliche Koordinatorin der Arbeitsgemeinschaft. Berufstätigen fällt das oft schwer, weshalb unter den Stützen der Hospiz-Gruppe viele Ruheständler sind.
Doch man braucht nicht nur Zeit, sondern auch eine stabile Psyche: „Es ist eine belastende Arbeit, für die man die nötige Kraft haben muss“, weiß Dionisius. Eine intensive Vorbereitung vor dem ersten Einsatz ist genauso wichtig. Sechs Monate dauert die Ausbildung der Ehrenamtlichen: In Abend- und Wochenendseminaren lernen sie in dieser Zeit viel über den Tod, das Sterben und den Umgang mit Betroffenen und Angehörigen. Auch ein Kurzpraktikum in einem Heim oder bei einem Pflegedienst gehört dazu: „Damit unsere Mitarbeiter sehen, was das Pflegepersonal leistet“, erklärt Dionisius.
Letzte Wünsche erfüllen
Bei ihren Einsätzen übernehmen die Hospiz-Mitarbeiter dann aber keine Pflegetätigkeiten, sondern ausschließlich die „psychosoziale Betreuung“. Was darunter zu verstehen ist, kann von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein. „Man muss spüren, was der Patient möchte“, sagt Marianne Knödler. Stundenlange Gespräche oder nur eine stumme Berührung, singen, Musik hören oder ein Gebet - alles ist möglich, nichts wird aufgedrängt. Auch erklärte Atheisten betreut die Hospiz-Gruppe, die von der evangelischen und katholischen Gesamtkirchengemeinde getragen wird.
„Wir fragen auch immer, ob der Patient noch einen besonderen Wunsch hat“, erzählt Frederieke van Ouwenaller, die seit 2001 im Hospizdienst mitarbeitet. Einem VfB-Fan haben die Ehrenamtlichen beispielsweise sein Krankenzimmer in den Vereinsfarben dekoriert, und eine alte Frau, die kaum noch kauen konnte, habe unbedingt noch einmal ein Schnitzel essen wollen. Oft sind es aber auch ungeklärte Verhältnisse, die den Sterbenden belasten. Noch einmal den Bruder oder den Sohn sehen, mit dem man seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte - solche Wünsche hören die Hospizmitarbeiter immer wieder und versuchen sie zu erfüllen. „Viele können anschließend in Frieden sterben“, sagt van Ouwenaller.
Doch auch wenn die familiären Verhältnisse intakt und die Angehörigen vor Ort sind, bietet das Hospiz-Team seine Hilfe an. „Die Angehörigen stoßen irgendwann an ihre physischen und psychischen Grenzen“, weiß Erika Dionisius. Viele sind deshalb erleichtert, wenn sie einmal eine Auszeit nehmen können. Und auch die Patienten selbst sind oft froh, wenn sie einmal mit einem Außenstehenden sprechen können: „Viele Sterbende wollen ihre Angehörigen nicht belasten. Wenn jemand vom Hospiz kommt, können sie plötzlich viel offener reden“, hat Marie Kruse festgestellt.
Professionelle Unterstützung
Während der Betreuung, die wenige Tage, aber auch Monate oder sogar Jahre dauern kann, entwickelt sich oft eine intensive Beziehung zum Patienten. Wenn der dann stirbt, können das selbst langjährige Hospiz-Mitarbeiter nicht so einfach wegstecken. „Es gibt schon Momente, wo man an seine Grenzen stößt, aber wir sind in solchen Situationen zum Glück nicht allein“, sagt Marie Kruse. Einmal im Monat tauschen sich die Hospizmitarbeiter in Gruppentreffen aus, es werden regelmäßig Fortbildungen und einmal pro Jahr ein Hospizwochenende angeboten. Und wer möchte, kann jederzeit eine professionelle Supervision in Anspruch nehmen. Oft verändert sich durch die Arbeit mit den Sterbenden im Lauf der Zeit auch die eigene Einstellung zum Leben und zum Tod: „Für mich ist der Tod heute nicht mehr so angstbesetzt“, sagt Marie Kruse,



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