20 Jahre Idyll am Rande der Großstadt
Zwei besondere Naturschutzgebiete bieten seltenen Pflanzen und Tieren eine Heimat
Stuttgart (red) - Ein Idyll am Rande der Stadt wird 20 Jahre alt: 1990 hat das Regierungspräsidium Stuttgart das Körschtal zwischen Möhringen und Plieningen sowie das Büsnauer Wiesental in Vaihingen zum Naturschutzgebiet erklärt. „Zwei wunderschöne Wiesenlandschaften inmitten der intensiv genutzten und zersiedelten Landschaft wurden dadurch für die Zukunft bewahrt“, so Regierungsvizepräsident Christian Schneider.
Mit 226 Hektar ist der Weidach- und Zettachwald das größte Naturschutzgebiet auf den Fildern. Es umfasst die beiden namengebenden Waldgebiete links und rechts der Körsch, den naturnahen, schlingenreichen Bach und die feuchten Auenwiesen. Richtung Plieningen schließen sich die größten Streuobstwiesen Stuttgarts an, die ebenfalls Teil des Schutzgebiets sind. Anlass, das Gebiet unter Naturschutz zu stellen, war die rasante Siedlungsentwicklung auf den Fildern in den letzten Jahrzehnten. Das Büsnauer Wiesental war Ende der 1970er-Jahre von zunehmender Bebauung und einer Intensivierung der Landwirtschaft bedroht. Es liegt zwischen dem Universitätsgelände in Vaihingen und dem Stadtteil Büsnau in der Senke des Katzenbachtals. Es umfasst knapp 30 Hektar reich strukturierte Wiesenlandschaft. Mit dem kleinräumigen Mosaik aus Wiesen, Bachlauf, Bachgehölzen, Tümpeln, Röhricht, Kopfweiden, Hecken und Wegrainen ist das Büsnauer Wiesental am Rand der Großstadt eine echte Seltenheit.
Die beiden Naturschutzgebiete wurden wegen ihrer naturnahen Lebensräume und einigen seltenen Pflanzen- und Tierarten unter Schutz gestellt. Im Weidach- und Zettachwald kommt beispielsweise der Blaustern, besser bekannt unter seinem wissenschaftlichen Namen Scilla bifolia, in größerer Anzahl vor. Im März, wenn der Laubwald noch kahl ist und die Sonne den Waldboden erwärmt, kommt dieses auffallende blaue Liliengewächs für wenige Wochen zum Vorschein. Aber auch die feuchten Wiesen der Talaue sind schutzbedürftig, denn allzu häufig werden sie andernorts entwässert und in einfacher zu bewirtschaftendes Grünland umgewandelt. Einige in der Stuttgarter Gegend rückläufige Pflanzenarten wie Schwarze Teufelskralle, Teufelsabbiss, Knöllchen-Steinbrech und Großer Wiesenknopf sind im Naturschutzgebiet noch erfreulich häufig zu finden. Eine Besonderheit ist der Dunkle Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling. Dieser kleine Tagfalter ist stark in seinem Bestand gefährdet, weil die Wiesen, auf denen seine Futterpflanze, der Große Wiesenknopf, gedeiht, sehr selten geworden sind.
Das Büsnauer Wiesental zeichnet seine reiche Artenvielfalt aus. Mindestens 300 Pflanzen- und über 150 Vogelarten wurden hier nachgewiesen. Besonderheiten sind Trollblume, Knollige Spierstaude, Echter Eibisch, Filz-Segge und Nordisches Labkraut. Goldammer, Feldschwirl, Rohrammer, Sumpfrohrsänger, Mittelspecht und Schwanzmeise brüten hier. Das Büsnauer Wiesental stellt heute für Wiesenpieper wie auch für Braunkehlchen und Steinschmätzer noch ein wichtiges Rastgebiet dar. Im Frühjahr und Herbst können diese und andere Zugvögel oft zu Hunderten beobachtet werden. Der einst gefährdete Graureiher besucht das Gebiet häufig zur Nahrungssuche. Im Büsnauer Wiesental haben auch zahlreiche Amphibienarten eines ihrer letzten Refugien am Rand der Großstadt gefunden. Dazu zählen Teich-, Wasser- und Grasfrosch, Erdkröte, Berg- und Teichmolch. Der stark gefährdete Laubfrosch hat hier sein letztes Vorkommen in Stuttgart. An lauen Sommerabenden können lautlos schwärmende Fledermäuse beobachtet werden.



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