SERIE HISTORISCHE SCHäTZE
Wenn die Jugend zum Instrument greift
ESSLINGEN: Stadtmuseum stimmt auf den 60. Geburtstag der Musikschule ein
Wer heute Musik macht und ein größeres Publikum daran teilhaben lassen möchte, der nimmt seine Stücke auf und brennt anschließend mal eben ein paar CDs. Vor einem Vierteljahrhundert war es hingegen ziemlich aufwendig, eine Schallplatte aufzunehmen. Die Städtische Jugendmusikschule nahm die Mühe auf sich und produzierte zum 1985 begangenen Europäischen Jahr der Musik eine Vinylscheibe. Die Langspielplatte in ihrem knallgrünen Cover rückt im September als „Objekt des Monats“ im Stadtmuseum in den Mittelpunkt. Denn im Oktober feiert die Musikschule ihren 60. Geburtstag.
Württembergs erste Singschule
Karl Mäder hatte sie als erste Singschule Württembergs gegründet, weiß Christian Rilling, stellvertretender Leiter des Museums. Ihr Vorbild war die bereits 1905 ins Leben gerufene Greiner‘sche Singschule in Augsburg. Für deren Gründer Albert Greiner war „der Gesang die Pforte zu allem musikalischen Verstehen und Werden“. Schon ein Jahr nach ihrer Gründung wurde die Esslinger Singschule, die ihren Sitz in der Webergasse 12 hatte, staatlich anerkannt. Es gründete sich ein Verein, der bis 1973, als die Stadt Esslingen die Musikschule übernahm, die Trägerschaft innehatte. 1996 wurde aus der Jugendmusikschule dann die Städtische Musikschule. Von der Webergasse war man 1957 in den Landolinshof und 1984 schließlich an den Blarerplatz umgezogen.
Große Vielfalt
Bereits ein Jahr nach der Gründung wurden 500 Kinder und Jugendliche in der Singschule unterrichtet. Bis 1965 sollte ihre Zahl auf 900 steigen, heute sind es exakt 1229 Schüler, hat Christian Rilling herausgefunden. Neben der Gesangsausbildung wurden die Schüler schon in den Anfangsjahren der Musikschule in Instrumentalfächern unterrichtet.
Die Schallplatte, die jetzt eine Vitrine im Gelben Haus am Hafenmarkt ziert, ist die wohl früheste Langspielplatte, die von der damaligen Jugendmusikschule aufgenommen wurde. Im Stadtmuseum hat man zumindest keine gefunden, die älter ist. Natürlich hat der stellvertretende Museumsleiter, der übrigens selbst Musik macht, in die Platte reingehört. Anlässlich des Europäischen Jahrs der Musik widmete man sich den Komponisten Dietrich Buxtehude, Antonio Vivaldi, Johann Pachelbel und Johann Sebastian Bach.
In der Stadtkirche St. Dionys wurde die Platte eingespielt. Unter der Leitung des damaligen Schulleiters Wolfgang Engels musizierten das Kammerorchester und der Chor. Der von Hans-Georg Kuch geleitete Gitarrenchor war ebenso mit von der Partie, wie einige Solisten, die an der Esslinger Musikschule ausgebildet, teilweise Preisträger bei Jugend musiziert gewesen waren. „Die Auswahl der eingespielten Werke zeigt die große Vielfalt an unterrichteten Fächern bei einem Schwerpunkt auf barocker Musik“, stellt Christian Rilling fest.



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