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Kraftwerk im Keller erzeugt Wärme und Strom

ESSLINGEN: In der Blumenstraße 33 soll die umweltfreundlich produzierte Energie auch eine Zapfsäule für Elektrofahrzeuge speisen

  Stefan Bräuning, Jörg Mayer, Werner Berner und Bernd Spielmann (von links) wollen den Einsatz von Elektrofahrzeugen voranbringen, die mit umweltfreundlich erzeugtem Strom geladen werden. Foto: Bulgrin
 

Stefan Bräuning, Jörg Mayer, Werner Berner und Bernd Spielmann (von links) wollen den Einsatz von Elektrofahrzeugen voranbringen, die mit umweltfreundlich erzeugtem Strom geladen werden. Foto: Bulgrin

 

Dass das Haus in der Blumenstraße 33 mit umweltfreundlicher Energie versorgt werden soll, stand für den Architekten Stefan Bräuning schon vor der Sanierung fest. Da Sonnenkollektoren am Denkmalschutz und Erdwärme am Einspruch der Stadt scheiterten, entschied er sich für ein Blockheizkraftwerk. Und das liefert nicht nur Wärme, sondern auch Strom und speist eine Zapfsäule für Elektrofahrzeuge.

Von Dagmar Weinberg

Die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses, in dessen Erdgeschoss bis in die 20er-Jahre das Nord-Ost-Café sein Domizil hatte, ist fast vollendet. Rund 1000 Quadratmeter Wohn- und Bürofläche stehen in dem rund 110 Jahre alten Gebäude sowie in dem Neubau, den der Architekt in der Blumenstraße daneben gesetzt hat, zur Verfügung. „Bei einer derart großen Fläche ist es ein Muss, dass man sich über eine umweltfreundliche Energieversorgung Gedanken macht“, unterstreicht Stefan Bräuning. Da Sonnenkollektoren auf einem denkmalgeschützten Haus tabu sind, hatte er überlegt, die beiden Gebäude mit Erdwärme zu versorgen. „Aber das hat die Stadt abgelehnt, weil sie Angst hat, dass es wie im badischen Staufen Risse geben könnte.“

Bund streicht Fördergelder

Also entschloss sich der Bauherr für ein Blockheizkraftwerk (BHKW) im Keller des Hauses und war bei Werner Berner an der richtigen Adresse. Der Esslinger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit erneuerbaren Energien und betreibt mit seiner Firma „Guter Strom“ die als effizient und somit umweltfreundlich geltenden dezentralen Kleinkraftwerke. Ein BHKW produziert nämlich nicht nur Strom. Die dabei entstehende Abwärme wird zum Heizen der beiden Häuser genutzt. „Der Wirkungsgrad liegt bei 90 Prozent“, weiß Werner Berner, der angesichts der positiven Werte nicht nachvollziehen kann, „warum die Bundesregierung ausgerechnet die Förderung für diese umweltfreundliche Technologie gestrichen hat“ - und zwar rückwirkend, so dass die Finanzierung der Anlage in der Blumenstraße ziemlich kompliziert wurde.

Das Kraftwerk im Keller des denkmalgeschützten Hauses wird mit Gas gespeist. Zudem ist das BHKW ganz schön schlau. „Das ist ein lernendes System, das sich zum Beispiel merkt, wann viel warmes Wasser gebraucht wird und darauf entsprechend reagiert“, erläutert der Fachmann. Stefan Bräuning möchte die selbst produzierte Energie - Strom, der nicht im Haus verbraucht wird, fließt ins Netz - auch dazu nutzen, die Elektromobilität voranzutreiben. „Sobald ein ausgereiftes Auto auf dem Markt ist, werde ich als Firmenwagen ein Elektroauto anschaffen.“ Deshalb wird in der Garage eine Zapfsäule installiert. Mit Bernd Spielmann hat der Architekt jemanden gefunden, der sich mit sowas auskennt. Der Ingenieur ist nicht nur selbst in einem elektrisch angetriebenen Gefährt unterwegs. Gemeinsam mit seinem Kompagnon Roland Merlau betreibt er die Esslinger Wasserräder und ist überzeugt: „Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, ist auch private Initiative gefragt.“

Fahrräder für die Hausgemeinschaft

So verhandelt er derzeit mit der Stadt Esslingen über eine durch Wasserkraft gespeiste Elektro­tankstelle am Kesselwasen. Noch laufen die Verhandlungen etwas zäh. Doch Bernd Spielmann hofft, dass die Stadt Esslingen die Chance erkennt. Denn eine Zapfsäule, an der man sein Elektroauto oder das elektrisch betriebene Fahrrad mit regenerativ erzeugter Energie laden kann, „ist ein Leuchtturmprojekt, mit dem die Stadt dann ja auch werben kann“. Stefan Bräuning setzt ebenfalls auf den Schneeballeffekt und will die Hausgemeinschaft in der Blumenstraße dafür gewinnen, „dass wir uns gemeinsam ein paar Elektrofahrräder anschaffen“. Er hat bereits Kontakt zu Jörg Mayer aufgenommen, der in seinem Geschäft „Bike Doctor“, derartige Gefährte im Programm hat und weiß: „Gerade in einer Stadt mit der Topographie Esslingens machen E-Bikes Sinn und sind als Alltagsfahrräder auch immer mehr gefragt.“ Vor allem bei Frauen, die das Rad zum Einkaufen nutzen.

 

Artikel vom 02.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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