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Der Neckar kehrt zurück

ESSLINGEN: Neue Uferzone am Freibad zugänglich - Region sieht wichtigen Beitrag zum Landschaftspark

  Naturnahe Gestaltung statt hässlicher Betonmauer: Beim Freibad in Esslingen wird das Neckarufer wieder erlebbar.Foto: Kaier
 

Naturnahe Gestaltung statt hässlicher Betonmauer: Beim Freibad in Esslingen wird das Neckarufer wieder erlebbar. Foto: Kaier

 
720 000 Euro hat die öffentliche Hand investiert, um am Neckarfreibad eine naturnahe Uferzone zu schaffen. Die Beteiligten sind überzeugt, dass das Geld auf dem 400 Meter langen Streifen gut angelegt ist. Gestern übergaben sie die neue Anlage, zu der auch ein Rad-und Fußweg gehört, der Öffentlichkeit.

Von Hermann Dorn

Können sich Stadt, Region, Land und Bund eine solche Investition in Zeiten leerer Kassen leisten? Diese Frage hat das Vorhaben am Neckar von Anfang an begleitet. Kritiker wandten ein, der Radweg sei völlig unnötig. Ihrer Ansicht nach gibt es in Esslingen weit drängendere Probleme, als eine Alternative zu dem bisherigen Weg zu schaffen, der im Bereich des Bads entlang der Kurt-Schumacher-Straße verlief.

Kritisch gesehen wurde auch der Eingriff in die Freizeitanlage. Dass am Fluss ein acht Meter breiter Streifen für die Uferzone entfällt, stieß bei so manchen Badegästen auf Unverständnis. Von solchen Zweifeln war bei der Einweihung nichts zu hören. Oberbürgermeister Jürgen Zieger zeigte sich ebenso wie Thomas Bopp, der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart, erfreut, dass die Stadt näher an den Neckar rückt. „Das Vorhaben fügt sich nahtlos in den Landschaftspark Neckar ein“, so Bopp. Aus regionaler Sicht sei es wichtig gewesen, diese Lücke zu schließen. Erneut brach er eine Lanze für die Anstrengungen, das Neckartal ökologisch aufzuwerten. „Wir müssen auch an der grünen Infrastruktur arbeiten, wenn die Region wettbewerbsfähig bleiben soll“, sagte er.

Den hohen Rang des Projekts verdeutlichte er mit dem hohen Zuschuss der Region. 280 000 Euro hat sie beigesteuert, wobei die Hälfte aus Fördermitteln der EU stammt. Weitere 300 000 Euro übernimmt das Wasser- und Schifffahrtsamt. Die Stadt Esslingen darf sich bei solch großzügiger Hilfe zurückhalten. Sie muss lediglich 140 000 Euro zahlen, wobei dieser Beitrag den Haushalt nicht einmal direkt belastet. Das Geld stammt aus einem Topf, der von Bauherren bedient wird, wenn sie Flächen versiegeln.

Neue Durchgängigkeit

Zieger unterstrich die Bedeutung der Investition, für die sich die Bundestagsabgeordnete Karin Roth (SPD) in ihrer früheren Funktion als Staatssekretärin engagiert hatte. „Erstmals seit 150 Jahren ist es möglich, den Neckar von Zell bis Mettingen durchgehend zu erleben.“ Der Neckar kehre wieder ein Stück in das Stadtbild zurück. Befürchtungen vieler Badegäste, das Neckarfreibad könnte Schaden leiden, hätten sich als unbegründet erwiesen. Eine Treppe in der Landschaft sowie eine Hecke, die noch zu pflanzen ist, schützten die Liegeweise vor den Blicken der Radfahrer und Fußgänger. Umgekehrt bleibe die Sicht nach draußen aber möglich.

Mit dieser positiven Einschätzung stehen die offiziellen Redner nicht allein. „Aus ökologischer Sicht ist das Bemühen, den Neckar aus dem Korsett zu befreien und neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu schaffen, nur zu begrüßen“, meint Dirk Rupp, Stadtrat der Grünen. Dass das Projekt mitunter auf Vorbehalte oder gar Ablehnung stößt, erklärt er mit einem Missverständnis. Anders als manche Kritiker behaupteten, sei der Radweg ein Nebenprodukt. „Wenn es um den Ausbau des Radwegnetzes gegangen wäre, hätte es mit Sicherheit wichtigere Investitionen gegeben“, räumt er ein. Als Beitrag zum Landschaftspark verdiene das Vorhaben aber volle Unterstützung.

Die Meinungsverschiedenheiten beschränkten sich gestern unter solchen Umständen auf die Frage, ob die Freigabe der Uferzone nur mit Rücksicht auf den Terminkalender der politischen Prominenz verzögert worden ist. Gebhard Räcke, stellvertretender Leiter des Grünflächenamts, widersprach solchen Vermutungen. Abschließende Arbeiten hätten sich bis Mitte August hingezogen, behauptet er. Die Abnahme der Baustelle sei erst kürzlich erfolgt. Eine frühere Öffnung des Wegs sei folglich nicht möglich gewesen.

 

Artikel vom 01.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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