Eine Stadt in Bewegung
ESSLINGEN: Am Tag des offenen Denkmals dreht sich alles um Reisen, Handel und Verkehr
Egal welches Thema die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für den Tag des offenen Denkmals wählt - Esslingen hat immer viel zu bieten. So auch in diesem Jahr. Schließlich ist das Motto des Denkmaltags am 12. September „Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr“ für eine Stadt, die an einer der ältesten Handelsstraßen Europas gegründet wurde, wie geschaffen.
Wer erfolgreich Handel treiben will, muss gut zu erreichen sein. Dieser Erkenntnis hat die Stadt Esslingen ihren Aufstieg zu verdanken. Bereits die erste Ansiedelung auf dem Schwemmkegel des Geiselbachs lag am Schnittpunkt zweier Wege. Da war zum einen die entlang des Neckars verlaufende Fernhandelsstraße von Speyer nach Ulm, welche die bedeutenden Handelszentren in Flandern und Oberitalien miteinander verband - und zum anderen die Neckarfurt sowie die beiden Pliensaubrücken. Durch diese Nahverkehrsverbindung erschloss sich die Stadt regionale Einzugsgebiete: die Filder auf der einen und den Schurwald auf der anderen Seite. „Die Geschichte unserer Stadt ist also ganz wesentlich mit dem Thema des Denkmaltags verbunden“, betonte Oberbürgermeister Jürgen Zieger gestern bei einer Pressekonferenz, auf der er gemeinsam mit Peter Kastner und Inken Gaukel vom Kulturreferat sowie Wolfgang Ratzer vom Stadtplanungsamt das Programm des Tages präsentierte.Neben sechs verschiedenen Stadtrundgängen - ein Thema sind die historischen Handelsrouten und Handelsorte - gibt es 18 Objektrundgänge. Das Angebot reicht vom Amtsgericht über das Literarische Marionettentheater sowie die Türme und Glocken der Stadtkirche bis hin zur Villa Merkel. Auch die Esslinger Burgstaffel wird am 12. September für einen Tag geöffnet, an dem der Burgverein zur Baustellenbegehung lädt. Während sich die Sanierung des überdachten Aufgangs noch ein Weilchen hinziehen wird, ist die Freilegung der historischen Stadtmauer am Roßneckar abgeschlossen. Am Denkmaltag wird OB Jürgen Zieger das „Kanzlei-Ufer“ um 12.30 Uhr offiziell der Öffentlichkeit übergeben.
Radtour und Führungen für Kinder
Um den Nachwuchs für die Geschichte der Stadt und ihre Denkmale zu sensibilisieren, gibt es spezielle Kinderführungen. Und unter dem Stichwort „Besonderes“ finden sich schließlich zehn weitere Attraktionen: Eine Denkmalwanderung entlang des Neckarkanals ist ebenso dabei wie eine Radtour vom Esslinger zum Mettinger Bahnhof oder eine Führung für Blinde und stark Sehbehinderte durch die Sektkellerei Kessler.
Das Landesamt für Denkmalpflege öffnet in diesem Jahr wieder seine Pforten und lädt zu Entdeckungsreisen durch seine Werkstätten ein. Apropos Entdeckungsreise: Unter der Überschrift „Kultur in Bewegung - Volldampf voraus“ startet das Kulturreferat bereits am Sonntag, 5. September, eine zweiwöchige Veranstaltungsreihe, in der es um Bewegendes und Bewegtes geht (die EZ berichtete).
Dass sich am Denkmaltag auch heuer wieder hunderte Esslingerinnen und Esslinger in Bewegung setzen werden, daran zweifeln weder die Organisatoren noch das Stadtoberhaupt. In der ehemaligen freien Reichsstadt habe der Denkmaltag inzwischen einen „gesellschaftlichen Stellenwert“. Aber nicht nur der Zuspruch am Tag des offenen Denkmals, sondern vor allem das Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher sowie Hausbesitzer ist für Jürgen Zieger „ein Indiz dafür, wie sehr die Bürgerschaft mit ihrer Geschichte lebt“.



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