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Die alten Hits sind zeitlos schön

ESSLINGEN: Rock-Heroen Crosby, Stills & Nash gehen auf der Burg mit 5000 begeisterten Fans auf musikalische Zeitreise

 
 
 

Von Alexander Maier

Es gibt Konzerte, da scheint alles zu stimmen: Das Publikum ist so gut drauf wie die Musiker. Die Songs, die jeder in- und auswendig kennt, wecken wohlige Erinnerungen. Der Veranstaltungsort passt wunderbar zur Musik. Und nicht mal das Wetter, das sich tagsüber so unfreundlich gezeigt hat, würde es wagen, die gute Laune zu vermiesen. Ideale Voraussetzungen also für einen herrlich entspannten Abend unter freiem Himmel. Den erlebten rund 5000 begeisterte Fans am Samstag mit den Rock-Heroen David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash. Auf der Esslinger Burg zeigte sich eindrucksvoll, dass die drei Buchstaben „CSN“ noch immer für einen unverwechselbaren Sound stehen, der in der internationalen Musikszene auch nach vier erfolgreichen Jahrzehnten seinesgleichen sucht.

Alte Erinnerungen werden wach

Wenn von Crosby, Stills und Nash die Rede ist, denken Kenner und Liebhaber an unvergessliche Songs wie „Our House“, „Guinnevere“, „Southern Cross“, „Delta“ oder „Wooden Ships“. Und ein bisschen denken viele wohl auch an die eigene Jugend zurück, als sie im schummrig beleuchteten Partykeller, möglichst im Arm des oder der Liebsten, einer Musik lauschten, die etwas ganz Besonderes war. Viele haben die alten Platten, die Crosby, Stills und Nash damals mit ihrem Kollegen Neil Young eingespielt hatten, aufbewahrt. Und auch wenn die schwarzen Scheiben längst zerkratzt und abgenudelt sind, haben sie in vielen Plattenschränken ihren Ehrenplatz. Weil sie nicht nur die Musik von damals bewahrt haben, sondern weil auf ihnen auch ein Stück des eigenen Lebensgefühls die Jahrzehnte überdauert hat.

Da war es kein Wunder, dass auf der Burg die Generation 50plus weit stärker vertreten war als in vielen anderen Konzerten. Ein bisschen war es wie ein Treffen mit guten alten Freunden, die in Erinnerungen schwelgten: „Weißt Du noch…?“ Und deshalb konnten sich Crosby, Stills und Nash auch allen Schnickschnack ersparen: Pünktlich und ohne großes Brimborium standen sie plötzlich auf der Bühne, schnappten sich ihre Gitarren und legten einfach mit der ihnen eigenen Souveränität los - und gleich der erste Titel „Woodstock“ gab die Richtung vor: Willkommen zur musikalischen Zeitreise in die 70er!

David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash können aus einem reichen Fundus grandioser Songs schöpfen. „Our House“, „Rock ‚n‘ Roll Woman“, „Almost Cut my Hair“ oder „Love the one you’re with“ - jeder dieser Titel trägt das Qualitätssiegel „CSN”. Und wer sie hört, weiß sofort, dass Crosby, Stills und Nash dahinter stehen. Da sind drei Musiker, die sich gesucht und gefunden haben. Und die ihr einzigartiges Zusammenspiel über die Jahre hinweg eher noch perfektioniert haben. Graham Nash ist mit seinen 68 Jahren immer noch toll bei Stimme, Stephen Stills ist auch mit Mitte 60 an der Gitarre eine Klasse für sich und David Crosby, mittlerweile auch schon 69 Jahre alt, macht den unverwechselbaren Dreiklang - stimmlich wie instrumental virtuos - perfekt. Da fehlt nur noch Neil Young, der mit den dreien einst ein Stück Musikgeschichte geschrieben hatte. Doch auch er ist irgendwie präsent: Als die Jungs an einem Fenster im Dicken Turm einen Zaungast entdecken, fragt einer: „Wer ist denn das?“ Und bekommt prompt zur Antwort: „Das ist bestimmt Neil.“ Und 5000 Fans könnten sich kringelig lachen.

Wer die alten Hits hört, muss immer wieder staunen, wie zeitlos sie geblieben sind. Crosby, Stills und Nash stellen ihre Songs jedoch nicht nur ins Rock-Museum - sie sind auch souverän genug, die Arrangements, die jeder kennt und die fast jeder möglichst authentisch wieder hören möchte, auch mal etwas anders zu interpretieren. Im ersten Teil beginnen die drei eher unspektakulär - erst beim fünften Titel, wenn der „Marrakesh Express“ losdampft, klettert das Stimmungsbarometer zum ersten Mal in den roten Bereich. Doch das ist Teil einer Dramaturgie, die offenbar funktioniert. Denn nach der Pause legen Crosby, Stills und Nash mächtig zu. Ob es dazu diverser Coverversionen bekannter Kollegen wie der Beatles („Norwegian Wood“), der Rolling Stones („Ruby Tuesday)“, von Dylan („Girl from the North Country“) oder The Who („Behind blue Eyes“) bedurft hätte, mag jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall zeigen sie noch eine andere Facette der großen Vielseitigkeit dieser drei Musiker, die ihre Folkrock-Wurzeln nicht verleugnen. In ein bestimmtes Schublädchen lassen sie sich aber schon lange nicht mehr stecken.

Zauberhafte Balladen

Vor allem im zweiten Teil des Konzerts nehmen sich die Begleitmusiker mehr und mehr zurück, und wenn die drei nur mit Gesang und Akustikgitarre einige ihrer zauberhaftesten Balladen auf der inzwischen nächtlichen Burg präsentieren, ist wohl jeder der Faszination dieser Musiker erlegen. Da darf man den letzten der 24 Titel, die an diesem Abend zu hören sind, durchaus wörtlich nehmen: „Teach your Children well“. Denn nach diesem Konzert kann man seinen Kindern oder sogar Enkelkindern etwas ganz Wichtiges beibringen: Gute Rockmusik ist zeitlos. Und David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash stehen auch nach all den Jahren immer noch für eine Rockmusik, die nichts von ihrem Reiz verloren hat.

 

Artikel vom 26.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (6)

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27.07.2010 00:16 von Karlheinz Beck

Treffender wie Alexander Maier dieses Konzert beschrieb,kann man es wahrscheinlich nicht machen.Und wer wie ich mit dieser Musik aufgewachsen ist,hat sich über jeden einzelnen Titel gefreut. Ein dickes Lob auch an Hans Peter Haag vom Music Circus der diese Band auf die Esslinger Burg geholt hat, ein absolut passendes Ambiente. Wer ein Haar in der Suppe finden möchte, dem fiel auf, das zumindest an diesem Abend Stephen Stills nicht bei bester Stimme war und die Suite Judy Blue Eyes sicherlich ein zusätzliches Highlight gewesen wäre. Doch bei der Vielzahl von Songs dieser Supergroup ist es sicher nicht einfach auch den letzten Fan zufrieden zu stellen. Nach etlichen Konzerten welche ich in den in den letzen Jahren auf der Esslinger Burg gesehen und gehört habe ,gehört jenes von C,S &N auf den Spitzenplatz

26.07.2010 22:34 von Lothar Müller

Treffend und ausführlich beschrieben, kommt zur Sammlung. War letztes Jahr bei CSN in Bonn, das Konzert war schon gut, aber das auf der Esslinger Burg lebte von einer besonders intensiven Stimmung. Was diese 3 Musiker mit ihren "202 Jahren" an Präsenz, Dynamik, Sing- und Spielfreude bringen, das begeistert mich immer wieder. Nr. 3 im 2. Teil war "Midnight Rider" von den Allman's, das vorletzte "Behind blue eyes" von The Who. Ob es dieser Stücke bei der Fülle an eigenen Sachen bedurfte? Diese Hommage geht in Ordnung, und Ruby Tuesday hat mir besonders gut gefallen. Vielen Dank an die, die die Jungs nach Esslingen geholt haben.

26.07.2010 19:05 von Thomas N., Esslingen

Cooles Konzert, genau wie beschrieben. Unsäglich war die Secrity an den Toiletten, die nach Konzertende aggressiv auf einen "Toilettenbetreter" zugingen. So etwas sollte nicht passieren. Peinlich!

26.07.2010 18:28 von Horst Engelhardt

Danke für diesen Artikel (ich komme aus Franken und konnte online lesen), er gibt aus meiner Sicht genau die Stimmung an diesem Abend wieder und versucht nicht um jeden Preis intellektuell irgendwelche kritischen Punkte auszumachen. Nein es war für mich ein wunderbarer Abend, einfach rund und ich werde Esslingen und CSN nicht vergessen. Danke nochmal für diesen "einfachen" menschlichen Journalismus. Stark.

26.07.2010 12:13 von Irmgard W., Karlsruhe

in allen Punkten stimme ich Ihrem Artikel zu. Einziger Wermutstropfen am Ende. Direkt nach Ende des Konzerts wurden vom Veranstalter die Zugänge zu den Toiletten abgeriegelt. Die Security ließ sich erst auf Nachfrage zum Kommentar herab, die Veranstaltung sei beendet. Gleichzeitig wurde an den Cateringständen aber noch fleißig verzehrt. So was habe ich zuvor noch auf keiner Veranstaltung weltweit erlebt...

26.07.2010 09:16 von Jürgen Kratschmann

Ja, es war ein nettes und gemütliches Konzert. Meiner Erinnerung nach haben CSN aber nicht The Who, sondern "Midnight Rider" von den Allman Brothers gespielt. Jedenfalls mir hat's gefallen.


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