Klimaschutz birgt Chancen
ESSLINGEN: Unternehmerforum der Kreissparkasse
Klimaschutz kostet Geld - das ist die eine Seite. Klimaschutz bietet aber auch Chancen. Diese andere Seite stand im Mittelpunkt des 2. Unternehmerforums der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen.
Wer das Klima schützen will, muss manchmal schwitzen. Insofern waren die Rahmenbedingungen im unklimatisierten Schauspielhaus der Württembergischen Landesbühne am Donnerstagabend durchaus passend. Mit dem Ulmer Professor Franz Josef Radermacher hatte die Kreissparkasse einen Nachhaltigkeits-Experten eingeladen, der über das seltene Talent verfügt, komplexe Sachverhalte anschaulich zu machen. Wenn die westlichen Industrienationen heute China und Indien als Klimasünder anprangerten, sei das richtig und falsch zugleich, erklärte Radermacher. Tatsächlich sei der zunehmende CO2-Ausstoß in den aufstrebenden Nationen ein Problem, andererseits: „Der CO2-Ausstoß pro Kopf liegt in den USA bei 18 Tonnen pro Jahr, in Indien sind es 1,2 Tonnen.“ Im Übrigen entstünden die Treibhausgase auch deshalb, weil in China und Indien viel für die westlichen Märkte produziert werde. Lösen lässt sich das Problem aus seiner Sicht nur mit einer kostspieligen Doppelstrategie: „Wir müssen Geld für den Klimaschutz in China und Indien einsetzen und gleichzeitig bei uns in Innovation investieren.“ Nur wenn es gelinge, auch in Zukunft preiswerte Energiequellen zu erschließen, lasse sich der Wohlstand erhalten.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion machten sich die Teilnehmer auf die Suche nach lokalen Lösungsansätzen für das globale Problem. Die Gesprächsrunde litt allerdings unter der Moderatorin Britta Schweinhage, die es, offenbar mangels Vorbereitung, nicht schaffte, auch nur halbwegs vernünftige Fragen zu stellen. Ein paar interessante Anregungen konnten die etwa 150 Zuhörer dennoch mit nach Hause nehmen. Etwa von Herbert Ampferer, Leiter Umwelt und Energie bei Porsche. Er berichtete, dass Energiesparen beim Stuttgarter Sportwagenbauer Teil der Zielvereinbarungen der Führungskräfte sei und sich damit auch auf deren Entlohnung auswirke. Dass sich mit umweltfreundlichen Innovationen Geld verdienen lässt, beweist die Plochinger Firma CeramTec: Sie hat sich auf einen völlig neuen Markt gewagt und eine energiesparende keramische LED-Leuchte entwickelt. „Für Mittelständler gibt es in diesem Segment große Marktchancen“, glaubt Bereichsleiter Alexander Dohn von CeramTec. Erst recht, wenn es so kommt, wie es sich Wolfgang Lotz wünscht: „Energiesparen muss schick werden“, forderte der Geschäftsführer der Stadtwerke Esslingen und hofft, dass die Leute eines Tages die Solaranlage auf dem Dach mit dem gleichen Stolz zeigen wie heute ihr PS-starkes Auto.
Gründerpreis der Kreissparkasse
Im Rahmen des Unternehmerforums unter dem Motto „Geistesblitze“ hat die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen auch die regionalen Gewinner ihres Gründerpreises ausgezeichnet:
1. Preis (2000 Euro): Kochakademie „Ilzhöfers“, Esslingen. In seiner neuen Event-Kochschule am Hafenmarkt bietet der 41-jährige Jörg Ilzhöfer Kochkurse für verschiedene Zielgruppen und zu den unterschiedlichsten Themen an. Das Konzept des gelernten Kochs und Betriebswirts hat die Jury überzeugt: „Jörg Ilzhöfer verfügt aufgrund seiner ausgeprägten Berufserfahrung im Hotelmanagement und seiner seit sechs Jahren angebotenen Kochabende über gute Voraussetzungen, dass diese Geschäftsidee einen erfolgreichen Weg nimmt.“
2. Platz (1500 Euro): Paranauts, Stuttgart/Esslingen/Wendlingen. Die vier Gründer im Alter zwischen 26 und 36 Jahren haben ein neues Verfahren für die Produktion von Gleitschirmen entwickelt. Diese sollen leichter und sicherer als herkömmliche Paragleiter sein und über bessere Start- und Flugeigenschaften verfügen. Ende des Jahres soll das Produkt auf den Markt kommen.
3. Platz (1000 Euro): SensScreen, Esslingen: Der promovierte Chemiker Jochen Peter hat ein Magnetpartikel basiertes Verfahren entwickelt, mit dem Antikörper aus Zellkulturen isoliert werden können. Diese kommen als Wirkstoffe in Medikamenten zum Einsatz. Das Unternehmen hat seinen Sitz im Esslinger Life-Science-Center.



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