EIN PROGRAMM MIT 19 PUNKTEN
Zwischen Fahrrad und Auto soll Gleichstand herrschen
ESSLINGEN: Handlungskatalog findet im Gemeinderat Beifall - Lücken im Netz werden geschlossen
Verwaltung und Gemeinderat haben sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren viel vorgenommen, wenn es darum geht, den Fahrradverkehr in Esslingen auszubauen und zu stärken. Ein entsprechender Handlungskatalog mit 19 Punkten wurde gestern im Ausschuss für Technik und Umwelt vorgestellt.
Die Bemühungen, den Radfahrern in Esslingen deutlich mehr Geltung zu verschaffen, sind Bestandteil des vom Gemeinderat einhellig beschlossenen Klimaschutzkonzeptes. Vorgesehen ist, dass jährlich etwa 30 000 Euro in einer gesonderten Haushaltsstelle für die Förderung des Radverkehrs eingeplant werden, wobei der Gemeinderat während der Etatberatungen jeweils endgültig darüber entscheidet, wie viel Geld es letztlich gibt.Erklärtes Ziel des Klimaschutzkonzeptes ist es, den Anteil umweltfreundlicher Verkehrsmittel am Gesamtverkehrsaufkommen der Stadt deutlich zu erhöhen. Und was für die Radler im Einzelnen an Verbesserungen kommen soll, wird auch Bestandteil eines neuen Verkehrsentwicklungsplanes für Esslingen sein.
SPD-Stadträtin Heidi Bär spricht mit Blick auf den Handlungskatalog von einer guten Grundlage für die nächsten Jahre. Nun müssten die einzelnen Schritte finanziell abgesichert werden. Langfristig wünscht sich die SPD-Fraktion ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Rad- und Autoverkehr. Geprüft werden müsse, ob es für die Pedelecs Fördermittel von der Region gebe.
Die Gleichberechtigung ist auch Edward-Errol Jaffke (CDU) ein Anliegen, wobei für ihn eingedenk des Verhaltens einiger Radler in Fußgängerzonen auch die gebotene Rücksicht nicht vergessen werden darf. Perspektiven sieht Jaffke mit Blick auf Esslingens Topografie durch elektrisch unterstützte Fahrräder. Insgesamt müsse das Konzept längerfristig betrachtet werden.
Fahren statt schieben
„Ein tolles Ziel“, so beurteilt Eberhard Scharpf von den Freien Wählern das Programm. Er fordert künftig deutlichere Hinweise darauf, wo in der Esslinger Altstadt Fahrrad gefahren werden darf und wo nicht: „Das wäre nicht nur für unsere Gäste wichtig, sondern auch für die Bewohner der Stadt.“
Dass in Esslingen Radler vielfach absteigen und schieben müssen, weil Radwege einfach enden oder Baustellen die Fahrt behindern, ist für Stadtrat Helmut Müller-Werner (Grüne) ein Kritikpunkt. Aus seiner Sicht gibt es im bestehenden Radwegenetz zu viele Denkfehler. Deshalb sei die Schließung vorhandener Lücken neben allen anderen Punkten auch von ganz besonderer Bedeutung.
ein programm mit 19 punkten
Das 19 Punkte-Programm zur Förderung des Radverkehrs in Esslingen ist von der Verwaltung zusammen mit der AG Radverkehr erarbeitet worden und verfolgt in den nächsten zehn bis 15 Jahren diese Ziele:
Der Anteil des Fahrradverkehrs von
heute etwa sieben bis neun Prozent
am Gesamtverkehr der Stadt Esslingen
soll in den nächsten 15 Jahren
auf mindestens 15 Prozent gesteigert
werden.
Im städtischen Haushalt wird ein regelmäßiges
und jährliches Finanzbudget
für die Förderung des Radverkehrs
vorgesehen.
Die Stadt als Gründungsmitglied
der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche
Kommunen (AGFK) strebt
eine Auszeichnung als fahrradfreundliche
Kommune an.
Im Stadtgebiet soll ein durchgehendes
Netz von Radrouten entstehen.
Bei allen künftigen Straßenbaumaßnahmen
im Netz der Hauptverkehrsstraßen
sollen die Belange des
Radverkehrs möglichst gleichrangig
behandelt werden, dabei geht es auch
um neue Radwege.
An Hauptverkehrsstraßen sollen
wenn möglich Schutzstreifen für Radfahrer
entstehen.
An Verkehrsampeln soll der Radverkehr
bevorzugt werden (Radfahrschleusen,
Vorlauf vor den Autos).
BekannteUmfallschwerpunkte sollen
entschärft werden.
Sofern keine anderen Belange entgegenstehen,
wird das landwirtschaftliche
und sonstige Wegenetz komplett
für den Radverkehr freigegeben.
Solange die Sicherheit gewährleistet
ist, sollen Einbahnstraßen in Gegenrichtung
für Radler freigegeben
werden.
Geprüft wird die Einrichtung von
Fahrradstraßen auf wichtigen Verbindungen.
Die Möglichkeiten, Fahrräder in öffentlichen
Verkehrsmitteln mitzunehmen,
sollen verbessert werden.
Radabstellplätze an Haltestellen
des öffentlichen Nahverkehrs und zentralen
Plätzen – zum Teil mit Stromanschlüssen
für Pedelecs – sollen ausgebaut
werden.
Am Bahnhof soll es eine Radstation
mit Lademöglichkeiten für Pedelecs
und Serviceleistungen geben. Geplant
ist ein Standort am Südausgang
des Bahnhofs.
An zentralen Punkten der Stadt soll
es Leihfahrräder geben.
Elektroräder und Pedelecs sollen
durch Ladestationen an zentralen
Punkten im Stadtgebiet gefördert werden.
Gefördert werden soll auch der touristische
Radverkehr.
Lücken in der Ausschilderung von
Radrouten sollen geschlossen und die
Beschilderung einheitlich gestaltet
werden.
Die Stadt will ihre Öffentlichkeitsarbeit
rund um das Thema Radfahren
verstärken.


