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„Kämpft für das Gute, es wird Zeit“

ESSLINGEN: Ehemaliger Bodyguard Michael Stahl unterrichtet Selbstverteidigung und fordert mehr Respekt im Umgang miteinander

  Missionar für mehr Respekt: „Habt Ihr schon mal einen Helden gesehen, der andere mobbt und quält?“, fragt Michael Stahl seine Zuhörer.Foto: Eberle
 

Missionar für mehr Respekt: „Habt Ihr schon mal einen Helden gesehen, der andere mobbt und quält?“, fragt Michael Stahl seine Zuhörer. Foto: Eberle

 

„Wenn einer von Euch heute Abend nach Hause geht, seine Eltern in den Arm nimmt und sagt ‚Ich liebe euch‘, hat sich der ganze Aufwand gelohnt“, sagt Michael Stahl. Er war am Freitagabend im Rahmen der Pfingstaktionstage im Jugendtreff Nord des CVJM zu Gast. Stahl ist Trainer für Gewaltprävention, war Bodyguard und arbeitete schon für Muhammed Ali und den Papst.

Von Elke Eberle

„Ich möchte, dass Jugendliche wieder mit mehr Wertschätzung miteinander umgehen“, beschreibt Stahl sein Ziel. Als Bodyguard hat er schon Falco, die No Angels, die Klitschko-Brüder, die Fußballnationalmannschaft und Frauen, die von ihren Männern geschlagen worden waren, begleitet. In seiner Schule für Selbstverteidigung in Bopfingen begegnen dem 39-Jährigen immer wieder Kinder und Jugendliche, die in ihren Klassen gemobbt und gedemütigt werden - die gebrochen sind und gezeichnet fürs Leben, die sich die Arme ritzen und nicht mehr leben wollen. Stahl: „Alle Jungs haben den Traum, ein Held zu sein. Habt Ihr schon mal einen Helden gesehen, der andere mobbt und quält? Ein Mann ist man dann, wenn man für das Gute kämpft.“ Mädchen und Frauen sind in seinen Augen „Prinzessinnen“, auch ihrer sei es nicht würdig, andere zu demütigen. Er fordert: „Fragt Euch, was könnt Ihr Gutes tun. Kämpft für das Gute, es wird Zeit.“Mit seinem Vortrag und seinen Aktionen ist er in Jugendhäusern, an Schulen und in Jugendgefängnissen unterwegs. Seine direkte und unverblümte Sprache und sein Auftreten beeindrucken die Jugendlichen. An diesem Abend gibt er kleine Kostproben von Selbstverteidigung. Mit wohl gesetzter Gegenwehr gelingt es ihm, die „Angreifer“ - also Jugendliche aus den Reihen der Zuschauer - in ihre Schranken zu weisen. Das verschafft ihm Autorität, und die nutzt er gekonnt: „Ich sage und tu, was ich denke. Ich glaube und bekenne mich zu Gott, auch wenn es uncool ist.“

Preis von der Werte-Stiftung

Vor vier Jahren hat er mit dem Personenschutz aufgehört, seitdem konzentriert er sich auf die Selbstverteidigung, bildet auch Trainer aus und hält Vorträge. Für sein Magazin „True Heroes - für ein wertvolles Leben“ wurde er von der Werte-Stiftung mit dem Werte Award 2009 ausgezeichnet. Stahl hat zwei Bücher geschrieben und auch die Medien interessieren sich für ihn: In der Sendung „Welt der Wunder“ zum Thema Gewalt und Jugendliche wird seine Arbeit mit einem jugendlichen Straftäter porträtiert. Der Erfolg war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. „Ich bin in völligem Chaos aufgewachsen, wurde geschlagen, gedemütigt und zum Betteln gezwungen“, erzählt der bullige Mann. Sein Vater war Alkoholiker und die ganze Familie ­schlief in einem verwahrlosten Raum. Dort hing jedoch ein Votivbildchen an der Wand, das einen freundlich lächelnden Jesus zeigte. Heute trägt er das Bild als Foto auf seinem Handy bei sich. Schon als Kind habe ihm das Bild Hoffnung gegeben, erzählt er. Nachdem er ausgezogen war und eine Weile auf der Straße gelebt hatte, fand er seinen Weg und hat inzwischen seinen Eltern vergeben. Er sei auf seinen Vater zugegangen und habe ihn um Verzeihung gebeten.

„Man geht mit positiver Energie“

Michael Stahl findet, dass jeder selbst für sein Leben Verantwortung trägt: „Jeder muss seinen eigenen Weg finden.“ Die Geschichten gehen auch den Jugendlichen unter die Haut. Stahl erzählt von seinen Fehlern, von verpassten Chancen und von Angst. Die Jugendlichen sind sichtlich beeindruckt. Stahl: „Nur wer Respekt bekommen hat, kann auch Respekt geben.“

Zu Gast im Jugendtreff Nord sind regelmäßig „Menschen mit einer besonderen Geschichte“, sagt die Leiterin Katja Müssig. Cemil und Burak, 14 und 15 Jahre alt, genießen die Atmosphäre: „Man kommt mit negativen Gefühlen und geht mit positiver Energie.“ Auch an diesem Abend.

 

Artikel vom 07.06.2010 © Eßlinger Zeitung

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