› mehr Wetter 

„Kirche braucht Bewegung“

KREIS ESSLINGEN: Paul Magino und Martin Schwer als neue katholische Dekane eingesetzt

Auf Dekan Paul Magino (links) und seinen Stellvertreter Martin Schwer warten in schwieriger Zeit viele Aufgaben. Dass Veränderungen nicht immer einfach sind, wissen beide.Foto: Rudel
 

Auf Dekan Paul Magino (links) und seinen Stellvertreter Martin Schwer warten in schwieriger Zeit viele Aufgaben. Dass Veränderungen nicht immer einfach sind, wissen beide. Foto: Rudel

 
Die Spitze des Katholischen Dekanats Esslingen-Nürtingen ist wieder komplett besetzt. Während einer Feier im Gemeindezentrum Salemer Pfleghof wurden Paul Magino als Dekan und Martin Schwer als dessen Stellvertreter in ihre Ämter eingesetzt. Daraus, dass die Amtseinsetzung vor dem Hintergrund einer schwierigen Zeit für die Katholische Kirche stattfand, machten die Redner am Montagabend kein Hehl.

Von Christian Dörmann

Nachdem Dekan Paul Hildebrand vor einem Jahr ins Domkapitel in Rottenburg berufen wurde, wählte der Dekanatsrat im Februar den Wendlinger und Köngener Pfarrer Paul Magino zum Nachfolger. Magino war zuvor bereits stellvertretender Dekan des 2006 neu eingerichteten Dekanats Esslingen-Nürtingen. Sowohl Paul Magino als auch sein Stellvertreter Martin Schwer, Pfarrer in Nürtingen, werden ihre Pfarrstellen weiterführen.

„Kirche braucht Bewegung“, sagte Prälat Rudolf Hagmann bei der Amtseinsetzung, bevor er Magino und Schwer jeweils einen Pilgerstab überreichte. Dass die Kirche Bewegung nicht in jedem Fall liebt, gehört aber auch zu den Erfahrungen des Prälaten, weshalb er die beiden neuen Kirchenführer ermunterte, viel unterwegs zu sein, sich mitunter jedoch auf den Pilgerstab zu stützen, um auszuruhen. Ansonsten hofft Rudolf Hagmann, es möge den beiden neuen Dekanen gelingen, mit ihrer Arbeit auch viele andere Menschen zu bewegen.

Eininger fordert Konsequenzen

Landrat Heinz Eininger erinnerte der Pilgerstab zunächst einmal an den Entertainer Hape Kerkeling, der seine Reise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in dem Buch „Ich bin dann mal weg“ festgehalten hat. Dass Magino und Schwer diesen Buchtitel als Aufforderung verstehen, hofft und glaubt der Esslinger Landrat nicht. „Viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit ist verloren gegangen“, sagte Eininger in Anspielung auf die sexuellen Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche. Aber nicht nur in der Kirche, sondern auch in allen anderen Lebenslagen seien diese Werte wichtig. „Nichts beschönigen, nichts unter den Teppich kehren und Konsequenzen ziehen, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann“, lautete Einingers klare Forderung. Paul Magino würdigte der Landrat als Mann der Basis und lobte dessen vorbildlichen Einsatz bei der seelsorgerischen Betreuung von Betroffenen nach dem Amoklauf vor einem Jahr in Winnenden, der schließlich in Wendlingen endete. Den Umgang der beiden großen Kirchen im Landkreis bezeichnete Eininger als unkompliziert, betonte vor allem die gute Zusammenarbeit in vielen Bereichen der sozialen Arbeit und rief dazu auf, in der Kinder- und Jugendarbeit nicht nachzulassen. Als wichtige Zukunftsaufgabe der Kirchen sieht er die Betreuung von Pflegebedürftigen, deren Zahl stark anwachse.

Brigitte Nann, stellvertretende zweite Vorsitzende des Dekanatsrats Esslingen-Nürtingen, berichtete von viel Gesprächsbedarf und offenen Fragen in den Gemeinden, seit die Missbrauchsfälle die Schlagzeilen beherrschen. „Von den Kirchenführern werden klare und klärende Worte erwartet“, betonte Nann, zu schlimm seien die Dinge, die da passiert seien. Hilfe für Schutzbefohlene und Opfer im Zeichen der Nächstenliebe gehören für Brigitte Nann zu den vordringlichsten Aufgaben dieser Zeit.

Pfarrstelle weiter unbesetzt

Nachdem es seit dem Weggang von Paul Hildebrand vor einem Jahr noch immer keinen Pfarrer für die Esslinger Kirchengemeinde St. Paul/St. Katharina gibt, versprach sich Brigitte Nann Unterstützung von Prälat Rudolf Hagmann. Dessen Nachricht beschränkte sich allerdings darauf, er habe keine gute Nachricht, was die Pfarrer-Nachfolge angehe.

Von einer „Amtsübernahme in schwerer Zeit“ sprach der neue Dekan Paul Magino, wollte dies aber nicht nur auf die Vorfälle in seiner Kirche beschränkt sehen. Für seine künftigen Aufgaben ist sich Magino der Unterstützung vieler bewusst, zumal diese Aufgaben durch ein größeres Dekanat und mehr Aufwand bei der Personalführung anspruchsvoller geworden seien. „Aber es gibt viele Gestaltungsmöglichkeiten“, sagte Magino und rief dazu auf, Neues zu schaffen und neue Wege zu gehen. Dass dies nicht einfach ist, weiß der neue Dekan: „Denn es gibt ja immer noch das viele gute Alte.“

 

Artikel vom 14.04.2010 © Eßlinger Zeitung

Artikel drucken | Artikel als Email verschicken | Themenalarm

 

Leser-Kommentare (0)

-› Artikel kommentieren


Newsticker

Werbung

 

Esslingen und der Erste Weltkrieg

 

Zur Serie

 

Digitale Werbung

Sommerserie

Ideen zum Dicken Turm

Der Dicke Turm schläft den Dornröschenschlaf. Wir sammeln Ideen, wie eine zukünftige Nutzung aussehen könnte. Schreiben Sie uns Ihre Kommentare!

 

Mitdiskutieren erwünscht!

 

Partneranzeigen

 

Facebook

top zum Seitenanfang