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Stolz fordert mehr Mut zu Ehe und Kindern

ESSLINGEN: Schüler der Friedrich-Ebert-Schule diskutieren mit der Sozialministerin

  Zum Abschluss der familienpolitischen Woche an der Friedrich-Ebert-Schule kommt Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz mit (von links) Kevin Lem, Martin Wolf und Turgut Kiziltug ins Gespräch.Foto: von Leesen
 

Zum Abschluss der familienpolitischen Woche an der Friedrich-Ebert-Schule kommt Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz mit (von links) Kevin Lem, Martin Wolf und Turgut Kiziltug ins Gespräch. Foto: von Leesen

 

Ist die Familie ein Auslaufmodell? Unter dieser Fragestellung diskutierten gestern etwa 120 Schülerinnen und Schüler der beruflichen Friedrich-Ebert-Schule mit der baden-württembergischen Arbeits- und Sozialministerin Monika Stolz (CDU). Die Heranwachsenden, größtenteils Jungs vom Technischen Gymnasium sowie angehende Industriemechaniker, interessierten sich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Emanzipation und die Homosexuellen-Ehe.

Von Gesa von Leesen

Der Besuch der Ministerin war Abschluss einer familienpolitischen Woche an der Schule. Die 58-jährige promovierte Medizinerin plauderte zunächst über sich selbst: Vier inzwischen erwachsene Kinder habe sie und auch wenn sie sowohl als Ärztin als auch als Ministerin tolle Berufe habe: „Die Bereicherung durch Kinder ist durch nichts aufzuwiegen.“ Die Familie sei eindeutig kein Auslaufmodell. Und Studien zeigten auch, dass Jugendliche sich zu einem ganz überwiegenden Teil später eigene Familien wünschten. Der Staat brauche die funktionierende Familie, weil in dieser kleinsten Einheit Solidarität und Verantwortung gelehrt werde - Grundlagen, „auf denen unser freiheitlicher Staat aufgebaut ist“. Wo sie noch Handlungsbedarf sehe in punkto Familienförderung, wollte ein Schüler wissen und die Ministerin erläuterte, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden müsse. So würden in den kommenden Jahren die Betreuungseinrichtungen für unter Dreijährige ausgebaut. Wichtig seien zudem Schulen mit Ganztagesangebot. Doch auch in der Arbeitswelt sollte mehr Rücksicht auf die Belange von Vätern und Müttern genommen werden, sagte Stolz. Da sei noch einiges zu tun.Es gebe ja nicht mehr nur die klassische Familie, so ein junger Mann. „Was halten Sie von unverheirateten Paaren mit Kindern und von homosexuellen Paaren?“ Die klassische Ehe sei schon gut, so die Ministerin. Vater und Mutter, die sich ein lebenslanges Versprechen gäben, böten eben auch eine stabile Grundlage für die Kinder. „Aber ich würde niemanden verurteilen, der das nicht macht“, so Stolz. Und bezüglich der Homo-Ehe sei sie leidenschaftslos: „Wenn ' s der Partnerschaft hilft . . .“

Ob die Emanzipation der Frau Schuld daran sei, dass jede zweite Ehe geschieden wäre, bewegte die Jugendlichen ebenfalls. Stolz lachte. „Frauen sind durch die Emanzipation selbstbewusster und selbstständiger geworden. Und das macht es Männern nicht einfacher“, meinte sie. Aber deswegen solle niemand Angst vor einer dauerhaften Partnerschaft haben: „Davon würde ich mich nicht entmutigen lassen.“

Kinder sind kein Armutsrisiko

Mehr Mut zu Ehe und Kindern - das war letztlich die Botschaft der Ministerin. Zwar verstehe sie, dass mancher junge Mensch aus Unsicherheit, was den Arbeitsplatz angehe, vor der Verantwortung für eine Familie zurückschrecken könne. Auch öffentliche Debatten, die von Eltern alle möglichen und unmöglichen Arten der frühkindlichen Förderung verlangen, könnten manchen verzagen lassen. „Da wünsche ich mir mehr Gelassenheit“, befand die Sozialministerin. Und Kinder seien auch kein Armutsrisiko: „Fehlende Arbeit ist ein Armutsrisiko.“ Kinder zu haben sei nicht nur eine Geldfrage, es gehe um die Einstellung dazu. Verantwortung zu übernehmen sei etwas Gutes und entwickle den Charakter, gab Stolz den Schülern mit auf den Weg.

Stefanie Bilke und ihre Zwillingsschwester Simone waren anschließend nur mäßig angetan. „Sie hat die Fragen zu ausweichend beantwortet. Und sie hat viel zu oft betont, wie toll ihre Familie ist“, meinte die 17-jährige Stefanie. „Das ist mir auf die Nerven gegangen.“

 

Artikel vom 20.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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