KOMMENTAR
Nur Verlierer
Mit großen Erwartungen waren sie vor eineinhalb Jahren angetreten, um das Café Kulturschock zu einer guten Adresse für Gastronomie und Kultur zu machen - nun stehen Jacqueline Ries und Angelika Goll vor einem Scherbenhaufen. Die Nachricht, dass für Ries Ende April Schluss ist, wird so manchen Esslinger überraschen. Denn das Café Kulturschock hatte sich in den vergangenen Monaten immer besser entwickelt - und alle Beteiligten waren sich einig, dass der Trend stimmt. Uneins war man sich nur darüber, wie schnell man zum Erfolg gelangen muss. Dass die Eigentümerin nun die Reißleine zieht, ist umso bedauerlicher. Es ist verständlich, dass sie angesichts ihrer Investitionen auf einkalkulierte Mieteinnahmen nicht langfristig verzichten kann. Und vielleicht hatte die Betreiberin die Zeit, die solch eine Einrichtung braucht, um sich zu etablieren, zunächst unterschätzt. Trotzdem hätte ihr Projekt, in das Goll und Ries nicht nur viel Geld, sondern auch einiges Herzblut investiert hatten, mehr Zeit verdient gehabt. Dies gilt umso mehr, als die Betreiberin ohne öffentliche Unterstützung auskommen musste - andere haben es da einfacher. So bleiben nur Verlierer: Die Eigentümerin, die sich nun selbst beweisen muss, dass andere Pächter schneller zum Erfolg kommen. Die bisherige Betreiberin, die weiter vom möglichen Erfolg überzeugt ist und die nun die Früchte ihrer Arbeit nicht mehr selbst ernten darf. Und schließlich auch die Esslinger Kultur, die um eine vielversprechende Facette ärmer wird.



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