Im Café Kulturschock gehen Ende April die Lichter aus
ESSLINGEN: Eigentümerin und Betreiberin uneins über weitere Entwicklung - Kommunikationsprobleme beklagt - Künftige Nutzung offen
Wenn nicht in letzter Minute ein Wun der geschieht, gehen Ende April im Café Kulturschock am Esslinger Char lottenplatz die Lichter aus: Angelika Goll, die Eigentümerin des einstigen Scala-Kinos, hat Betreiberin Jacqueline Ries wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die weitere Entwicklung gekündigt. Ries ist den noch von ihrem Konzept überzeugt.
Bis zuletzt hatten Angelika Goll und Jacqueline Ries verhandelt, um doch noch eine gemeinsame Lösung zu finden. Doch am Ende kam die Eigentümerin zu dem Schluss: „Ich habe nicht mehr gesehen, wie wir weiter zusam menarbeiten können. Das ist wahnsinnig schade, aber ich kann es mir auf Dauer nicht leisten, auf vereinbarte Mieteinnahmen zu verzichten, die ich nach meinen Investitionen ins Gebäude brauche.“ Die Betreiberin habe sich sehr bemüht, in die Erfolgsspur zu kommen, und die Entwicklung sei positiv, bescheinigt Angelika Goll. Weil die Einnahmen nicht so hoch ausfielen wie erwartet, sei die Pacht jedoch nicht wie vereinbart geflossen: „Ich bin so weit wie möglich entgegengekommen, habe aber leider keine verlässliche Perspektive bekommen, bis wann alles wie geplant läuft.“ Zudem habe es zuletzt auch Kommunikationsprobleme gegeben, die eine gütliche Einigung verhindert hätten. Angelika Goll glaubt, dass sich der Veranstaltungssaal mit gut 200 Plätzen noch konsequenter als bisher vermarkten ließe. Nun setzt sie auf andere Interessenten: „Ich bin für alle Vorschläge offen.“
„Wir gehen hocherhobenen Hauptes“
Für Jacqueline Ries, die von ihrem Lebensgefährten Dirk Schmetzer unterstützt wird, i st die Kündigung ein Schlag ins Kontor: „Wir waren auf einem guten Weg . Dass wir gerade jetzt aufhören müssen, ist bitter. Wir sind an einem Punkt, an dem es immer besser läuft. Deshalb gehen wir hocherhobenen Hauptes.“ Sie ist überzeugt, dass ihr Konzept auf Dauer trägt. Und sie sieht sich durch die stetig wachsende Resonanz bei Künstlern, beim Publikum der Veranstaltungen und bei den Gästen im Lokal in ihrer Einschätzung bestätigt. Ries hätte gern weitergemacht, räumt allerdings ein, dass zuletzt die Chemie zwischen Eigentümerin und Betreiberin nicht mehr gestimmt habe. Jacqueline Ries geht nach ihren Erfahrungen der vergangenen eineinhalb Jahre davon aus, dass eine Einrichtung wie das Café Kulturschock „drei bis fünf Jahre braucht, um sich zu etablieren“. Das gelte besonders für die Gastronomie, die es in der ersten Etage schwerer habe als im Erdgeschoss. Unter den gegebenen Umständen sei die vereinbarte Pacht bislang nicht zu stemmen gewesen. Bis Ende April läuft das Kulturprogramm wie geplant weiter, dann ist für Ries und Schmetzer Schluss: „Wie es für uns persönlich weitergeht, wissen wir noch nicht.“
Kulturbürgermeister Markus Raab bedauert die jüngste Entwicklung: „Ich hatte den Eindruck, dass sich das Café Kulturschock positiv entwickelt. Es passt in unsere Kulturlandschaft und es gab einige sehr interessante Ansätze. Eine neue Kultureinrichtung braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Diese Zeit hätte ich der Betreiberin gewünscht.“



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