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Im Café Kulturschock gehen Ende April die Lichter aus

ESSLINGEN: Eigentümerin und Betreiberin uneins über weitere Entwicklung - Kommunikationsprobleme beklagt - Künftige Nutzung offen

Von Alexander Maier

Wenn nicht in letzter Minute ein Wun der geschieht, gehen Ende April im Café Kulturschock am Esslinger Char lottenplatz die Lichter aus: Angelika Goll, die Eigentümerin des einstigen Scala-Kinos, hat Betreiberin Jacqueline Ries wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die weitere Entwicklung gekündigt. Ries ist den noch von ihrem Konzept überzeugt.

Bis zuletzt hatten Angelika Goll und Jacqueline Ries verhandelt, um doch noch eine gemeinsame Lösung zu finden. Doch am Ende kam die Eigentümerin zu dem Schluss: „Ich habe nicht mehr gesehen, wie wir weiter zusam menarbeiten können. Das ist wahnsinnig schade, aber ich kann es mir auf Dauer nicht leisten, auf vereinbarte Mieteinnahmen zu verzichten, die ich nach meinen Investitionen ins Gebäude brauche.“ Die Betreiberin habe sich sehr bemüht, in die Erfolgsspur zu kommen, und die Entwicklung sei positiv, bescheinigt Angelika Goll. Weil die Einnahmen nicht so hoch ausfielen wie erwartet, sei die Pacht jedoch nicht wie vereinbart geflossen: „Ich bin so weit wie möglich entgegengekommen, habe aber leider keine verlässliche Perspektive bekommen, bis wann alles wie geplant läuft.“ Zudem habe es zuletzt auch Kommunikationsprobleme gegeben, die eine gütliche Einigung verhindert hätten. Angelika Goll glaubt, dass sich der Veranstaltungssaal mit gut 200 Plätzen noch konsequenter als bisher vermarkten ließe. Nun setzt sie auf andere Interessenten: „Ich bin für alle Vorschläge offen.“

„Wir gehen hocherhobenen Hauptes“

Für Jacqueline Ries, die von ihrem Lebensgefährten Dirk Schmetzer unterstützt wird, i st die Kündigung ein Schlag ins Kontor: „Wir waren auf einem guten Weg . Dass wir gerade jetzt aufhören müssen, ist bitter. Wir sind an einem Punkt, an dem es immer besser läuft. Deshalb gehen wir hocherhobenen Hauptes.“ Sie ist überzeugt, dass ihr Konzept auf Dauer trägt. Und sie sieht sich durch die stetig wachsende Resonanz bei Künstlern, beim Publikum der Veranstaltungen und bei den Gästen im Lokal in ihrer Einschätzung bestätigt. Ries hätte gern weitergemacht, räumt allerdings ein, dass zuletzt die Chemie zwischen Eigentümerin und Betreiberin nicht mehr gestimmt habe. Jacqueline Ries geht nach ihren Erfahrungen der vergangenen eineinhalb Jahre davon aus, dass eine Einrichtung wie das Café Kulturschock „drei bis fünf Jahre braucht, um sich zu etablieren“. Das gelte besonders für die Gastronomie, die es in der ersten Etage schwerer habe als im Erdgeschoss. Unter den gegebenen Umständen sei die vereinbarte Pacht bislang nicht zu stemmen gewesen. Bis Ende April läuft das Kulturprogramm wie geplant weiter, dann ist für Ries und Schmetzer Schluss: „Wie es für uns persönlich weitergeht, wissen wir noch nicht.“

Kulturbürgermeister Markus Raab bedauert die jüngste Entwicklung: „Ich hatte den Eindruck, dass sich das Café Kulturschock positiv entwickelt. Es passt in unsere Kulturlandschaft und es gab einige sehr interessante Ansätze. Eine neue Kultureinrichtung braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Diese Zeit hätte ich der Betreiberin gewünscht.“

 

Artikel vom 20.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (7)

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29.03.2010 15:28 von A. Beisswenger

Die bevorstehende Schliessung des Cafe Kulturschock ist von uns Stammgästen mit grosser Enttäuschung aufgenommen worden. Neben einer ausgezeichneten Küche zu finanzierbaren Preisen war das sich gerade langsam etablierende Theater ein Geheimtipp sowie eine Chance für junge, aufstrebende Künstler mit Stücken ausserhalb des Mainstream-Theaters. Sollte es wirklich keine Rettung geben für diese geniale Mischung aus Kult, Kultur und Gastronomie im liebevoll gestalteten Restaurant und dem wunderschoenen alten Theater? Wo eine Wille ist, da lässt sich auch ein Weg finden. Vielleicht können Sponsoren gefunden werden oder ist ein Kompromiss möglich, der zumindest eine Weiterführung des Cafes unter der aktuellen Pächterin ermöglicht? Eine zweite Chance würde ich Jacqueline Ries von Herzen gönnen.

26.03.2010 22:43 von Fam.Cvetanovic

Hallo zusammen... .Schade das diese Entscheidung von Frau Goll getroffen wurde,warum auch immer.Das Scala hat sich einen Namen gemacht und das nur durch Fr.Ries & Hr.Schetzer.Wir sind geschockt das eine positive Entwicklung gestoppt wurde und ein junges Team mit Liebe zur Arbeit und enormen Perspektiven in den Ruin getrieben wird.Ich bin überzeugt das einige Veranstalter es sich in Zukunft 2 mal überlegen wo sie ihre Events machen werden.Denn nicht die Räumlichkeiten sondern das Team haben diese gute Zusammenarbeit vollbracht.Ach und noch eines, wie soll ein Team erfolgreich Umsatz machen wenn es Freitags keine Veranstaltungen im Saal organisieren darf?Der Grund dafür ist die benachbarte Tanzschule die sich gestört fühlt.Diese darf wiederrum Samstags nicht offen haben was sie aber trotzdem hat und sich ständig wegen der Samstag Events beschwert.Hier läuft etwas gewaltig schief. 1 Veranstaltungstag mehr=mehr Umsatz schonmal darüber nachgedacht?!Jedem Existenzgründer ist bekannt das die ersten 2 Jahre die schwersten sind und wenn es jetzt wie bisher so gut anläuft und die Tendenz steigend ist dann denke ich hat Frau Goll einen Fehler gemacht.

ALLES IN EINEM , SCHADE !

25.03.2010 17:19 von Hans Büttner

Heimat verloren Kann ein Kulturzentrum Heimat sein ? Wir Esslinger sind stolz auf unsere traditionsreiche Stadt in der Kultur groß geschrieben wird. Das Café Kulturschock bietet Kultur-Begegnungen für Groß und Klein. Mit Jacqueline Ries hat das Scala eine mutige, ideenreiche Jungunterneh-merin, die uns ein kulturreiches und gemütliches Stück Heimat gibt. Neben den jetzt gefährdeten Investitionen steckt hier so viel Liebe im Detail, dass einem der Atem stehen bleibt, wenn man sich vorstellen soll, dass man das alles nicht mehr hätte und dass diese tüchtige Frau in die Pleite getrieben werden soll. Und was ist mit den bereits bestehenden Verträgen mit den Künstlern, die ja ihrerseits auch Verpflichtungen haben ? Die Folgen der Kündigungen mit denkbaren Schadensersatz-ansprüchen sind nicht auszudenken. Hier ist sofortige Hilfe gefragt. Helfen Sie Frau Goll ! Kulturamt: Hier sind Sie gefragt !

23.03.2010 10:19 von W.Gläßner

Jede Blume braucht Zeit zum Wachsen! Und hier wird leider ein zartes Pflänzchen namens "Cafe Kulturschock", dass grade anfängt starke Wurzeln in Esslingen zu bekommen- erbarmungslos herausgerissen! Das Cafe Kulturschock ist in seiner Art einzigartig- bietet ein breites Spektrum für Jung und Alt! Besonders die Veranstaltungen für die Kinder jeden Sonntag werden uns fehlen. Das Kulturschock ist eine Bereicherung für Esslingen und was Frau Ries und Herr Schmetzer mit ihrem Team in so kurzer Zeit ohne jegliche Unterstützung schon erreicht haben, das weiss Frau Goll einfach nicht zu schätzen! Wir Stammgäste und unsere Kinder sind sehr traurig, aber danken dem Team des Cafe Kulturschocks für die erlebnisreichen und wundervollen 1 1/2Jahre! Es gibt nichts Vergleichbares in Esslingen und Umgebung!

22.03.2010 23:00 von K. Neumann

@ Herrn Thomas Geromiller Es muss nicht immer der Vermieter sein. Vielleicht kommt die im Moment bezahlbare Pacht in die Region von dem, was das Finanzamt verlangt und von dem es nicht runter geht und dann bleiben dazu noch die Kosten der Investition. Dazu müsste man jetzt Frau Goll und das Finanzamt Esslingen hören. Es gibt eben manchmal auch Gewinner im Hintergrund, die als Zesrtörer in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung treten.

21.03.2010 15:49 von Anja H.

Das hat mich dann doch sehr erschreckt. Weil man gerade in letzter Zeit immer mehr über das Café Kulturschock in der Zeitung gelesen hat, viele alternative Künstler und Projekte dort eine Bühne gefunden haben und das ja wohl ein mehr als unterstützenswertes Solches ist. Außerdem kenne ich Frau Ries persönlich und weiß wieviel Herzblut sie in das Café Kulturschock gesteckt hat. Es entsteht wirklich der Eindruck, dass ein Kulturzuhause nach dem anderen aus Esslingen radiert wird (man erinnere sich an den Drachenpalast). Meine einzige Hoffnung ist, dass sich vielleicht ein Mediator findet, der bei den Kommunikationsproblemen helfen kann und ein Sponsor, der die finanziellen Mittel hat, diesem Kulturpodium eine letzte Chance zu geben!

20.03.2010 01:26 von Thomas Geromiller

Es ist wahnsinnig trauig daß man dem Team vom Cafe nicht die Zeit gibt dieses zu etablieren.. Aber wenn eine Vermieterin lieber Lehrstand hat ist das NICHT nachvollziehbar.. Da reisen sich die Betreiber den Hintern auf um eine solche Kultureinrichtung auf die Beine zu stellen und zu etablieren bekommen von der STADT Esslingen keinerlei finazielle Unterstützung und werden dann nach 1 1/2 Jahren in den selbigen getreten..

Frau Groll sollte sich überlegen was Sie mit dieser Entscheidung anrichtet.. und ob GELD wirklich alles ist was zählt..

Thomas Geromiller


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