Eine Lobby für die Zielgruppe entstehen lassen
ESSLINGEN: Kerstin Weinland will bei der Interessengemeinschaft Charlottenplatz mitarbeiten
(bes) - Der Charlottenplatz hat sich nach Meinung von Kerstin Weinland zum beliebtesten Treffpunkt ihrer Klientel entwickelt. Grund dafür sei dessen „gute Infrastruktur“. Die Streetworkerin will künftig in der Interessengemeinschaft Charlottenplatz mitarbeiten. Diese sucht Lösungen angesichts zunehmender Klagen wegen der dortigen sozialen und städtebaulichen Probleme.
Eine Infrastruktur inklusive Toilette, mit Bänken, Rasenflächen, Kiosk, nahe gelegenem Supermarkt und guter Busverbindung zur Innenstadt, ein Platz, „wo jeder jeden trifft“: Deshalb habe der Charlottenplatz „für meine Zielgruppe einen hohen Stellenwert. Für viele ist er bereits ein zweites Zuhause geworden“, hatte die Streetworkerin in einem Schreiben formuliert, das sie für das erste Treffen der Interessengemeinschaft Ende Februar verfasst hatte (zu der Veranstaltung selbst konnte Weinland nicht kommen). Im vergangenen Sommer hatte die Streetworkerin erlebt, dass am Charlottenplatz bis zu zwanzig Personen ihrer Klientel anzutreffen waren.Ihr sei durchaus bewusst, dass durch den Aufenthalt der Personengruppe am Charlottenplatz auch Schwierigkeiten im sozialen Miteinander entstünden. Etwa, wenn der Lärmpegel wegen eines erhöhten Alkoholkonsums ebenso steige wie die Müllmenge. Trotzdem wolle sie „eine Lobby für die Zielgruppe entstehen lassen“. Auch spricht sich Kerstin Weinland „gegen Lösungsmöglichkeiten wie Vertreibung oder Alkoholverbote“ aus.
Problemgruppe nicht vertreiben
Eine kostenneutrale beziehungsweise kostengünstige Lösung sehe sie vor allem in einer gegenseitigen Annäherung im Sinne von Aufklärungsarbeit bei der Bevölkerung über besagte Zielgruppe: „Damit werden Berührungsängste abgebaut.“ Ebenso wichtig sei natürlich auch, „dass meine Klientel Verständnis für die andere Seite haben muss“.
Bei Pfarrer Christof Hermann von der benachbarten evangelischen Johanneskirchengemeinde findet sie für diese Position viel Verständnis. Er ist Vorsitzender der vor zwei Jahren gegründeten Interessengemeinschaft Charlottenplatz: „Ich persönlich möchte diese Menschen nicht vertreiben, sondern plädiere ebenfalls für irgendeine Form der Kontaktaufnahme. Sonst wird das Problem nur verlagert.“ Habe man sich erst einmal kennengelernt, könne man „ein paar Nutzungsregeln“ aufstellen. Er kann sich vorstellen, dass beispielsweise ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr „krakelt“ und dass nicht alles zugemüllt wird. Christof Hermann weiß, dass dies nicht einfach werden wird. Dass sich auf dem Charlottenplatz Jugendgruppen und eben auch Obdachlose aufhalten, werde in der Interessengemeinschaft „sehr verschieden gesehen“, formuliert er. Er gehöre zu jenen, die dafür plädierten, den Platz bewusster mit Leben zu füllen: „Dazu gehören eben auch jene Gruppen und das gehört im Sommer zum Stadtleben.“ Vertreten in der Interessengemeinschaft seien aber auch jene, die sich „Ruhe und Ordnung“ für den Platz wünschten, was nachvollziehbar sei. Deshalb gelte es, „eine Mittellinie zu finden“.



Artikel kommentieren