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Fraktionen kritisieren „Alleingang der CDU“

ESSLINGEN: SPD, Freie Wähler und Grüne halten an Reinigungsgebühr für die Innenstadt vorerst fest

  Die innerstädtische Straßenreinigung ist im Gemeinderat längst zum Zankapfel geworden. Die CDU würde die geplante Reinigungsgebühr für Anwohner am liebsten so schnell wie möglich wegfegen.Foto: Rudel
 

Die innerstädtische Straßenreinigung ist im Gemeinderat längst zum Zankapfel geworden. Die CDU würde die geplante Reinigungsgebühr für Anwohner am liebsten so schnell wie möglich wegfegen. Foto: Rudel

 
Die mögliche Einführung einer Straßenreinigungsgebühr für die Esslinger Innenstadt gerät immer mehr zu einem Politikum. Nachdem die CDU-Gemeinderatsfraktion gestern angekündigt hat, sie werde eine solche Gebühr ablehnen, wollen SPD, Freie Wähler und Grüne das Vorhaben weiter verfolgen und vor einer endgültigen Entscheidung den entsprechenden Satzungsentwurf der Verwaltung abwarten.

Von Christian Dörmann

Wenn am kommenden Montag der neue Esslinger Haushalt verabschiedet wird, kann über die umstrittene Innenstadtreinigungsgebühr nicht abschließend befunden werden, weil dem Gemeinderat noch gar keine Satzung vorliegt. Und so machte die CDU ihre Ankündigung während der zweiten Haushaltslesung wahr, dem Vorhaben die Zustimmung zu verweigern, sollten bis zur dritten und abschließenden Lesung des Etats keine konkreten Fakten auf dem Tisch liegen.

„Erst die Satzung vorlegen“

Die SPD, die Freien Wähler und die Grünen machen nun in einer gemeinsamen Erklärung deutlich, dass sie „in Sachen Innenstadtreinigungsgebühr am von allen Fraktionen des Gemeinderats vereinbarten Vorgehen“ festhalten werden. Die Fraktionen kritisieren den „Alleingang der CDU“ als zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehbar. Schließlich sei die geplante Gebühr noch nicht einmal in Grundzügen bekannt. Seriöse Politik setze aber voraus, sich zunächst einmal die nötigen Zahlen, Daten und Fakten zu beschaffen und erst dann zu entscheiden. Deshalb habe der Gemeinderat im Zuge der Haushaltskonsolidierung die Einführung einer Innenstadtreinigungsgebühr auch nur im Grundsatz beschlossen und die Verwaltung damit beauftragt, den Entwurf einer Satzung vorzubereiten.

Den eigenen Weg der CDU empfinden SPD-Fraktionschef Andreas Koch, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Jörg Zoller, sowie der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Jürgen Menzel, als „weder sachgerecht noch dem Arbeitsklima im Gemeinderat dienlich“. In der Finanzkrise sei ein hohes Maß an Gemeinsamkeit nötig, was wiederum Verlässlichkeit und Vertrauen voraussetze.

Die drei Fraktionen wollen also nun den Satzungsentwurf abwarten und dann „unter Einbeziehung der Bedenken und Kritik der Innenstadtbewohner“ entscheiden. Gleichwohl kündigen Koch, Zoller und Menzel schon einmal an: „Sollte sich bei diesem Abwägungsprozess herausstellen, dass die Innenstadtreinigungsgebühr unverhältnismäßig ist, Leistungen und Kosten in keinem angemessenen Verhältnis stehen oder die Gebühr nicht als Konsolidierungsinstrument taugt, würden SPD, Freie Wähler und Grüne von deren Einführung absehen.“ Im Augenblick gehe es aber darum, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen und dem Klima im Gemeinderat keinen zusätzlichen Schaden zuzufügen: „Denn nur gemeinsam ist man stark und nur miteinander in der Lage, den Herausforderungen der Zeit erfolgreich zu begegnen.“

Vorlage kommt am 29. März

Auch Oberbürgermeister Jürgen Zieger teilt die Ansicht, wonach man erst dann entscheiden könne, wenn der Satzungsentwurf vorliege. Dies soll nun am 29. März geschehen, so dass der Gemeinderat am 10. Mai oder sogar schon zuvor in den Ausschüssen über das Thema beraten kann. 185 000 Euro für dieses und 370 000 Euro Einnahmen aus der Reinigungsgebühr für nächstes Jahr sind im Haushalt noch immer fest verbucht. Sollte die Gebühr kippen, dann müsse der Verlust an anderer Stelle, etwa durch weitere Gebührenerhöhungen, aufgefangen werden, betont Rathaussprecher Roland Karpentier.

Die innerstädtische Reinigungsgebühr ist Bestandteil eines umfassenden und einvernehmlich vom Gemeinderat beschlossenen Sparpakets, mit dem die städtischen Finanzen bis zum Jahr 2013 um 26 Millionen Euro entlastet werden sollen. Gegen die Einführung einer solchen Gebühr haben viele Innenstadtbewohner und zuletzt auch der Bürgerausschuss massive Proteste eingelegt. Sie sehen ob der vielen Veranstaltungen in der City und den entsprechenden Hinterlassenschaften auf Straßen und Wegen eine klare Ungleichbehandlung. Die CDU hat sich dieser Sicht der Dinge angeschlossen.

 

Artikel vom 12.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (3)

-› Artikel kommentieren

30.03.2010 19:33 von Toni

@ K.Neumann ... Landkreis und Stadt haben zusammen und nicht gegen einander zu arbeiten. Wenn die verantwortlichen Personen das nicht können, wird es Zeit das sie den Hut nehmen und gehen. Für meinen Geschmack sind in Esslingen ohnehin zuviele Personen schon viel zu lange in den entscheidenden Ämtern. Unnötige Innovationsbremsen. Wird Zeit für Esslingen 2.0!

12.03.2010 17:07 von K. Neumann

@ Toni Da gehen aber bei dem, was Sie da schreiben, beim Herrn Eininger die Alarmglocken,-sirenen, -lichter und was auch immer noch dazu an, haben doch die beiden Herren Schiebel und Zieger schon einmal versucht, das Landratsamt im imperialen Handstreich durch die Stadt Esslingen zu nehmen, um Werte für die Stadt zu generieren. Das die Formulierung für die Feinschmecker. Zu deutsch: die Müllhoheit liegt beim Landkreis. Davon träumen natürlich Schiebel und Zieger als neue, grosse Geldquelle, wenn sie den Landkreis im Zuge einer gewünschten Verwaltungsstraffung für sich beanspruchen - natürlich mit dem hehren Argument, Verwaltungskosten zu sparen - um die Finanzprobleme der Stadt elegant zu lösen, indem man ein riesiges neues Schuldenfass aufmachen kann mit einem Eigenbetrieb Müllentsorgung. Von daher: da werden sich der OB und Herr Schiebel sicher gefreut haben, dass sie einen wackeren Mitstreiter in ES haben für diese Pläne, um die es eigentlich ziemlich schnell wieder ruhig wurde. Aber wer weiss!! Merke: zum Wohl des Landkreises und auch aller Bürger in ES ist nur zu hoffen, dass die Träume dieser beiden Herren nie Wirklichkeit werden! Auch zu Ihrem Wohl lieber Toni! Und dann hoffen wir, dass nach letzten Rückzugsgefechten, bei denen der OB dem SPD Fraktionführer Koch pflichtgemäss letzte Schützendeckung leistet, das Ding in die Mülltone der Stadtgeschichte gekloppt wird. Was mich wundert bei der Geschichte ist das Diskussionsniveau im GR und dass so etwas überhaupt hochkochen kann, sitzen doch mit Herrn Deuschle (FW) und Herrn Drexler (SPD) zwei gestandene Juristen im GR. Aber von da hat man nie eine Bewertung vernommen. Nun ja, Herr Drechsler zumindest ist für S21 unterwegs und vergisst wohl vor lauter Kantezeigen für dieses Projekt seine Aufgabe im GR ernsthaft auszufüllen.

12.03.2010 09:27 von Toni

Der Gleichheitsgrundsatz gilt auch für die Stadt Esslingen. Warum macht man nicht die Müllgebühren für alle Bewohner um ein paar Cent nach oben? Das fällt niemanden auf und alle betrifft es gleich. Also kann auch keiner meckern. Wenn die Stadt zusätzliches Geld für die Reinigung aufbringen muß, sind alle Bürger daran zu beteiligen. Machts doch gleich richtig und baggert nicht unnötig solche Umwege.


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