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Delicious!

Von Claudia Bitzer

Fremde Länder, fremde Sitten: Das galt jedenfalls noch in der nicht globalisierten Welt. In einer Zeit, in der sich schon ganze Unterstufenklassen zum Schüleraustausch mit England in den Flieger setzen, sollte die multikulturelle Spannweite allerdings bereits über den Ärmelkanal hinausreichen. Erst recht, wenn die gegenseitigen Visiten schon zur beiderseitigen Schultradition gehören und sich über die Jahre hinweg gute Bekanntschaften, wenn nicht sogar Freundschaften zwischen Insel und Kontinent entwickelt haben.In diesen Tagen ist wieder eine Gruppe aus einer Esslinger Schule gen Canterbury aufgebrochen. Beim bye bye (deutsch: Winke-Winke) auf dem Stuttgarter Flughafen hat Frau B. aus dem Esslinger Stadtteil S. erzählt, dass sich die Gastfamilie zuvor noch einmal telefonisch bei ihr gemeldet habe. Die Kinder - mit ihrem Trio sind die B.‘s schon Routiniers im England-Austausch - sollten doch auch dieses Mal bitte, bitte wieder das „local bread“ (deutsch: das örtliche Brot) aus Esslingen mitbringen. Das sei immer „so delicious“ (deutsch: so köstlich).Nun weiß man ja, dass die englische Küche nicht gerade im Ruf steht, einen Stern nach dem anderen einzusammeln. Dennoch muss der Schwabe den Briten in Sachen Geschmack an dieser Stelle Abbitte leisten. Bei dem local bread aus Esslingen mit den deliziösen Eigenschaften handelt es sich nämlich - um einen wunderbaren Hefezopf.Bleibt die Frage, ob und wie es die Briten mit dem Eintunken halten. In dieser delikaten Angelegenheit zeigt bereits der Kreis Esslingen seine multikulturellen Züge. Der EZ-Redaktionskollege aus dem Schurwald bevorzugt Kaba, der Lokalchef und das Sekretariat sind sich einig: Kaffee muss es sein. Der Kollege aus Wendlingen versichert hingegen, dass man den Hefezopf auch wunderbar in Rotwein wässern könne. Und er schwört Stein und Bein, dass es sich dabei nicht nur um eine lokale Spezialität der Stadt an Neckar und Lauter handelt.In welchem Tee auch immer die Engländer das local bread aus Esslingen baden lassen: Wer den Gedanken an Trollinger-geschwängerte Zibeben (hochdeutsch: Rosinen) ohne Würgereiz aushält, ist jedenfalls reif für die Insel.

 

Artikel vom 11.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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