„Man sollte solche Entscheidungen nicht auf Familienmitglieder abwälzen“
Zuhörer loben Kompetenz der Podiumsteilnehmer - Bestehende Patientenverfügungen kommen auf den Prüfstand
Esslingen - So groß war der Ansturm auf die Veranstaltungsreihe „Im Gespräch“ von Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen und Eßlinger Zeitung noch nie: Das Thema Patientenverfügung bewegt die Menschen. Gesa von Leesen fragte nach dem Podiumsgespräch Zuhörer, welche neuen Erkenntnisse ihnen der Abend gebracht hat.
Werner Sommer (69), Rentner aus Esslingen: Ich bin gerade dabei, eine Patientenverfügung zu verfassen. Ich befasse mich schon lange mit dem Thema, so dass ich nicht viel Neues erfahren habe - allerdings bin ich auch mit begrenzten Erwartungen gekommen. Neu war für mich eigentlich nur, dass es jetzt für den Arzt einen verlässlicheren gesetzlichen Rahmen gibt, sonst war substantiell für mich kaum etwas dabei.
Barbara Rupp (65), Rentnerin aus Esslingen: Für mich hat das mehr Verwirrung als Klarheit gebracht. Dass es so schwierig ist, eine klare Patientenverfügung zu verfassen, hätte ich nicht gedacht. Ich habe mich jetzt entschieden, eine Vorsorgevollmacht für meine beiden Söhne - die sind Ärzte - zu machen. Mit denen bespreche ich ausführlich, was ich will und dann sollen sie entscheiden, was im Falle eines Falles mit mir passiert.
Klaus Schlegel (72), Rentner aus Esslingen: Der Abend hat sich gelohnt. Meine Frau und ich haben Patientenverfügungen und ich weiß jetzt, dass wir die überarbeiten müssen. Die sind nicht auf dem neuesten Stand. Wir haben parallel auch eine Generalvollmacht laufen, da hat sich für mich bestätigt, dass die fast wichtiger ist. Denn irgendwann kommt vielleicht mal der Zeitpunkt, dass man sich in die Hände der Vertrauensperson begeben muss.
Carmen Monzo (53), Altenbetreuerin aus Esslingen: Ich fand es sehr informativ. Speziell Professor Geißler, weil der mit Fällen aus der Praxis gut erklärt hat, wie man eine Patientenverfügung konzipieren kann. Auch dass die Dame vom Hospiz gesagt hat, man brauche gar keinen Notar für die Verfügung, war für mich neu. Und ich weiß jetzt, dass ich beim Hospiz die richtigen Formulare bekomme. Im Internet weiß man ja nie, ob das seriös ist.
Traudel Öchsle (66), Rentnerin aus Kirchheim/Teck: Das war sehr interessant. Man macht sich ja langsam Gedanken, weil es im Freundeskreis immer mehr Todesfälle gibt. Und man sollte ja nicht alles dem Zufall überlassen. Ich denke, man muss selbst offen mit dem Tod umgehen. Besonders anschaulich fand ich die Ausführungen von Professor Geißler. Tja, es ist eben auch ein Glücksfall, wenn man einen wirklich guten Arzt hat.
Helmut Mauser (70), Rentner aus Nellingen: Mir hat der Abend viel gebracht. Ich habe eine Generalvollmacht für die Frau und die Kinder ausgestellt, aber ich weiß im Moment nicht, ob die auch das Thema Gesundheit umfasst. Das muss ich jetzt noch einmal prüfen. Wegen einer Patientenverfügung werde ich mit meinem Hausarzt reden. Man weiß ja nicht, welche Krankheiten kommen. So eine Verfügung aufzusetzen, erscheint mir deshalb ganz schön schwierig.
Karin Schaubhut (69), Rentnerin aus Esslingen: Herrn Geißlers Bericht über die Arbeit auf der Palliativstation hat mich sehr beeindruckt. Und dass der Arzt auch bei einer Patientenverfügung macht, was er für sinnvoll hält, hat mir gefallen. Wenn ich eine Verfügung aufsetze, kann ich doch noch gar nicht alle Eventualitäten absehen. Ich habe noch keine Patientenverfügung, aber das wäre schon wichtig. Man sollte solche Entscheidungen nicht auf Familienmitglieder abwälzen.
Jochen Broer (68), Rentner aus Baltmannsweiler: Ich habe vor fünf Jahren eine Patientenverfügung verfasst, die muss ich wohl überarbeiten. Laut Professor Geißler bräuchte ich gar keine Patientenverfügung, weil der Arzt im Prinzip schon das Richtige tun wird. Ich finde, eine allgemeine Patientenverfügung, in der meine Einstellung klar wird, müsste ausreichend sein. Für jede Krankheit seinen Willen festzulegen, kann man ja gar nicht.



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