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Mütter und Erzieherinnen schultern gemeinsam den Rucksack

ESSLINGEN: Projekt zur Sprachförderung in Kindergärten läuft gut an

Das Lob eines kleinen Jungen, der zu seiner Mutter sagte: „Das ist aber eine gute Idee, Mama, dieser Rucksack“, ist wohl der beste Beweis dafür, dass die Stadt mit dem „Rucksack-Projekt“ richtig liegt. Das Programm, zu dem Bürgermeister Markus Raab gestern den Startschuss gab, wurde speziell für Mi­granten entwickelt und bezieht die Mütter eng in die Sprachförderung ein.

Von Dagmar Weinberg

An den Wänden im großen Besprechungszimmer der Esslinger Wohnungsbau (EWB) hängen Tiermasken, auf den Tischen geben sich selbst gebastelte Frösche und Elefanten aus Papier ein Stelldichein. Die Mütter, die zumeist türkischer Herkunft sind, haben sich an diesem Vormittag in dem von der EWB zur Verfügung gestellten Raum damit beschäftigt, wie sie ihren Kindern zuhause spielerisch die Tierwelt nahebringen können. Dass sie mit ihrem Nachwuchs in der Muttersprache sprechen, ist dabei ausdrücklich erwünscht.Denn aus der Forschung weiß man, dass nur der erfolgreich eine zweite Sprache lernen kann, der die Muttersprache beherrscht. „Es ist also kein Problem, wenn die Kinder zweisprachig sind, sondern ein Riesenvorteil“, unterstreicht Bürgermeister Markus Raab. Und genau diesen Vorteil möchte man in dem in Nord­rhein-Westfalen entwickelten „Rucksack-Projekt“ nutzen, das seit Januar in den städtischen Kindergärten Plochinger Straße und Auenweg in Mettingen läuft. „Bei dem Projekt geht es nicht darum, Defizite zu bearbeiten, sondern Stärken zu fördern“, macht Bernd Berroth, Abteilungsleiter im Amt für Sozialwesen, deutlich.Im „Rucksack-Projekt“, dessen Start dank einer Spende des Ehepaars Klotzbücher-Wandel möglich wurde, werden die Mütter als Expertinnen der Erstsprache angesprochen und mit Materialien in der jeweiligen Muttersprache versorgt. „Wir erarbeiten in der Gruppe, was man zuhause spielen kann“, erklärt Meral Tas, die sich im Kindergarten Plochinger Straße als Elternbegleiterin engagiert. „Ganz wichtig ist natürlich auch, dass die Mütter ihren Kindern vorlesen und man über das Buch spricht.“ Zudem gibt es Hausaufgaben. „Unsere Mütter und Kinder sind begeistert und können es bis zum nächsten Termin kaum erwarten“, erzählt Hatice Duran, die im Kindergarten Auenweg die Eltern begleitet. Doch nicht nur die Mütter, auch die Kindergärten sind wichtiger Bestandteil des „Rucksack-Projekts“, das Ingrid Gayer vom Amt für Sozialwesen koordiniert. Parallel zur Arbeit daheim werden die Kleinen in den Betreuungseinrichtungen in der deutschen Sprache gefördert.

Das Selbstbewusstsein stärken

„Das ,Rucksack-Projekt‘ ist genau das, was wir in unserem Kindergarten brauchen“, sagt Renate Seifert, Leiterin des Kindergartens in der Plochinger Straße. „Denn bei uns liegt der Anteil an Kindern, in deren Familien mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat, bei einhundert Prozent.“ Seitdem das Projekt läuft, habe sich in ihrem Haus die „Kultur geändert“. So suchen die Mütter jetzt viel intensiver das Gespräch mit den Erzieherinnen, erzählt die Fachfrau. Und die Kinder schauen sich Bücher und ihr Umfeld viel intensiver an. „Seitdem die Mütter sich zuhause zielgerichtet mit ihnen beschäftigen, sind die Kinder ungeheuer motiviert.“ Und davon profitieren die Kleinen dann auch in der Gruppe: „Weil ihre Mütter ihnen viele Dinge schon erklärt haben, können sie mitreden. Und das stärkt natürlich ihr Selbstbewusstsein.“

Da das Projekt über das Landesprogramm „Stärke“ gefördert wird, ist die Finanzierung in diesem Jahr gesichert. Ingrid Gayer hofft, dass die Förderung weitergeht und man im Schuljahr 2010/2011 in den Grundschulen in Mettingen und der Innenstadt den Rucksack schultern kann.

 

Artikel vom 10.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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