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Viel Plastik und ein Geburtstagsgeschenk

ESSLINGEN: Fischer und Nabu reinigen Neckarufer - Weniger gravierende Sünden

 
 
 

Mitglieder des Fischereivereins Esslingen, der Hegegemeinschaft Esslingen, des Angelvereins Unterer See und der Nabu-Ortsgruppe Esslingen haben am Samstag die Neckarufer zwischen Deizisau und Untertürkheim von dem Müll befreit, der in den vergangenen Monaten dort fallen gelassen oder deponiert wurde. Sie verzeichneten zwar weniger Abfall als in den Vorjahren, doch das Umweltbewusstsein vieler Mitbürger stellt sie nach wie vor nicht zufrieden.

Von Peter Stotz

„Den bekommen wir heute schon noch voll“, sagte Helmut Tielesch, Vorstandsmitglied des Fischereivereins Esslingen, mit Blick auf den Zehn-Kubikmeter-Container, der beim Fischerheim auf der Neckarinsel abgestellt war. Bei der jährlichen Reinigungsaktion werden die Neckarufer zwischen Deizisau und Untertürkheim und die Ufer im Naturschutzgebiet am Neckaraltarm zwischen Zell und Altbach von all dem Zivilisationsmüll befreit, den achtlose Zeitgenossen dort fallen ließen. Ein Blick in den Container ließ kaum Zweifel an Tieleschs Vermutung aufkommen. Bereits zwei Stunden nach dem Startschuss war der Behälter zur Hälfte mit prallen blauen Müllsäcken gefüllt.

Säckeweise Altglas

„Zum Glück waren in diesem Jahr keine großen Verrücktheiten und nichts Spektakuläres dabei“, berichtete Edward-Errol Jaffke, Vorsitzender des Fischereivereins. Allerdings sei immer noch ein sehr schlampiger Umgang mit der Natur festzustellen. „Säckeweise Altglas und viel Verpackungsmüll“ hätten die Reinigungshelfer von den Uferböschungen geklaubt. Besonders ärgerlich aus tierschützerischer Sicht sei die große Menge an Plastik­abfällen. „Wer einmal gesehen hat, wie eine Wildente an einer Plastiktüte verreckt ist, hat genug“, sagte Jaffke eindringlich.

Auch wenn in diesem Jahr keine spektakulären Umweltsünden angetroffen wurden, sammelten sich beim Fischerheim doch erstaunliche Dinge an. Einen Bürostuhl, ein Waschbecken und eine Fritteuse sammelten die Helfer ebenso auf wie eine korrodierte Autobatterie. Im Naturschutzgebiet nahe Altbach lagen zwei Autoreifen, und Manfred Schneider und Georg Schneele vom Angelverein Unterer See brachten vom Neckarufer ein langes, mehrere Zentimeter dickes Telefonkabel mit.

Angst vor Strafe

„Insgesamt wird es weniger Müll mit den Jahren“, bilanzierten Jaffke und Manfred Schneider. Dies sei freilich eher auf eine höhere Angst vor Kontrolle und Strafe als auf ein gestiegenes Umweltbewusstsein zurück zu führen. Nach wie vor gebe es viel zu viele Zeitgenossen, die die Natur als Mülldeponie missbrauchten. „Autoreifen habe ich doch immer dabei, wenn ich im Naturschutzgebiet spazieren gehe“, kommentierte Jaffke bissig die „erhebliche Energie“ mancher Mitmenschen.

Drei freiwillige Helferinnen

Allerdings gab es für Jaffke in diesem Jahr auch Erfreuliches zu berichten. So hatten sich Nadine Deusch, Anna Etzel und Madeleine Dressler, drei junge Frauen aus der Region, am Morgen als Freiwillige gemeldet. „Das gab es noch nie“, freute sich Jaffke. Deusch und Dressler hatten von der Aktion aus der Zeitung erfahren und sich spontan dazu entschlossen, die gemeinsame Teilnahme ihrer Freundin zum Geburtstag zu schenken. „Normalerweise schenken wir uns immer Ausflüge, aber das ist doch gut, zuhause etwas für Natur und Umwelt zu tun“, sagte Dressler.

 

Artikel vom 01.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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