Wo Frösche piepsen, meckern oder heulen

ESSLINGEN: Axel Kwet erforscht das Leben von Amphibien in Südbrasilien - Ehemalige halten Seminare am Georgii-Gymnasium

 


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Von Gaby Weiß

„Leuchttürme“ nennt das Esslinger Georgii-Gymnasium eine Seminarreihe, in der aus Anlass des 100-jährigen Schuljubiläums Ehemalige vor heutigen Schülern aus ihren Arbeitsgebieten berichten. Den Auftakt machte Axel Kwet, der 1984 auf dem Lohwasen sein Abitur gemacht hat. Der promovierte Diplom-Biologe arbeitet am Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart, ist Fachmann für Herpetologie, also die Wissenschaft von den Amphibien und Reptilien, und eine ausgewiesene Kapazität auf dem Gebiet der Frösche.Axel Kwet brennt für seine Arbeit: Mit leuchtenden Augen, lebhaften Gesten, profundem Fachwissen und einem beeindruckenden Fundus an Geschichten berichtete er vor den Biologie-Kursen der Klassenstufe 13 von seiner Tätigkeit. Für den 45-Jährigen ist sein Beruf Berufung: Schon als Kind sammelte er in Hegensberg Froschlaich, zog Kaulquappen groß und beobachtete Molche. Mit seinem Kumpel ging es zum „Tümpeln“ an die Körsch, mit sieben Jahren bekam er sein erstes Aquarium und als Schüler betreute er den Georgii-Tierhaltungsraum. Ein Studium der Biologie schloss sich an, und seine Doktorarbeit führte Axel Kwet zum ersten Mal nach Brasilien, ins Waldschutzgebiet Pró-Mata in Rio Grande do Sul. Viele Forschungsreisen folgten, über den Jahreswechsel war er wieder einen Monat lang in den steilen Canyons der südbrasilianischen Regenwälder unterwegs.

 

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Nachts unterwegs mit dem Mikro

Axel Kwet liebt die Arbeit im Feld, wenn er nach Einbruch der Dunkelheit mit Hüftstiefeln, Stirnlampe, Kamera und Mikrofon auf die Pirsch geht, um die nachtaktiven Amphibien zu erforschen. Meistens fängt er die Tiere mit der bloßen Hand: „Man muss blitzartig und beherzt zupacken.“ Aber er hat auch schon Exemplare vom Baum geschüttelt oder, bis zur Schulter im Matsch steckend, aus einem Schlammloch herausgelockt, um sie fangen, vermessen und untersuchen zu können.

Durch spektakuläre Dias, kurze Einspielfilme und viele Hörbeispiele wurde sein Vortrag anschaulich. „Bei uns machen Frösche halt ‚quak‘“, demonstrierte Kwet. Aber in Deutschland gibt es auch gerade mal 21 Amphibienarten. Im brasilianischen Araukarienwald finden sich auf einer 300 Quadratkilometer großen Fläche allein 76 verschiedene Arten: „Und die kann man, weil viele sich im Aussehen ähneln, oft nur an ihren Lauten identifizieren: Ob sie quaken, piepsen, meckern wie Ziegen, wiepwiepwiep machen oder heulen wie ein Rennwagen. Manche machen völlig verrückte Töne“, schwärmte der Fachmann von den vielen Möglichkeiten der Bioakustik, bei der mit Hilfe von Sonogrammen die Arten bestimmt werden.

Giftcocktail auf der Haut

Axel Kwet ist Wissenschaftler mit Leib und Seele. Er hat eine ganze Reihe von neuen Froscharten entdeckt und nahm die Schülerinnen und Schüler mit auf eine Exkursion in die faszinierende Welt der Frösche. Er erzählte von Exemplaren, die mit gequirlten Schaumnestern ihre Brut schützen, erklärte Fortpflanzungsstrategien von „Explosivlaichern“ bis zu solchen, die ihre Eier in eigens gerollten Blatt-Tüten ablegen. Er berichtete von acht Zentimeter langen Wasserwanzen und vom sogenannten Unkenreflex, mit dem sich manche Froscharten in gummiartige Hüllen verwandeln, um Fressfeinde zu täuschen.

Der Biologe schreibt neben seiner Arbeit am Naturkundemuseum auch Bücher, arbeitet als wissenschaftlicher Redakteur und ist zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde. Er gab einen Einblick in seine aktuelle wissenschaftliche Arbeit, in der erforscht wird, wie Frösche den von Pharmakologen auf der Suche nach neuen Arzneien so geschätzten Giftcocktail auf ihrer Haut erzeugen.

Kwet sensibilisierte die Schülerinnen und Schüler für die Gefahren des großen Amphibiensterbens: Neben dem Verlust des Lebensraums, der Umweltverschmutzung und dem Klimawandel ist dafür vor allem der Chydrid-Pilz verantwortlich, dem bereits viele Arten zum Opfer gefallen sind und der viele Populationen bedroht. Wobei, so führte Axel Kwet deutlich vor Augen, die Ausrottung horrende Auswirkungen auf das Ökosystem hat: „Frösche spielen im Nahrungsnetz eine zentrale Rolle. Einerseits vertilgen sie große Mengen Insekten, andererseits stehen sie selbst auf der Speisekarte von Vögeln, Schlangen, Säugetieren, von Spinnen und großen Insekten.“

Artikel vom 16.02.2010 © Eßlinger Zeitung

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