Knallbunter Anzug für den OB
ESSLINGEN: Sieger des Schüler-Schreibwettbewerbs von Stadtbücherei und EZ geehrt
Ein OB hat’s wahrlich nicht leicht: Den lieben langen Tag hetzt er von Termin zu Termin, soll die Probleme der ganzen Stadt lösen, und zwischendurch darf er nicht vergessen, pünktlich seine Mahlzeiten einzunehmen. Und wenn er im eleganten orangefarbenen Anzug durch die Straßen geht, muss er jeden freundlich grüßen - ob er ihn mag oder nicht. Das Berufsbild eines Oberbürgermeisters, das die Teilnehmer des Schüler-Schreibwettbewerbs von Stadtbücherei und Eßlinger Zeitung zeichneten, klingt nicht unbedingt nach Traumjob. Doch zum Glück müssen reale Rathaus-Chefs weder in knallbunten Anzügen herumlaufen, noch schreibt ihnen jemand feste Essenszeiten vor. Dennoch hatte OB Jürgen Zieger unverkennbar Spaß an den Wettbewerbsbeiträgen der Schülerinnen und Schüler, die nun im Kutschersaal ausgezeichnet wurden.
Riesige Beteiligung
Kinderbücherei-Leiterin Bettina Langenheim hatte diesmal bei der Wahl ihres Themas für den Schüler-Schreibwettbewerb einen Volltreffer gelandet: Mit 141 Beiträgen war die Beteiligung riesig, und die Texte waren von hoher Qualität. Keine leichte Aufgabe für die Juroren Claudia Bitzer, Antje Wagner, Sabine Frankholz, Nina Strugholz, Signe Sellke, Ulrike Wörner, Bert Heim, Michaela Heck und Ulrike Bohrer-Blatt, die besten auszuwählen. Und so gingen die Preise erst nach heißen Jury-Diskussionen bei den Dritt- bis Fünftklässlern an Sophie Greiner, Silvia Stärk und Til Bärtschi, bei den Sechst- bis Neuntklässlern an Eileen Purnama, die an diesem Nachmittag verhinderte Leonie Liebler und Elisabeth Blasum.
„Plötzlich Oberbürgermeister von Esslingen sein …“ - das Thema des Wettbewerbs hatte OB Jürgen Zieger neugierig gemacht, der in seiner Rede eine Lanze für die hervorragende Arbeit der Stadtbücherei brach, die eine gute Ausstattung verdiene. An die jungen Autoren appellierte er, auch in Zeiten von E-Mail- und SMS-Kauderwelsch ein geschliffenes Wort zu pflegen. Und mit Blick auf den dicken Packen der Texte meinte er: „Die Freude am geschriebenen Wort ist ungebro chen. Wenn ich all das lese, ist mir um diese Kulturtechnik nicht bang.“
Christian Dörmann, Vize-Chefre-dakteur der EZ, zog seinen Hut vor den Leistungen der Jungs und Mädchen, deren rege Beteiligung ein ermutigendes Zeichen sei: „Bei welcher Gelegenheit lässt sich Phantasie besser ausleben als bei der Lektüre eines guten Textes oder wenn man selbst zu Stift und Papier greift und seine Gedanken aufschreibt?“ Um gerade bei jungen Leuten die Begeisterung fürs Lesen und Schreiben zu fördern, tue die EZ viel - die Beteiligung am Schreibwettbewerb sei deshalb eine Selbstverständlichkeit. Darin war er sich einig mit Willy Roßbach, Vize-Vorstandsmitglied der Kreissparkasse, die den Wettbewerb wie die EZ seit den Anfängen unterstützt: „Es ist so wichtig, dass Kinder angeregt werden, zu lesen und selbst etwas zu Papier zu bringen. Deshalb muss man es mit allen Mitteln fördern, wenn sich junge Menschen die Zeit nehmen und sich so in ein Thema reinknien.“
Höchst vergnügliche Beiträge
Das haben die sechs Wettbewerbs-Sieger allemal getan, jeder auf seine Art. Und egal, ob sie sich ihrer Aufgabe mit knitzem Witz gestellt hatten wie Til Bärtschi oder mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit wie Eileen Purnama, ob sie am Ende der Geschichte wie Silvia Stärk zu dem Schluss kamen, dass es alles andere als erstrebenswert sein muss, Oberbürgermeister zu sein, oder ob sie ihren Einfluss nutzten, um neue Bolzplätze zu bauen wie Sophie Greiner: Die Lektüre der Texte, die auch in der Stadtbücherei ausliegen, ist ein Vergnügen.
Doch am schönsten war’s, sie von den jungen Autoren persönlich präsentiert zu bekommen - wie von Elisabeth Blasum, die nicht nur eine erfrischend originelle Geschichte geschrieben, sondern auch einen tollen Vortrag hingelegt hatte, zu dem die beiden Jazzer Martin Johnson und Andreas Maile den passenden musikalischen Rahmen lieferten.



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